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Leitartikel

China bastelt an einer neuen Weltordnung

Von Alexander Zens 30. April 2019 00:04 Uhr

China sieht Chance auf Einigung mit USA bei "50:50"
Gespräch zwischen Xi Jinpings Team und der Österreich-Delegation ( APA)

Peking macht vielen Angst, hat aber auch selbst genug Probleme

Für 99 Jahre musste Sri Lanka einen Hafen und ein Stück Land an China verpachten. Der asiatische Inselstaat hatte seine chinesischen Kredite nicht mehr bedienen können. Kredite, mit denen etwa ein Flughafen gebaut wurde, auf dem zwei Jahre mangels Nachfrage kein Flugzeug gestartet ist.

Sri Lanka ist ein Mahnmal für Willfährigkeit und finanzielle Abhängigkeit. Will China dieses "Geschäftsmodell" auch in Europa anwenden und so wirtschaftlich und politisch an Einfluss gewinnen? Große EU-Länder und Brüssel haben Angst davor. Besonders in Osteuropa ist China schon präsent. Das Macht- und Profitstreben firmiert unter dem Namen "Neue Seidenstraße". China will weltweit eine Billion Dollar in neue Handels- und Verkehrswege investieren. Dieses gigantische Vorhaben ist schwer greifbar. China solle mit der gesamten EU verhandeln und nicht einzelne Länder auf seine Seite ziehen, heißt es.

Doch der Vorwurf der Spaltung Europas greift nicht ganz. Es ist wieder einmal die EU selbst, die uneinig ist. Deutschland und Frankreich waren bei der Seidenstraßen-Konferenz in Peking am Wochenende nur als Beobachter dabei, Österreich und sechs andere EU-Länder nahmen offiziell teil. Italien hat sogar schon ein Seidenstraßen-Abkommen mit China für Infrastrukturprojekte geschlossen. Natürlich: Je finanziell angeschlagener ein Land, desto eher das Interesse an chinesischem Geld.

China will die Dominanz des Westens beenden und bastelt an einer neuen Weltordnung, wofür die Seidenstraße ein Werkzeug ist. Ziel ist das "sinozentrische" Weltbild, in dem sich alles um China dreht. Doch handelt es sich angesichts des Handelskonflikts mit den USA, des abflauenden Wirtschaftswachstums und des Megathemas Umweltbelastung auch um eine Offensive aus der Not heraus.

Europa braucht eine starke Antwort und Einigkeit. Das ist aber nicht in Sicht. Gemeinsam könnte die EU effektiver einfordern, was China längst liefern müsste für eine Partnerschaft auf Augenhöhe: freier Marktzugang für ausländische Unternehmen in China und keine Stellung als Entwicklungsland und damit weniger Privilegien für China in der Welthandelsorganisation. Denn auch wenn noch viele Chinesen arm sind, ist das Land die zweitgrößten Volkswirtschaft, die die USA überholen will.

Artikel von

Alexander Zens

Redakteur Politik

Alexander Zens
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