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Leitartikel

Amerikas Spiel mit dem Feuer

Von Heidi Riepl 15. Mai 2019 00:04 Uhr

Das Säbelrasseln gegen den Iran könnte dramatische Folgen haben.

Kanonenbootpolitik lautet ein uralter Begriff, mit dem Machtinteressen zur Blütezeit des Imperialismus durchgesetzt wurden. US-Präsident Donald Trump betreibt diese unselige Kriegspolitik nun offenbar gegen den Iran. Nachdem er gegen das Regime in Teheran die "härtesten Sanktionen aller Zeiten" verhängt hat, lässt er einen Flugzeugträger und eine B-52-Bomberstaffel in den Persischen Golf verlegen. Zudem prüft die US-Regierung nun auch die Entsendung von 120.000 Soldaten in den Mittleren Osten.

Trump und seine Hardliner machen keinen Hehl daraus, dass es ihnen längst nicht mehr bloß um eine Verbesserung des angeblich unzureichenden Iran-Abkommens geht. Ihr Ziel ist ein Regimewechsel in Teheran, der mit maximaler Drohkulisse durchgesetzt werden soll. Grundsätzlich hat US-Präsident Trump zwar kein Interesse an einem Krieg. Er trat sogar mit dem Versprechen an, alle US-Soldaten von den internationalen Krisenherden im Irak, in Syrien und in Afghanistan heimzuholen. Auch Außenminister Pompeo betonte gestern Amerikas Friedenswillen. Offenbar glaubt man in Amerika wirklich, dass man mit Säbelrasseln den Iran einschüchtern kann.

Es ist ein brandgefährliches Spiel. Denn Druck erzeugt bekanntlich Gegendruck. Experten warnen nicht umsonst vor einem "Krieg aus Versehen". Amerikas Drohgebärden werden das Regime in Teheran wenig beeindrucken. Im Gegenteil: Sie werden in erster Linie den mächtigen Hardlinern im inneriranischen Machtgefüge Auftrieb geben, die alles andere als zimperlich sind. Die Folgen wären dramatisch: Ein offener Schlagabtausch in der Straße von Hormus, durch die ein Drittel aller weltweiten Ölreserven läuft, könnte die gesamte Weltwirtschaft ins Schlingern bringen. Ebenso wie gezielte Attacken gegen saudische und emiratische Ölanlagen. Mehr noch: Ein offener Krieg gegen den Iran würde sich nicht nur auf die Golfregion beschränken, sondern überall dort ausbrechen, wo die Verbündeten des Iran den Ton angeben: Angefangen von Syrien und dem Libanon über den Irak bis zum Jemen wären auch Saudi-Arabien, die Emirate und Israel betroffen. Und Europa? Europa hat in dem bedrohlichen Konflikt die Rolle des Zuschauers, der neue Flüchtlingsströme und Terroranschläge ausbaden müssen wird.

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Heidi Riepl

Redakteurin Außenpolitik, Weltspiegel

Heidi Riepl
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