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Unser Innviertel

Die "Causa Braunau"

Von Christoph Kotanko   25. April 2019 00:04 Uhr

Das „Rattengedicht“ sagt viel über den Verfasser, aber nichts über die Stadt

Heinz-Christian Strache irrt sich. Der Fall des gewesenen Braunauer FPÖ-Vizebürgermeisters Christian Schilcher ist keine "Causa Braunau", wie Strache in seiner Pressekonferenz am 23. April meinte. Es ist ein Fall Schilcher, auch eine Causa FPÖ – aber sicher keine Causa Braunau. Die Stadt kann nichts dafür, wenn in einem Gedicht in einem Parteiblatt empörender Unsinn steht.

Wer Menschen mit Ratten vergleicht und von "Kanalisationshintergrund" schreibt, verrät viel über seine Persönlichkeit, über sein Denken bzw. sein Nicht-Denken. Über die Stadt und ihre Bewohner sagt das gar nichts aus. Braunau bemüht sich seit vielen Jahren aufrichtig, mit dem Image als Hitlers Geburtsstadt fertigzuwerden. Es gibt seit 30 Jahren auf dem Gehsteig vor dem Geburtshaus den Mahnstein gegen Krieg und Faschismus, die Stadt distanziert sich damit eindeutig vom "Hitlertourismus". Es gibt seit 1993 die Braunauer Zeitgeschichtetage, die mit ihrer Themenvielfalt Anerkennung weit über die Region hinaus finden. Und die gewählten Vertreter der Bevölkerung werden bei ihrer Aufklärungsarbeit nicht müde.

Diese Bemühungen beschädigt nun ein FPÖ-Funktionär, der sehr spät begriffen hat, was er da anrichtet. Seine plumpe Ausrede, er habe niemanden "beleidigen" wollen, richtet sich von selbst. Sein Rücktritt war die einzige mögliche Konsequenz. Nur so konnte er der Stadt noch irgendwie nützlich sein.

Die FPÖ hat damit nicht viel gewonnen. Das Hauptproblem dieser Partei ist ja nicht, dass einmal ein Funktionär ausnahmsweise seine schräge Geisteshaltung gezeigt hätte. Das Hauptproblem ist, dass so etwas in der FPÖ zu jeder Zeit, an jedem Ort vorkommen kann. Die sogenannten Einzelfälle summieren sich seit dem Eintritt der Blauen in die Bundesregierung zu dutzenden Vorkommnissen, von den Verstrickungen mit den "Identitären" in Linz über einen Welser "Stadtordner", der mit Hakenkreuzen dealte, einen Jugendfunktionär mit Kontakten zu Neonazis, die Forderung nach einer "Sonderbehandlung" für integrationsunwillige Asylwerber bis zu rassistischen Videos. Das ist das Problem der FP, damit zum Teil auch jenes der Regierung. Man sollte daraus aber kein Problem für Braunau und seine Bürger machen.

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