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Leitartikel

Brücken nach Teheran bauen

Von Michael Wrase 17. Juni 2019 00:04 Uhr

Die US-Strategie des „maximalen Drucks“ auf den Iran ist gescheitert.

"Millennium Challenge 2002" war das bis dahin größte Manöver der US-Armee. Es endete mit einem Desaster: In nur 24 Stunden war es der von Generalleutnant Paul Van Riper geführten Gegenpartei gelungen, mit einer Serie von Kamikazeangriffen 16 US-Kriegsschiffe und einen Flugzeugträger zu versenken. Die Attacken, ergab später die Simulation, hätten im Ernstfall den Tod von 20.000 US-Soldaten bedeutet.

Schauplatz des Manövers, das nach der "Niederlage" der US-Army abgebrochen wurde, war der Persische Golf. Bei der von Riper geführten Gegenpartei handelte es sich um iranische Revolutionsgardisten. Der Generalleutnant protestierte gegen den Abbruch und betonte, dass "sich die Geschichte eines Tages wiederholen könnte".

Sind wir 17 Jahre später nun so weit? Die guten Nachrichten zuerst: Vor zwei Wochen hatte US-Präsident Donald Trump das "offizielle Ende des Iran" ankündigt, falls "sie kämpfen wollen". Am Samstag ruderte er zurück und entgegnete auf die Frage, wie man auf die Angriffe auf die Tanker im Golf von Oman reagieren werde: "Wir werden sehen." Trump ist im Gegensatz zu seinem Sicherheitsberater John Bolton kein Freund von Militärinterventionen. Bolton gilt als Architekt der "Strategie des maximalen Drucks", dem kompletten Exportstopp für iranisches Öl, die nach den Tankerangriffen als gescheitert betrachtet werden muss.

Teheran wird vor den USA nicht kapitulieren. Schließlich hat das Regime den Atomvertrag bisher nicht gebrochen. Dies taten die Amerikaner. Noch ist nicht klar, ob der Iran für die Tankerangriffe verantwortlich ist. Vieles deutete aber darauf hin, dass es zu solchen Zwischenfällen kommen würde. Immer wieder hatten iranische Kommandeure vor einer Sperre der Meerenge von Hormus gewarnt, falls man, wie von den USA gewollt, kein Öl mehr exportieren könne. "Wir lassen uns nicht erwürgen", lautete die Warnung aus Teheran. Diese wurde im Westen gehört – und ignoriert.

Um zu verhindern, dass die Lage außer Kontrolle gerät, muss die Welt dem Iran jetzt Brücken bauen. Wird weiterhin tatenlos zugesehen, wie das Land von den USA wirtschaftlich an die Wand gedrückt wird, braucht sich niemand zu wundern, wenn in der Golfregion ein Krieg ausbricht.

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