Lade Inhalte...

Wirtschaft

Trumps Strohfeuer für die US-Wirtschaft erlischt

Von Hermann Neumüller 27. März 2019

Das Strohfeuer der Steuerreform brennt langsam aus. Ein bisschen früh aus der Sicht von Präsident Donald Trump.

Nach neun Zinserhöhungen in den vergangenen drei Jahren will die US-Notenbank Federal Reserve zumindest bis Ende 2019 keine mehr machen. Der Leitzins bleibt nun innerhalb der Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent. Das sei ein Niveau, das die Wirtschaft laut Fed-Chef Jerome Powell weder anschiebt noch bremst.

"Jetzt ist eine großartige Zeit, um geduldig zu sein", sage Powell nach der Bekanntgabe des Zinsbeschlusses vergangene Woche. Noch im Dezember hatte es die Fed ganz anders gesehen und zwei Erhöhungen für 2019 angedeutet. So schnell ändern sich die Zeiten. Und das nicht ohne Gründe: Wegen der schwächeren Weltkonjunktur, des Handelskonflikts mit China und des nachlassenden Rückenwinds durch die Steuersenkung im Volumen von 1,5 Billionen Dollar haben sich die Aussichten zuletzt eingetrübt.

Das Strohfeuer dieser Steuerreform brennt langsam aus. Ein bisschen früh aus der Sicht von Präsident Donald Trump. Er hat sich das ja immer ganz groß auf die Fahnen geheftet, dass es der Wirtschaft gut gehe, seit er im Weißen Haus sitzt.

Dass der von ihm entfachte Handelskrieg mit China der US-Konjunktur nicht zuträglich ist, passt offenbar nicht in sein Weltbild. Jedenfalls geschieht in den USA jetzt das, was wir in Europa in den vergangenen Tagen gesehen haben: Die Konjunkturprognosen werden nach unten korrigiert. Am Montag hat die National Association for Business Economics (NABE) ihre Prognose für heuer von 2,7 auf 2,4 Prozent gesenkt. Nächstes Jahr erwarten die NABE-Ökonomen zwei Prozent Wachstum. Die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Wirtschaft nächstes Jahr in eine Rezession rutscht, schätzen sie auf 35 Prozent. Eine Rezession sind nach US-Definition zwei aufeinanderfolgende Quartale mit einer schrumpfenden Wirtschaftsleistung. Das alles macht wiederum die Finanzmärkte nervös.

Die Renditen kurzfristiger Staatsanleihen sind erstmals seit zwölf Jahren höher als bei den langfristigen Anleihen, was als Warnsignal für einen nahenden Konjunktureinbruch gewertet wird. Denn üblicherweise steigt die Verzinsung mit der Laufzeit.

Das wäre grundsätzlich kein Drama. Solche Schwächephasen über ein paar Monate gibt es, und die Anleger an den Finanzmärkten werden schnell einmal nervös. Auch die deutsche Wirtschaft hatte zuletzt schlechte Quartale.

Sollte dies im nächsten Sommer oder im Herbst in den USA passieren, käme das Trump denkbar ungelegen: mitten im Wahlkampf. Die Gefahr wäre groß, dass er versucht, von einer wirtschaftlichen Schwächephase irgendwie abzulenken bzw. jemand anderem die Schuld dafür zu geben. Vielleicht der EU? Er könnte sich auch in außenpolitische Abenteuer stürzen, um seine potenziellen Wähler bei Laune zu halten. Das sind keine guten Aussichten für das kommende Jahr.

Artikel von

Hermann Neumüller

Redakteur Wirtschaft

Hermann Neumüller
Lädt
turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon fügen Sie das Schlagwort zu Ihren Themen hinzu.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon öffnen Sie Ihre "meine Themen" Seite. Sie haben von 15 Schlagworten gespeichert und müssten Schlagworte entfernen.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon entfernen Sie das Schlagwort aus Ihren Themen.

turned_in

Fügen Sie das Thema zu Ihren Themen hinzu.

1  Kommentar expand_more 1  Kommentar expand_less