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Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI.: 90 und noch ganz klar im Kopf

Von Heidi Riepl   15.April 2017

Papst Benedikt XVI.
Papst Benedikt XVI.

Rund 50 geladene Gäste aus Bayern und Rom werden den 2013 zurückgetretenen Papst in seinem Altersdomizil, dem vatikanischen Kloster Mater Ecclesiae, besuchen. Das größte Geschenk für ihn sei, dass sein älterer Bruder George (93) komme, sagt sein Privatsekretär Georg Gänswein.

Gesundheitlich soll sich Benedikt wieder erholt haben – jedenfalls seinem Alter entsprechend. "Er ist ganz klar im Kopf, ganz hell. Nimmt Anteil an allem und ist guter Dinge", betont Gänswein. Was ihm allerdings etwas Sorgen bereitet, sind die Füße. Der im oberbayerischen Marktl am Inn geborene Ex-Papst hat Schwierigkeiten mit dem Gehen. Auch die Hände wollen nicht mehr so richtig. Joseph Ratzinger, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, spiele daher nur noch selten Klavier. Seine Hauptbeschäftigung ist nun das Lesen: Täglich verfolgt er die neueste theologische Literatur, er liest zwei deutsche Zeitungen und sieht täglich die Abendnachrichten. Zur aktuellen Vatikan-Politik will er aber keine Stellung abgeben.

Den Rücktritt habe er nach Worten seines Privatsekretärs Gänswein "nie bereut". Er ist überzeugt, dass er die richtige Sache gemacht hat, als er 2013 aus "Rücksicht auf Alter und Gesundheit" seinen historischen Rücktritt bekanntgab. Es gibt konservative Kirchenkreise, die Joseph Ratzinger noch immer gram sind, weil er damals sein Amt aufgab. Der "Professor-Papst", wie er von seinen Anhängern genannt wird, hat das Papstamt jedenfalls menschlich gemacht. Auch sein theologisches Erbe ist umstritten: Für viele ist der Mann mit den schlohweißen Haaren einfach das Symbol für Härte und weltfernen Konservativismus. Mit seinen Enzykliken und persönlich gehaltenen Jesus-Büchern hat er sich bereits einen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert.

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07. Dezember 2019