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Volkskultur

Ein eigenwilliger Bischof an den Wurzeln vieler Prozessionen

Von Klaus Huber 23. Mai 2019 00:04 Uhr

Die Eisheiligen sind heuer zwar pünktlich gekommen, haben jedoch übersehen, ihren Österreich-Aufenthalt rechtzeitig zu beenden.

Noch gestern habe ich innere Zwiesprache gehalten mit dem weitgehend Unbekannten in ihrem Bunde, Mamertus, und ihn gemahnt, sie sollten doch endlich abziehen. Denn Wetterregeln und Bräuche lässt sich unsere Volkskultur nicht ohne Widerspruch durcheinanderbringen.

Er war ein eigenwilliger Kirchenfürst, dieser Mamertus. Vor rund 1550 Jahren in Lyon geboren, wurde er anno 461 Bischof von Vienne (Burgund), legte sich mit dem Papst an, wurde gefürchtet und bewundert. Allein mit der Kraft seiner Gebete soll er die Stadt vor einer riesigen Feuersbrunst gerettet haben. Gleichzeitig galt er als streitbarer Charakter, was zu seinem Namen passte: Mamertus hängt etymologisch mit Mars, dem römischen Kriegsgott, zusammen. Der Volksmund hängte ihm den Spruch "Mamerz hat aus Eis ein Herz" um, der sich nicht bloß auf seine Rolle als Anführer der Kältebringer bezieht.

Bitten und Büßen

In mehreren Ländern Europas gilt Mamertus – Namenstag: 11. Mai – als erster Eisheiliger, die bei uns mit Pankraz am 12. Mai auftauchen, und auch sonst geht er gern voran. Unter dem Eindruck von Naturkatastrophen führte Mamertus Bitttage mit Bußprozessionen ein – die Wurzeln unserer Flurprozessionen an den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt, heuer also zu Beginn der kommenden Woche. Dabei betet die ländliche Bevölkerung um eine gute Ernte.

Diese Prozessionen stehen für manche Forscher in der Tradition altrömischer Flurumgänge "zur Entsühnung der Felder", da Unwetter und Missernten als Folgen menschlicher Schuld galten. Zudem erinnern sie an germanische Bräuche: Grundeigentümer hatten jährlich ihren Grund und Boden zu umschreiten, damit der Besitzanspruch nicht verfiel.

Tipp: "Maiandacht der Volkskultur" mit dem Stelzhamerbund und Goldhaubengruppen am Donnerstag, 30. Mai (Christi Himmelfahrt), Linz, 13.30 Wallfahrt ab Petrinum mit Lesungen bei Kreuzwegstationen, 15 Uhr Mundart-Maiandacht in der Pöstlingberg-Basilika.

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Klaus Huber

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