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Leitartikel

Trügerische Sicherheit der Kriminalstatistik

Von Philipp Hirsch 03. Mai 2019 00:04 Uhr

Innenminister Herbert Kickl (FPÖ, rechts) und Franz Lang, Direktor des Bundeskriminalamtes

„Ein Abbild der Realität ist die Statistik nur bedingt“

Wie sicher ist Österreich? Die Kriminalstatistik, die gestern von Innenminister Herbert Kickl (FP) vorgestellt wurde, legt den Schluss nahe: Österreich ist im vergangenen Jahr (zumindest ein wenig) sicherer geworden. Die Zahl der angezeigten Straftaten ist historisch niedrig, die Aufklärungsquote hingegen erfreulich hoch.

Das richtige Lesen dieser Statistik ist jedoch schwierig. Die Kriminalstatistik zeigt nämlich nicht, was alles passiert, sie zeigt lediglich, was der Polizei bekannt ist. Kriminalisten sprechen hier vom sogenannten Hellfeld.

Bei Eigentumsdelikten ist die Statistik vermutlich ziemlich nahe an der Realität. Kaum jemand würde wohl einen Diebstahl nicht bei der Polizei melden.

Gänzlich anders sieht das bei Sexualdelikten aus. Es gibt gut untermauerte Schätzungen, wonach hier nur jede zehnte Tat den Behörden gemeldet wird. Der Rest bleibt im Dunkelfeld vor den Augen der Statistiker des Innenministeriums verborgen. Bei Gewaltdelikten, deren Mehrheit im allerengsten Familienkreis verübt wird, zeigen sich ähnliche Muster.

Die Kriminalstatistik ist zuallererst ein Leistungsnachweis der Exekutive. Die Sicherheitslage in einem Staat lässt sich aber nicht wie die Temperatur von einem Thermometer ablesen. Diese Feststellung soll keineswegs die (auch im internationalen Vergleich) beachtliche Leistung der österreichischen Polizei schmälern. Unsere Polizei arbeitet in den allermeisten Fällen schnell, exakt und sorgfältig. Das ist keine Selbstverständlichkeit.

Die Problematik im Umgang mit der Statistik zeigt sich auch im Drogenbereich eindrücklich. Wenn die Polizei im Auftrag der Politik verstärkt nach Autolenkern, die unter Drogeneinfluss stehen, sucht, wird sie diese auch finden. Daraus den Rückschluss zu ziehen, dass nun mehr Drogenlenker unterwegs sind als noch vor wenigen Jahren, ist schlichtweg falsch. Es gilt das Sprüchlein: Wer suchet, der findet.

Trotz aller Schwächen leistet die Kriminalstatistik aber einen wichtigen Beitrag: Sie tritt dem Bauchgefühl vieler Bürger entgegen, dass die Kriminalität in diesem Land in den vergangenen Jahren ein bisher ungekanntes Hoch erreicht habe. Dafür gibt es tatsächlich keinen einzigen Beleg.

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Philipp Hirsch

Redakteur Land und Leute

Philipp Hirsch
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