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Leitartikel

Brandgefährliche Einbahnstraße

Von Michael Wrase 09. Mai 2019 00:04 Uhr

Iran

Die Hardliner in den USA und im Iran steuern auf eine Eskalation zu

Hast kann man dem Iran nicht vorwerfen. Ein Jahr hatte die Islamische Republik gewartet, bis sie auf den US-Ausstieg aus dem Atomdeal und den damit verknüpften „schwersten Sanktionen der US-Geschichte“ reagierte. Der jetzt in Teheran angekündigte schrittweise Ausstieg bedeutet noch nicht dessen Ende. Allerdings ist der Spielraum der Europäer begrenzt. Washington will mit aller Macht die Zerstörung des Abkommens und bestraft daher jeden, der mit Teheran Geschäfte macht.

Selbst gegen Saddam Hussein waren die Amerikaner nicht so rigoros vorgegangen wie jetzt gegen den Iran. Die amerikanische Irak-Strategie führte damals in einen verheerenden Krieg. Die Frage ist daher berechtigt, ob sich jetzt die Geschichte wiederholt.

Die amerikanischen Iran-Planer um den Hardliner John Bolton, so scheint es, wollen dem Iran nicht die Luft zum Atmen lassen. In ihren Augen ist der Iran ein unbelehrbarer Terrorstaat, der mit seinen schiitischen Milizen den Nahen Osten bedroht und die Vernichtung Israels anstrebt. Ruhe in der Region werde erst nach einem „Regime Change“ in Teheran einkehren, hatte Bolton vor seiner Berufung zum Nationalen Sicherheitsberater erklärt.

Allerdings ist der Iran mit seinem weitverzweigten Netzwerk aus Milizen und Kampfgruppen ein weitaus stärkerer Gegner, als es Saddam Hussein vor seinem Sturz 2003 war. Ein neuer Krieg in der Region würde sich nicht auf die Golfregion beschränken, sondern überall dort ausbrechen, wo die Verbündeten des Iran den Ton angeben: Libanon, Syrien und Irak. Auch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate sowie Israel wären vermutlich betroffen.

Natürlich löst die Entsendung eines US-Flugzeugträgers in den Persischen Golf noch keinen Krieg aus. Was die Situation so gefährlich macht, ist der Starrsinn der Hardliner auf beiden Seiten, die selbst einen Dialog über Dritte ablehnen. Hier könnte Europa ansetzen. Man muss den Amerikanern vermitteln, dass sie sich in einer brandgefährlichen Einbahnstraße befinden. Gleichzeitig sollte man auf den Iran einwirken, auf eine Aufkündigung des Atomdeals zu verzichten. Viel Zeit dafür bleibt nicht. Die 60-Tage-Frist reicht sicherlich nicht, um einen Ausweg zu finden.

 

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