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Kotankos Corner

Sebastian Kurz: Was auf den jüngsten Außenminister Europas zukommt

13. Dezember 2013 00:04 Uhr

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WIEN. Österreichs Außenpolitik wird seit vielen Jahren von innenpolitischen Scharmützeln bestimmt. Besserung soll ein 27-Jähriger bringen, der begabt, aber fachlich unerfahren ist.

Ein Ahnungsloser; eine Farce; ein typischer Karrierist, eingebildet, ungebildet, blutjung: "Gebt den Kindern das Kommando!".

Sebastian Kurz hatte miserable Vorauskritiken, als er Ende April 2011 das Staatssekretariat für Integration übernahm.

Nach acht Monaten wollten viele Skeptiker nicht mehr an ihre Vor-Urteile erinnert werden. Der flotte Trainee im Innenministerium war zu einem der beliebtesten Politiker der Republik geworden.

Mit 27 wird der redegewandte Wiener, der im Arbeiterbezirk Meidling aufwuchs, Außenminister. Das ist eine Hauptrolle in der Regierung, persönlich und politisch ein riskantes Unterfangen – mit offenem Ausgang.

Den Gegenwind überstanden

Kurz weiß um die Gefahr. Aber er habe schon einmal den stürmischen Gegenwind überstanden, sagte er unlängst im kleinen Kreis.

Persönlich musste er die Herausforderung annehmen. Einmal Staatssekretär, immer Staatssekretär, das war keine Perspektive. Da wäre es lohnender gewesen, das Jus-Studium abzuschließen und sich einen lukrativen Job in der Privatwirtschaft zu suchen.

Nach einiger Bedenkzeit sagte er Spindelegger fürs Außenamt zu. Die VP-Überlegung: Jedes Ministerium ist ein Managementjob, Kurz lernt schnell; er hat den Jugendbonus und ist wahlkampftauglich. Im Mai findet bei der EU-Wahl der nächste Urnengang statt.

Die größten Schwierigkeiten wird der Neue mit den alten Versäumnissen haben, unter denen die österreichische Außenpolitik leidet. Sie steckt im Minenfeld der Innenpolitik fest. Schlagendes Beispiel: der Abzug der Blauhelme vom Golan, der bloß innerösterreichischen Bedürfnissen gehorchte. Dieser Vorgang löste im vergangenen Sommer breitflächige grundsätzliche Kritik aus. Österreichs Botschafter bei der OECD, der langjährige Kreisky-Vertraute Wolfgang Petritsch, sprach von der "völligen Aufgabe der österreichischen Außenpolitik", die Ursache sei, dass das Außenamt in Händen der ÖVP ist.

Verengte "Draußenpolitik"

"Hinternationalisierung" und "Draußenpolitik" sind die bösen Codewörter für die Verengung der Außenpolitik auf Parteipolitik. Das gilt auch für Spindelegger, der in den letzten zehn Monaten nur mit Wahlkampf beschäftigt war.

Der jüngste Eklat war die minimale Vertretung der Republik beim Mandela-Staatsbegräbnis in Südafrika. Das war allerdings ein Fauxpas des Bundespräsidenten.

Der neue Außenminister muss den Abstieg stoppen, Österreich bilateral, auf EU- und UN-Ebene besser sichtbar machen. Wien als einer von drei UN-Standorten ist aufzuwerten, die Türkei-Strategie ("maßgeschneiderte EU-Partnerschaft") mit Leben zu erfüllen.

Sebastian Kurz kann punkten, wenn er das traditionslastige Außenamt ins 21. Jahrhundert führt. Einem ambitionierten 27-Jährigen sollte dazu einiges einfallen.

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