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Wirtschaft verstehen

Die OPEC hat sich selbst entmachtet

Von Hermann Neumüller   02. Januar 2019 00:04 Uhr

Anfang Dezember haben das Ölkartell OPEC und verbündete Produzenten wie Russland bei einer Sitzung in Wien beschlossen, die Fördermenge deutlich zu reduzieren. Der Preis, der seit Anfang Oktober um gut 30 Prozent gesunken ist, soll wieder steigen. Tut er aber nicht. Seit dem Beschluss von Wien ist der Preis weiter gesunken.

Vor einigen Jahren hätte so eine Ankündigung der OPEC den Preis nach oben getrieben. Schließlich ist der Rohstoff immer noch einer der wichtigsten der Weltwirtschaft. Auch der Verbrauch wird weiter steigen, sagt die Internationale Energieagentur voraus.

Warum funktioniert das Kartell der 15 wichtigsten Ölproduzenten nicht mehr, obwohl auch Russland mitziehen will? Es fehlt an der Glaubwürdigkeit dieser Länder. Denn der Beschluss allein reicht nicht. Oft genug sind in den vergangenen Jahren Länder ausgeschert. Sie brauchen die Öleinnahmen, im Zweifel ist ihnen der eigene Staatshaushalt wichtiger als die Solidarität innerhalb der OPEC. Außerdem sind einige Länder, etwa der Iran und Saudi-Arabien, in inniger Feindschaft verbunden. Das steigert nicht den Zusammenhalt.

Die OPEC-Entscheider haben eine Reihe von strategischen Fehlern begangen, etwa den Versuch, die Schieferöl-Produzenten in den USA mit einem künstlich niedrigen Ölpreis aus dem Markt zu drängen. Dabei haben sie die Stärke dieser Unternehmen unterschätzt. Es gingen zwar viele kleinere in Konkurs, andere steigerten aber ihre Produktivität. Sie sind jetzt auch bei einem Ölpreis deutlich unter 50 Dollar rentabel. Im Gegensatz dazu braucht etwa Saudi-Arabien einen Ölpreis von rund 80 Dollar, um den Staatshaushalt in Balance zu halten. Russland ist schon mit rund 60 Dollar zufrieden. Es hat genug andere Rohstoffe, um über die Runden zu kommen.

Die USA hingegen können sich weitgehend selbst mit Schieferöl versorgen – ja, dort wird sogar darüber nachgedacht, das geltende Exportverbot zu kippen.

Auch die von den USA angekündigten Iran-Sanktionen erzeugten keinen Preisauftrieb. Im Gegenteil: Einige OPEC-Staaten haben ihre Produktion genau deshalb hochgefahren, um in diese vermeintliche Lücke zu stoßen. US-Präsident Donald Trump hatte ursprünglich erklärt, dass er die Ölexporte des Iran auf null senken wolle. Letztlich fielen die Sanktionen aber nicht so streng aus, für die wichtigsten Abnehmer iranischen Öls gibt es großzügige Ausnahmen.

Die OPEC-Staaten produzieren derzeit gemeinsam fast 33 Millionen Barrel Öl pro Tag. Das entspricht rund einem Drittel der weltweiten Produktion. Der Bedarf an OPEC-Öl liegt laut Internationaler Energieagentur für 2019 aber nur bei 31,3 Millionen Barrel täglich. Ob die OPEC es tatsächlich schafft, ihre Produktion so weit zu reduzieren, dass der Preis wieder steigt, muss sie erst beweisen. Solange es ihr die Welt nicht zutraut bzw. bis sie es tatsächlich schafft, bleibt der Preis niedrig.

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