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Wirtschaft verstehen

Schnelles Internet ist kein Allheilmittel gegen die Landflucht

Von Hermann Neumüller   20. Februar 2019 00:04 Uhr

Der Breitband-Ausbau ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung, um die Landflucht zu stoppen. Eigentlich eine Binsenweisheit. Es gibt sie aber jetzt auch schwarz auf weiß in Form einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo). Digitalisierung sei kein Allheilmittel, um die Kluft zwischen städtischen und ländlichen Regionen zu schließen, sagte Wifo-Forscher Matthias Firgo bei der Präsentation über die "Beschäftigungseffekte der Digitalisierung in den Bundesländern sowie in Stadt und Land", die er im Auftrag der Verbindungsstelle der Bundesländer durchgeführt hat. Die Breitband-Strategie müsse eingebettet werden in eine gesamtheitliche Strategie zur Entwicklung ländlicher Regionen, damit auch andere wesentliche Infrastrukturbereiche in ausreichender Qualität vorhanden seien.

Dazu zählt Firgo Nahversorgung, öffentlichen Verkehr und Kinderbetreuungsplätze. Es gebe kein Patentrezept für alle Regionen, die Maßnahmen müssten auf die jeweiligen Stärken und Schwächen einer Region abgestimmt werden. Anders gesagt: Jeder Bürgermeister, jeder Bezirkshauptmann muss sich selber Gedanken machen, wie seine Gemeinde, sein Bezirk attraktiv bleiben bzw. wieder attraktiv werden kann.

Das klingt sehr technisch und danach, dass es allein eine Sache der Politik wäre, den ländlichen Raum so attraktiv zu gestalten, um die Menschen zu halten. Es sind aber auch die Bürger gefordert. Wer will, dass das Lebensmittelgeschäft im Ort bleibt und der Wirt nicht zusperrt, muss dort auch hingehen – und zwar einigermaßen regelmäßig. Ob ein Ort funktioniert, hängt auch davon ab, ob es Vereine gibt. Von der Feuerwehr bis zur Schuhplattler-Gruppe, diese Institutionen sind entscheidend für den Zusammenhalt eines Ortes.

Sich auf den Staat zu verlassen, heißt, den Bock zum Gärtner zu machen. Die Landflucht hat zwar primär mit den nicht vorhandenen Arbeitsplätzen zu tun. Aber der Staat hat viel dazu beigetragen, sie zu verstärken. Zuerst sperrte er Gendarmerie-Posten zu, in den Bezirksorten das Gericht und dann auch noch das Postamt. Das wäre die Zeit gewesen, der Landflucht entgegenzuwirken.

Wenn jetzt die Politiker das Sterben des ländlichen Raumes beweinen und mit viel Geld die Ortskerne wiederzubeleben versuchen, dann hat das auch viel mit Scheinheiligkeit zu tun. Aber einen Versuch ist es wert.

Die Digitalisierung schafft Arbeitsplätze, davon kann der ländliche Raum auch profitieren. Die Voraussetzungen dafür sind Breitband und öffentliche Verkehrsanbindungen. Auch bei den Schulen kann die öffentliche Hand bewegen. Gute Schulen gibt es und soll es weiterhin auch auf dem Land geben. Und eine Landes-Musikschule kann auch nicht schaden. Schließlich ist auch Kultur ein Standortfaktor, auch das darf man nicht vergessen.

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