Lade Inhalte...

Leitartikel

Die Katastrophe erzeugt Gemeinsamkeit

Von Eike-Clemens Kullmann 17. April 2019

Bildergalerie ansehen

Bild 1/20 Bildergalerie: Was von Notre-Dame übrig geblieben ist

Der Brand Notre-Dames lässt die Franzosen wieder zusammenrücken.

Nicht schon wieder Paris. Und: Nicht schon wieder ein Terroranschlag. Diese Gedanken gingen vielen Menschen am Montagabend durch den Kopf, als sie die Meldungen vom Brand Notre-Dames erreichten. Rasch stellte sich zwar heraus, dass es sich um keine Terrorattacke gehandelt hat. Nichtsdestotrotz erschütterte die Katastrophe Frankreichs Hauptstadt und die Grande Nation bis ins Mark. Frankreich sei mitten ins Herz getroffen, brachte es die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo auf den Punkt.

Und doch: So sehr der verheerende Brand dieses Bauwerks von unschätzbarem Wert auch an dessen Grundmauern rüttelte, so erzeugte die Feuersbrunst doch etwas, was man an Frankreich lange zu vermissen schien: Gemeinsamkeit. Die Flammen waren noch längst nicht besiegt, da kündigte Präsident Emmanuel Macron schon an, dass Notre-Dame wie Phönix aus der Asche steigen werde. Um dieses Wahrzeichen wieder aufzubauen, brauche es allerdings Spenden – der Staat allein könne diese Gewaltleistung nicht stemmen. Die Reaktion der Menschen war phänomenal. Hatten sie zuerst für die Rettung Notre-Dames gebetet und um "ihr" Wahrzeichen geweint, sagten sie innerhalb weniger Stunden mehrere Hundert Millionen Euro zu.

Gotische Kathedralen Europas wurden für die Ewigkeit errichtet. Für religiöse Menschen sind sie auch mehr als ein halbes Jahrtausend nach ihrem Bau noch Monumente des Glaubens an Gott. Daher: Mag in Notre-Dame auch das Dach eingestürzt sein – die massiven Mauern, also die Grundfesten, sind stehen geblieben. Jetzt braucht es aber auch ein gehöriges Maß an Entschlossenheit – egal ob von religiösen oder "nur" kunst- und kulturaffinen Menschen –, die lange dauernden Wiederaufbauarbeiten anzugehen. Und diese Entschlossenheit beweisen die Franzosen.

Eine Entschlossenheit, an der sich die EU ein Beispiel nehmen sollte. Mit dem Brexit bricht ein Turm der Kathedrale Europa weg. Und da und dort sind weitere Gebäudeteile bedroht. Die Union ist, wie die Kathedralen, ein Konglomerat unterschiedlichster Einflüsse. Trotz oftmals sinnlosem Streit und Sich-Verzetteln in Klein-Klein sollten wir eines nie aus den Augen verlieren: In Summe ist die EU ein wertvolles Bauwerk. Es ist daher an der Zeit, wie bei Notre-Dame, die nötige Entschlossenheit zu zeigen, die Kathedrale Europa auf- bzw. weiterzubauen und nicht irgendwann nur Trümmer zu verwalten.

Interessieren Sie sich für dieses Thema?

Mit einem Klick auf das “Merken”-Symbol fügen Sie ein Thema zu Ihrer Merkliste hinzu. Klicken Sie auf den Begriff, um alle Artikel zu einem Thema zu sehen.

Artikel von

Eike-Clemens Kullmann

Redakteur Außenpolitik, Weltspiegel

Eike-Clemens Kullmann
Lädt
turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon fügen Sie das Schlagwort zu Ihren Themen hinzu.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon öffnen Sie Ihre "meine Themen" Seite. Sie haben von 15 Schlagworten gespeichert und müssten Schlagworte entfernen.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon entfernen Sie das Schlagwort aus Ihren Themen.

turned_in

Fügen Sie das Thema zu Ihren Themen hinzu.

mehr aus Leitartikel

2  Kommentare expand_more 2  Kommentare expand_less