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Wirtschaft verstehen

Trumps Allmacht: Von Washington bis Steyr

Von Teodoro Cocca   14. November 2018 00:04 Uhr

Die Zwischenwahlen in den USA haben gezeigt, dass US-Präsident Donald Trump fester im Sattel sitzt, als mancher hierzulande erwartet hätte. Eine Wiederwahl Trumps als Präsident der größten Wirtschaftsmacht der Welt in zwei Jahren liegt absolut im Bereich des Möglichen.

Das Resultat der Zwischenwahlen ist aus wirtschaftspolitischer Sicht für das Land Oberösterreich nicht unerheblich. Es ist dabei die internationale Handelspolitik, welche eine direkte Verbindung zwischen Washington auf der einen und den exportorientierten Unternehmen in Linz, Wels oder Steyr auf der anderen Seite herstellt. Trump wird im Ausgang der Zwischenwahlen – unbescheiden, wie er ist – Zustimmung zu seiner handelspolitischen Linie erkennen.

Man muss auch ehrlicherweise zugeben, dass die medial perfekt inszenierten Strafzölle gegen China ihre Wirkung nicht ganz zu verfehlen scheinen. Trump ist ein geschickter Verhandler, da gibt es kaum Zweifel. Offensichtlich treffen die Strafzölle das mächtige China an einem wunden Punkt und zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt, befindet sich die chinesische Wirtschaft doch in sichtbaren Schwierigkeiten.

Inhaltlich kämpft Trump zudem auch ein bisschen für oberösterreichische Unternehmen, denn er fordert beispielsweise einen offeneren Marktzugang zum Reich der Mitte und eine striktere Einhaltung von Patentrechten – sehr gerechtfertigte Anliegen.

Die Bereitschaft, einzulenken, dürfte auf chinesischer Seite durchaus realistisch sein und würde auch den österreichischen Unternehmen durch einen offeneren Zugang zum größten Markt des Planeten Vorteile bringen. Sollte es zu einer Annäherung zwischen China und den USA kommen, könnte dies aber Folgen für den Handelskonflikt zwischen den USA und der EU haben. Es würde für Trump auf der Hand liegen, die in diesem Falle erfolgreiche Verhandlungsstrategie gegenüber China auf die EU anzuwenden.

Und was würde sich für eine Eskalation besser eignen als das ebenfalls sehr große Handelsungleichgewicht gegenüber Deutschland? Damit wäre die mit Deutschland eng verzahnte oberösterreichische Wirtschaft plötzlich mitten im Zentrum des Konfliktes. Denn eine unter Druck gesetzte deutsche Wirtschaft würde sicherlich den Druck an die – unter anderem auch oberösterreichischen – Zulieferer weitergeben.

In Summe ist aus oberösterreichischer Sicht damit vor allem eine geopolitische Beziehung strategisch besonders wichtig: diejenige zwischen Trump und dem oder der neuen deutschen Bundeskanzlerin, falls Merkel tatsächlich bald komplett abtreten müsste. Eine Eskalation zwischen den USA und Deutschland würde auch ganz Oberösterreich zu spüren bekommen – und wie.

Teodoro D. Cocca ist Professor für Asset Management an der JKU

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