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Vorwärts mit Retro-Wahlkampf: So will die SPÖ Stimmen gewinnen

Von Christoph Kotanko 17. Mai 2019 00:04 Uhr

Vorwärts mit Retro-Wahlkampf: So will die SPÖ Stimmen gewinnen
SPÖ-Kandidaten Regner, Schieder (am 1. Mai in Wien mit Bürgermeister Ludwig): Die Hauptstadt lässt hoffen.

EU-Wahl: ÖVP und FPÖ matchen sich, wo bleiben die Roten? „Wir sind vielleicht nicht die Superbekannten“, sagt Listenzweite Regner. Gesetzt wird auf bewährte, greifbare Themen.

Ein nasskalter Maitag. Evelyn Regner steht vor der Wiener Uni und verteilt Werbematerial. Die Gewerkschafterin, hinter Spitzenkandidat Andreas Schieder Listenzweite, war zuvor in Vorarlberg, in Nieder- und Oberösterreich im Einsatz. "Entscheidend ist die Mobilisierung", sagt sie. "Wir machen die Menschen darauf aufmerksam, dass es um viel geht. Sie reagieren positiv auf unsere Themen."

Die Roten setzen auf soziale Gerechtigkeit, Jobs für alle, leistbares Wohnen, beste Bildung und "den Kampf gegen die menschenverachtenden Rechten" (Regner). Ein Persönlichkeitswahlkampf ist bei dieser Liste nicht drin. Schieder, Ex-Klubchef und Leider-nein-Bürgermeister von Wien, ist ein solider Sachpolitiker ohne Hebelkraft, Regner außerhalb der Gewerkschaft unbekannt; auch die Bewerber auf den Plätzen 3 bis 5 (Günther Sidl, Bettina Vollath, Hannes Heide) sind Lokalgrößen. Nur die offensive SJ-Chefin Julia Herr (Platz 6) hat sich überregional einen Namen gemacht. "Vielleicht sind wir nicht die Superbekannten", sagt Regner über das Team. "Aber inhaltlich sind wir sehr gut aufgestellt."

Mehr Bewusstsein bei Frauen

Das bestätigt OGM-Chef Wolfgang Bachmayer, der erfahrenste Meinungsforscher des Landes. "Die SPÖ hat eine Retro-Strategie – das meine ich aber als Lob!" Sie liegt derzeit in allen Umfragen deutlich über ihrem Wahlergebnis von 2014 (damals 24 Prozent).

Die Sozialdemokraten werben mit ihren altbekannten, verständlichen Themen und lassen sich auf abgehobene Europa-Fragen gar nicht ein. Laut Bachmayer ist das eine kluge Entscheidung: "Diese Wahl wird von der Bevölkerung nur innenpolitisch betrachtet."

Mit Sozialthemen erreicht die SPÖ besonders viele Frauen; bei ihnen hat sie traditionell einen höheren Wähleranteil als bei Männern. Regners Erklärung: "Den Frauen ist die Schieflage in unserem System eher bewusst."

Dazu kommt, dass sich die SPÖ Wien (neben der Gewerkschaftsfraktion die wichtigste Parteiorganisation) stabilisiert hat. Die Flügelkämpfe, die es vor Michael Ludwigs Wahl zum Bürgermeister gab, sind vorüber. Die Bereitschaft, sich zur SPÖ zu bekennen, ist merkbar höher als vor der letzten Europawahl. Bei 1,16 Millionen Wahlberechtigten ist dieser Wandel auch bundesweit bedeutsam.

Die Revitalisierung des roten Wien wäre nicht nur für die EU-Wahl wesentlich. 2020 finden Gemeinderatswahlen statt. Geht Wien verloren, ist die ganze SPÖ konkursreif. Gewinnt sie dort, hat sie eine feste Basis für ihren Widerstand gegen die Bundesregierung.

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Christoph Kotanko

Redakteur Innenpolitik

Christoph Kotanko
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