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Wirtschaft verstehen

Von Brexit bis Gabalier: Hat die Masse immer recht?

Von Teodoro Cocca   06. Februar 2019 00:04 Uhr

Die Brexit-Abstimmung erinnert an die EWR-Abstimmung in der Schweiz im Jahr 1992.

Damals entschieden sich die Schweizer knapp mehrheitlich (50,3%) gegen einen Beitritt zum EWR, und dies gegen die offizielle Meinung der Mehrheit der Parteien, der etablierten Medien und der Wirtschaft.

Auch damals wurde nach der Abstimmung das Bild vermittelt, dass sich die Schweiz vor einem Scherbenhaufen befinde und sich die Zukunft wirtschaftlich desaströs präsentiere. Das Volk habe sich von falschen Argumenten leiten lassen, lautete der Grundtenor. Inwieweit in diesem Fall rückblickend das Volk richtig oder falsch entschieden hat bzw. wie es der Schweiz im EWR und in weiterer Folge vielleicht in der EU ergangen wäre, ist schwer zu beantworten. So schlecht scheint es auf jeden Fall der Schweiz auch außerhalb der EU nicht gegangen zu sein.

Demokratisch ist dies aber unter Umständen gar nicht der Punkt. Das damalige Abstimmungsergebnis der Schweiz lehrt, dass eine der schwierigsten Seiten einer Demokratie in der Akzeptanz der Mehrheitsentscheidung liegt – sich just bei richtungsentscheidenden Voten knapp in der Minderheit wiederzufinden, ist schwer zu schlucken.

Gerade das Schweizer Beispiel zeigt, dass es auch einen Weg außerhalb der EU gibt, so unklar und unsicher dieser Weg am Anfang scheinen mag. In Zeiten des allgegenwärtigen Populismus-Vorwurfes sollte man die demokratische Mehrheitsmeinung nicht lächerlich machen und verhöhnen, so sehr diese der eigenen Meinung auch widerstrebt.

Wie zumindest die Schweiz wiederholt zeigt, hatte das Volk am Schluss immerhin nicht unrecht. Wenn der Einzelne die Meinung der Mehrheit sachlich in Frage stellt, ist dies selbstverständlich (s)ein demokratisches Recht – ja sogar Pflicht. Den Mehrheitsentscheid abschätzig zu verhöhnen, zeugt hingegen von einem zynischen Demokratieverständnis.

Respektvoller Umgang mit Andersdenkenden ist das Grundprinzip eines achtsamen Umgangs einer demokratischen Gesellschaft untereinander. Vom Brexit bis hin zu scheinbar unwichtigeren Themen wie etwa der ständigen Aufregung um (Massen-)Künstler wie den Musiker Andreas Gabalier ist ein Verlust dieses Prinzips zu beobachten. Sich über den anderen zu erheben, ihn von oben herab zu behandeln, kann kaum im Sinne der Demokratie sein. Zur Demokratie gehört unweigerlich auch die Pflicht, sich um objektive Information zu bemühen, Argumente abzuwägen und sich einzugestehen, dass eine vorgefasste Meinung falsch war.

Sollten Sie nun der Ansicht sein, die anderen sollten sich genau diese Zeilen zu Herzen nehmen, dann wäre die Botschaft nicht durchgedrungen. Bei sich selbst muss man anfangen.

Teodoro D. Cocca ist Professor für Asset Management an der JKU Linz.

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