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Kotankos Corner

Promis statt Profis: Warum viele Quereinsteiger Probleme haben

Von Christoph Kotanko   22. Februar 2019

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WIEN. Neue Gesichter für die Politik: Die Parteien haben gute Gründe für die Anwerbung namhafter Kandidaten. Doch die Erwartungen werden selten erfüllt. Bei der EU-Wahl geht eine Fernsehköchin ins Rennen.

Wolfram Pirchner war 25 Jahre lang ein beliebter TV-Moderator. Vom "Sport am Sonntag" und der "Volkstümlichen Hitparade" verschlug es ihn 2018 in die Politik. Niederösterreichs ÖVP holte ihn als Kandidat bei der Landtagswahl. Für die Europawahlen im Mai ist er auf dem sechsten Listenplatz der Türkisen gereiht.

Armin Wolf würde sich nie auf die Politik einlassen: "Weil ich das nicht kann", wie er diese Woche in "Willkommen Österreich" bekannte. Nachsatz: Das hindere andere Promis aber nicht, es zu tun.

Die Fakten bestätigen Wolf: Jene Kandidatinnen und Kandidaten, die vor allem wegen ihrer Bekanntheit rekrutiert werden, kommen meist nicht weit.

Der ZiB-Star hat seine Dissertation über das Thema verfasst. Ergebnis: Die fehlende politische Routine erweist sich als wesentliches Handicap; in den Parteien werden die Quereinsteiger selten mit offenen Armen aufgenommen. "Ihre Nominierung verstört in der Regel den Funktionärsapparat, der für die Parteiarbeit und Kampagnenfähigkeit unverzichtbar ist", schreibt Wolf.

Die jüngsten Vorgänge bei den Grünen bestätigen das. Die erfolgreiche Gastronomin und TV-Köchin Sarah Wiener soll Listenzweite für die EU-Wahl werden. Ihre Bestellung muss noch der Bundeskongress am 16. März abnicken.

Der moralisch korrekte Braten

Grundsätzlich ist Wiener eine gute Wahl, denn "sie trifft den Nerv der linksliberalen Gutes-Leben-Fraktion. In den aufgeklärten städtischen Milieus möchte man ökologisch sein, aber auf das Filet vom moralisch korrekt erlegten Wildschwein nicht verzichten" (so das Wiener Stadtmagazin "Falter").

Manchem Grünen schmeckt diese Nominierung nicht. Der Dritte Wiener Landtagspräsident Martin Margulies, ein lebenslanger Funktionär (Jahresbezug 122.000 Euro brutto), ist über die Berufung der Chefköchin "nicht glücklich", ihre Themen seien "keinesfalls prioritär." Er hätte sich "weniger Show, mehr Inhalt" gewünscht.

Derartigen Widerstand gab es nicht, als Sebastian Kurz 2017 seine Nationalratsliste vorstellte. Namedropping war angesagt: ORF-Moderatorin Gaby Schwarz, Opernball-Lady Maria Großbauer, Mathematiker Rudolf Taschner, Polizeichef Karl Mahrer, Ex-Sportlerin Kira Grünberg, Psychoanalytiker Martin Engelberg usw. Mit Ausnahme von Schwarz und Engelberg konnte sich kein Neuling etablieren: Die Aufmerksamkeit war bald weg, spezifische inhaltliche Kompetenzen sind schwer zu "verkaufen", Fraktionsdisziplin ist oberstes Gebot.

Wie zäh das Polit-Geschäft für Freigeister ist, musste auch VP-Bildungsminister Heinz Faßmann erfahren. Der Wissenschafter hat bereits seinen Abschied 2022 avisiert: "Eine Legislaturperiode reicht."

 

Einsteigen und Aussteigen ist gleich schwer

"Die Politik funktioniert nach eigenen Spielregeln. Ich habe den Job sehr gerne gemacht – aber eine Berufspolitikerin wollte ich nie werden." – Sophie Karmasin, Meinungsforscherin und ÖVP-Familienministerin 2013 bis 2017

"Ich bin total undiplomatisch, und meine soziale Kompetenz liegt auf einer Skala von 1 bis 10 eher weiter von 10 weg." – Armin Wolf, ORF-Moderator, sagt in "Willkommen Österreich", warum er kein Politiker wäre

"Käuflich war ich nie." – Ulla Weigerstorfer, ehemalige Miss World, Abgeordnete vom Team Stronach 2013 bis 2017

 

 

 

 

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