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Wirtschaft verstehen

Welchen Sinn haben Konjunktur-Prognosen noch?

Von Hermann Neumüller 22. Mai 2019 00:04 Uhr

Welchen Sinn haben diese Prognosen noch, wenn eine Kurznachricht des US-Präsidenten Donald Trump die Prognose über den Haufen wirft?

Gestern präsentierte die Industrieländer-Organisation OECD ihren halbjährlichen Economic Outlook. Der ist zwar nicht sehr erfreulich, aber immerhin soll die Weltwirtschaft heuer um 3,2 Prozent wachsen. Bisher gingen die OECD-Volkswirte von 3,2 Prozent aus.

"Man kann das Glas halb voll sehen", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurria bei der Präsentation, gäbe es nicht eine Vielzahl von Abwärtsrisiken bei der Prognose. Das größte sei eine Eskalation der globalen Handelsbeschränkungen.

Und schon sind wir beim Kern des derzeitigen Problems: Welchen Sinn haben diese Prognosen noch, wenn eine Kurznachricht des US-Präsidenten Donald Trump die Prognose über den Haufen wirft?

Was global gilt, trifft auch die österreichischen Prognostiker. Gestern schickte auch die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) ihre "Ergebnisse des Konjunkturindikators vom Mai 2019" aus. Dort heißt es: "Robuste Inlandsnachfrage verhindert stärkere Konjunkturabschwächung."

Wie es mit dieser robusten Inlandsnachfrage weitergeht, hängt auch davon ab, ob wir über den Sommer eine handlungsfähige Regierung haben, ob es nach der Wahl im September schnell eine neue gibt und vor allem, ob diese das Projekt Steuerreform wie geplant weiterführt.

Es mag ein bisschen gewagt sein, wenn man die Ausritte Trumps gegen China im gleichen Atemzug mit der Regierungskrise in Österreich nennt. Aber bei der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes spielt Psychologie eine wichtige Rolle. Den Handelskonflikt der USA mit China nehmen Herr und Frau Österreicher sicher auch wahr. Die Turbulenzen in Wien spielen aber derzeit sicher auch eine wichtige Rolle, wenn größere Anschaffungen geplant sind. Und vor allem wollen Unternehmen ein stabiles Umfeld für Investitionen.

Das hat man in den vergangenen Jahren gesehen, als Österreichs Wirtschaft nicht in die Gänge kam, obwohl es in Deutschland hervorragend lief. Erst als mit der Steuerreform 2016 und höheren Lohnabschlüssen die Reallöhne bei uns wieder gestiegen sind, holte Österreich auf.

Genau diese Binnenkonjunktur ist jetzt in Gefahr. Die für Österreich enorm wichtige Exportwirtschaft wird sich wohl eher daran orientieren, was Trump macht, wann die Briten aus der EU austreten und wie es in Deutschland weitergeht.

Damit Konjunktur-Prognosen nicht zu einer Art Kaffeesud-Lesen degradiert werden, müsste sich die Politik wieder etwas stabilisieren. Keine Frage, ganz rund ist es in dieser Hinsicht nie gelaufen, aber momentan ist die Politik so erratisch geworden, dass sie kaum noch in Prognosen "hineingerechnet" werden kann.

Das erhöht die Unsicherheit. Und diese wiederum ist Gift für Konsum und Investitionen. Dabei wären die Aussichten für die Weltwirtschaft ohne Handelskonflikt & Co. gar nicht so schlecht. Aber wir haben halt diesen US-Präsidenten und müssen mit ihm leben lernen.

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Hermann Neumüller

Redakteur Wirtschaft

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