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Leitartikel

Gewalt an Schulen: Die letzte Eskalationsstufe

Von Markus Staudinger 17. Mai 2019 00:04 Uhr

Sonderschule Teistlergut in Linz

Eine Frage des Respekts: Warum man schon viel früher ansetzen muss.

Ein 16-jähriger verhaltensauffälliger Schüler zieht eine Klassenkollegin brutal an den Haaren und würgt sie. Als Mitschüler und Lehrerinnen dazwischengehen, nimmt der Angreifer aus einer Küchenzeile drohend ein Messer. Die Lehrerinnen können ihm das Messer abnehmen. Sie bleiben zum Glück unverletzt.

Diese Szene spielte sich Mittwochmittag an einer Sonderschule in Linz-Urfahr ab. Es ist gewiss nicht der erste Vorfall von Gewalt an einer Schule. Die Polizei wurde alarmiert, der Fall publik. Und weil Anfang Mai ein Video aus einer HTL in Wien-Ottakring veröffentlicht worden war, auf dem zu sehen ist, wie Schüler einen Lehrer umringen und die Situation dann eskaliert, machte der Gewalt-Vorfall in der Linzer Sonderschule umgehend bundesweit Schlagzeilen.

Das Thema Gewalt an Schulen hat Konjunktur. Die Aufregung um Ottakring veranlasste Bildungsminister Heinz Faßmann (VP) in der Vorwoche gar, Ad-hoc-Maßnahmen gegen Gewalt an Schulen – darunter Time-out-Klassen – zu präsentieren.

Die Aufmerksamkeit, die diesem Phänomen im Moment zuteil wird, hat ihre gute Seite (auch wenn die betroffene Linzer Schule und deren Schüler im konkreten Fall wohl gerne darauf verzichten würden). Über den Umgang an unseren Schulen muss man reden. Die Debatte greift aber zu kurz, wenn sie sich ausschließlich auf rohe Gewaltanwendung und die Symptombekämpfung konzentriert.

Wenn Lehrerinnen und Lehrer – wie in Wien-Ottakring – offenbar Angst vor körperlicher Gewalt durch Schüler haben müssen, ist auf der Eskalationsskala die höchste Stufe erreicht. Da lässt sich nur schwer noch etwas retten. Auch bei brutaler Gewalt unter Schülern, wie jetzt in Linz, ist man schon im fortgeschrittenen Problembereich. Zumindest half hier noch das konsequente Einschreiten der Lehrerinnen, die Schlimmeres verhinderten.

Ansetzen muss man aber bereits viel früher: bei einem grundlegenden Verständnis von Respekt, das Schülern bisweilen fehlt – für das Lehrpersonal, für Mitschüler, für sich selbst. Dieses Verständnis zu vermitteln, kann nicht an Pädagogen in Schulen und Kindergärten delegiert werden – auch wenn sie oft genug unterstützend eingreifen müssen, wenn Eltern dieser Aufgabe nicht nachkommen.

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Artikel von

Markus Staudinger

Ressortleiter Oberösterreich

Markus Staudinger
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