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Wirtschaft verstehen

Fusionen sind oft die Flucht nach vorne

Von Hermann Neumüller   20. März 2019

Fusionen und Übernahmen sind derzeit "in Mode".

Es mag ja durchaus Sinn ergeben, eine Firma zu kaufen oder sich mit einem Mitbewerber zusammenzuschließen. Bei der geplanten – oder eher von der Politik gewünschten – Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank fällt es schwer, einen Sinn darin zu erkennen.

Zwei von der Finanzkrise gebeutelte deutsche Banken, die sich noch immer nicht ganz erholt haben, wollen sich zusammenschließen. Ob es dazu kommt oder nicht, steht noch nicht fest.

Tatsache ist aber, dass Fusionen und Übernahmen derzeit "in Mode" sind. 3,4 Billionen Dollar (2,99 Billionen Euro) betrug im Vorjahr das Volumen von Mergers & Acquisitions (Fusionen und Übernahmen), hat das Beratungsunternehmen Bain & Company erhoben, das zweithöchste Niveau der vergangenen 20 Jahre.

Gründe, warum Firmenübernahmen wieder derartig boomen, gibt es eine Reihe. Einer davon ist schlicht jener, dass Finanzierungen historisch günstig sind und Geld, das nach Veranlagungsmöglichkeiten sucht, in Hülle und Fülle vorhanden ist. Deshalb spielen oft auch Finanzinvestoren eine wichtige Rolle. Dazu kommen laut Wilhelm Schmidt, Partner bei Bain Germany und M&A-Experte, noch weitere Gründe: Der schnelle technologische Wandel und ambitionierte Wachstumsziele setzten Unternehmen weltweit unter Druck. Firmenkäufe würden vorrangig dazu genutzt, um Wachstum zu beschleunigen und zusätzliches Know-how in die Unternehmen zu holen.

Firmen kaufen also – meist kleinere – Mitbewerber, weil diese Know-how haben, das man selbst gern haben möchte. Oder man schließt sich mit einem ebenbürtigen Mitbewerber zusammen, um so schneller zu wachsen. Das kommt an der Börse meist gut an.

Bei den Mitarbeitern in den zu fusionierenden Unternehmen ist das meist keine gute Nachricht. Denn ein wichtiger Grund für Zusammenschlüsse ist es, "Synergien zu heben", wie es im Jargon der Betriebswirte heißt. Man kann auch "Kosten senken" dazu sagen. Oft sind der größte "Kostenfaktor" die Mitarbeiter, die dann in großer Zahl das fusionierte Unternehmen verlassen müssen.

Wenn es darum geht, Know-how ins Unternehmen zu holen, indem man beispielsweise ein junges Unternehmen übernimmt, kann das für die Mitarbeiter auch gut ausgehen. Teil eines Konzerns zu werden, kann auch Wachstum an Umsatz und Beschäftigten bedeuten.

Fusionen können auch für die Konsumenten ein Problem sein. Steigt mit dem Zusammenschluss die Marktmacht, wird das gerne dazu genutzt, die Preise "anzupassen". Deshalb sind die Kartellbehörden in den vergangenen Jahren hellhöriger geworden, was Übernahmen angeht. Vor allem die EU-Wettbewerbsbehörde ist eine Institution, die im Interesse der Bürger bei so mancher geplanten Fusion genau hinschaut. Oft wissen das die Bürger gar nicht genug zu schätzen.

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