Lade Inhalte...

Wirtschaft verstehen

Nicht nur Donald Trump sorgt sich wegen des steigenden Ölpreises

Von Hermann Neumüller   03. Oktober 2018 00:04 Uhr

In Kombination mit dem zum US-Dollar schwachen Euro wirkt sich der gestiegene Ölpreis besonders stark auf die Treibstoffpreise aus.

Mehr als 85 US-Dollar kostete gestern ein Fass Rohöl der Sorte Brent. Das ist der höchste Stand seit vier Jahren. Dass der Ölpreis in den vergangenen Monaten wieder deutlich gestiegen ist, merkt der Autofahrer ohnehin an der Tankstelle. In Kombination mit dem zum US-Dollar schwachen Euro wirkt sich der gestiegene Ölpreis besonders stark auf die Treibstoffpreise aus.

Besonders ungelegen kommt der gestiegene Ölpreis US-Präsident Donald Trump. Im November stehen in den USA die Midterm-Elections an. Die heißen so, weil sie genau in der Mitte der vierjährigen Amtszeit eines US-Präsidenten stattfinden. Ein Drittel der Senatoren und das gesamte Repräsentantenhaus werden neu gewählt.

Derzeit sind sowohl Senat als auch Repräsentantenhaus in der Hand der Republikaner, also der Parteifreunde des Präsidenten. Umfragen zufolge könnte sich das ändern. Und entsprechend blank liegen die Nerven des Präsidenten und seiner Parteigänger.

Trump will, dass die Opec-Länder die Förderung ausweiten, um den Ölpreis zu drücken. Nach mehreren Twitter-Attacken hat der amerikanische Präsident am Wochenende sogar zum Telefon gegriffen und mit Saudi-Arabiens König Salman gesprochen.

Die Grundstimmung bei dem Gespräch dürfte recht angespannt gewesen sein. Schließlich hat Trump den Opec-Ländern vorgeworfen, den Rest der Welt "abzuzocken".

Der US-Präsident verwechselt oft Ursache und Wirkung. Auch in diesem Fall. Im November sollen die schärferen US-Sanktionen gegen den Iran in Kraft treten. Trump will das Land wirtschaftlich weitgehend isolieren. Der Iran liefert rund 2,7 Millionen Fass Öl am Tag, das sind rund drei Prozent des täglichen Weltkonsums.

Das ist zwar nicht allzu viel, die Lage am Golf könnte aber eskalieren, wenn sich die politische Situation zuspitzt. Der Iran hat schon gedroht, die Straße von Hormus zu blockieren. Das würde die weltweite Ölversorgung empfindlich treffen.

Das ruft natürlich die Spekulanten auf den Plan. Unter Experten wächst die Sorge vor einem drastischen Ölpreisanstieg. Es werde in Fachkreisen darüber diskutiert, ob Brent noch 100 Dollar pro Fass in diesem Jahr kosten werde oder nicht. Ein derart starker Anstieg des Ölpreises ist eine Konjunkturbremse erster Güte, obwohl die Abhängigkeit der Weltwirtschaft vom Öl in den vergangenen Jahren gesunken ist.

Die Frage ist jetzt, ob und wie schnell andere Länder für den Ausfall der Öllieferungen aus dem Iran aufkommen. Bei der US-Investmentbank Goldman Sachs ist man zuversichtlich.

Für die ausfallenden Lieferungen aus dem Iran könnte unter anderem Russland einspringen. Bei Goldman Sachs geht man jedenfalls davon aus, dass sich der Brent-Preis zum Ende dieses Jahres zwischen 70 und 80 Dollar pro Fass einpendeln und wieder stabilisieren wird.

Lädt
turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon fügen Sie das Schlagwort zu Ihren Themen hinzu.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon öffnen Sie Ihre "meine Themen" Seite. Sie haben von 15 Schlagworten gespeichert und müssten Schlagworte entfernen.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon entfernen Sie das Schlagwort aus Ihren Themen.

turned_in

Fügen Sie das Thema zu Ihren Themen hinzu.

mehr aus Wirtschaft verstehen

2  Kommentare expand_more 2  Kommentare expand_less