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Leitartikel

Das Gas und Herrn Schröders Wien-Filiale

Von Gerald Mandlbauer   16. April 2019 00:04 Uhr

In diesen Tagen erscheint ein Buch des dänischen Autors Jens Høvsgaard in deutscher Sprache ("Gier, Gas und Geld"), das für Fiktion gehalten werden könnte.

Es geht um ein Pipelineprojekt, um Agenten und Putin, um große Mengen Schwarzgeld und um Politiker, deren Unterstützung man sich gesichert habe. Es wird darin berichtet über Lobbyismus für Russland und ein Männerbündnis um den deutschen Ex-Kanzler Schröder. Und es geht auch darum, wie mit einem Erdgasprojekt Europa weiterhin von russischem Gas abhängig gemacht werden könne. So weit der Plot, aber eben nicht John le Carré, sondern schlichte Realität.

Nord Stream, dieses Pipelinevorhaben, von dessen zweiter Ausbaustufe bereits hunderte Kilometer errichtet worden sind, ist kein wirtschaftliches Unterfangen, sondern reine Machtpolitik. Russland kann damit die Ukraine beim Gasexport umgehen. Die Ukraine verliert den Transit und Geld. Die USA und Osteuropa sind gegen Nord Stream, weil sie die Ausweitung russischen Einflusses befürchten.

In besagtem Buch gibt es kein Extra-Kapitel für Österreich, aber es könnte sich locker eines ergeben, mindestens. Österreichs größter Energiekonzern, die OMV, ist beteiligt an Nord Stream und seit einem Führungswechsel unterwegs auf einem deutlicher gewordenen prorussischen Kurs. Dazu wuchern Theorien und Verschwörungen. Die Rede ist von Industriellen aus dem Automotive-Bereich um Siegfried Wolf, die dabei die Hände im Spiel haben sollen, abermals könnte Gerhard Schröder der Mastermind sein. Sogar das Austria-Stadion sollte dereinst von Gazprom gesponsert werden. Aber dem damaligen Kanzler Faymann sei das dann zu heiß gewesen. Die Austria kriegt jetzt doch ihr Geld, nun sponsert Gazprom den Nachwuchs; dass es 25 Millionen Euro sein sollen, wird dementiert.

Dazu kommen russische Banken, und schließlich gibt es da einen Ex-Finanzminister, der aktuell als Berater für Nord Stream tätig ist. Hans Jörg Schelling sein Name. Er wird, wie die OÖN letzte Woche berichteten, nunmehr in den Aufsichtsrat der OMV wechseln. Passt dies ins große Puzzle und schließt sich damit der Kreis? Oder ist dies nur ein Zufall, und wir sehen Gespenster und haben einfach zu viele Agenten-Romane gelesen? Kann alles leicht sein. Jedenfalls geht es um Geld, nicht wenig Geld. Denn das ist garantiert real, immer wenn Russland im Spiel ist.

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