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Kotankos Corner

"Er ist ein Zentrist": Entdecker Kostelka über Kern

Von Christoph Kotanko   13. Mai 2016

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WIEN. Wo steht Christian Kern politisch? Das weiß keiner besser als sein langjähriger Chef im Staatssekretariat und im SPÖ-Klub: Peter Kostelka im OÖN-Gespräch über eine denkwürdige Beziehung.

Wo steht der neue SP-Vorsitzende und Bundeskanzler Christian Kern politisch? Die Frage ist nicht leicht zu beantworten; der Sohn eines Elektroinstallateurs aus dem Wiener Arbeiterbezirk Simmering war bisher sparsam mit politischen Festlegungen.

Einer, der es wissen müsste, ist Peter Kostelka. Der gebürtige Kärntner hatte im Lauf seiner Karriere viele Funktionen in Staat und Partei. Kostelka war von 1990 bis 1994 Beamten-Staatssekretär im Kanzleramt, dann bis zur schwarz-blauen "Wende" SP-Klubobmann im Nationalrat. Später war er Volksanwalt (bis 2013).

Den künftigen Kanzler kennen wenige Leute besser als Kostelka, war er doch sechs Jahre lang dessen Chef: 1991 bis 1994 war Kern Kostelkas Mediensprecher im Staatssekretariat, bis 1997 hatte er diesen Job im Parlamentsklub.

Die OÖNachrichten sprachen mit Kostelka über Kern.

"Er ist ein Zentrist": Entdecker Kostelka über den künftigen Bundeskanzler Kern
Peter Kostelka, SP-Politiker; war sechs Jahre Chef von Christian Kern

Peter Kostelka, SP-Politiker; war sechs Jahre Chef von Christian Kern

Ein "reformorientierter" Roter

Seine Meinung zur politischen Einstellung des neuen Kanzlers: "Er ist ein reformorientierter Sozialdemokrat. Als ich ihn in den Achtzigerjahren traf, hat man das Zentrist genannt. Von Berufs wegen ist er von einem pragmatischen Vorgehen überzeugt. Aber seit Studententagen wurde er sozialdemokratisch sozialisiert, er war auch im VSStÖ sehr aktiv."

Wie fanden Kostelka und Kern zusammen? "Ich habe ihn kennengelernt, als er für die VSStÖ-Zeitung und ein kleines Wirtschaftsmagazin schrieb. Ich suchte einen Pressereferenten. Da hab ich 1991 zu ihm gesagt, versuchen wir es miteinander. Daraus ist im Lauf der Jahre ein freundschaftliches Verhältnis entstanden."

Im Parlament arbeitete sich Kern – der ursprünglich eher zu den Grünen tendiert und die Simmeringer Bezirkspartei der Alternativen Liste Wien gegründet hatte – schnell ein. Kostelka: "Er war ein hervorragender Mitarbeiter im SPÖ-Parlamentsklub und wurde 1995 von den Politikjournalisten sogar zum Pressesprecher des Jahres gewählt" (Letzter bei diesem Ranking wurde damals Peter Westenthaler, FPÖ).

Über Kerns beruflichen Stil sagt Kostelka: "Er ist sehr konzentriert bei seiner Arbeit; wenn er sich eine Sache vornimmt, macht er sie auch zu Ende."

"Das ist eine runde Geschichte"

Doch der Helfer wollte höher hinaus. Neben seiner Tätigkeit an der Seite Kostelkas schrieb Christian Kern die Diplomarbeit in Kommunikationswissenschaft und streckte seine Fühler zum Energieversorger Verbund aus.

Kostelka erinnert sich: "Er hat gesehen, dass Pressereferent keine Lebensstellung ist. Sein Weg in die Wirtschaft war gescheit. Jetzt kommt er wieder zurück – das ist eine runde Geschichte." In der Sozialdemokratie, betont Kostelka, "hatte so etwas früher Tradition, etwa bei Franz Vranitzky, Rudolf Streicher, Viktor Klima."

Vranitzky kam aus dem Bankgeschäft und wurde Kanzler sowie Parteivorsitzender; dieselbe Karriere machte Viktor Klima, er war früher Vorstand beim Mineralölkonzern OMV. Rudolf Streicher war Amag-Boss, er wurde Minister und Präsidentschaftskandidat.

"Er ist ein Zentrist": Entdecker Kostelka über den künftigen Bundeskanzler Kern
Auch die Manager Vranitzky und Klima wurden SP-Kanzler.

Auch die Manager Vranitzky und Klima wurden SP-Kanzler.

Kern kam nach eigener Aussage zum Verbund als "siebenter Zwerg von links". Er stieg binnen zehn Jahren in die Chefetage auf, 2010 wurde er zu den Bundesbahnen geholt. Diesen Schritt ermöglichte ihm die engste Faymann-Vertraute Doris Bures, damals Verkehrsministerin. Von Bures stammt der denkwürdige Satz, Kern wäre "nicht so ein guter Politiker" und "intelligent genug, das auch zu wissen" (so Bures im Herbst 2014).

Kostelka ist anderer Meinung. "Ich denke, dieser Partei tut jemand von außen wirklich gut", sagt er im Gespräch mit den OÖNachrichten. Und weiter: "Ich bin überzeugt, dass er das schafft. Es ist keine leichte Aufgabe. Aber das waren die ÖBB auch nicht."

"Lopatka ist Politik-uralt"

Der Faymann-Nachfolger muss sich auf harte Attacken einstellen. VP-Klubchef Reinhold Lopatka hat bereits gezeigt, was kommt: Der bisherige ÖBB-Generaldirektor habe überzogenen Gehaltsabschlüssen zugestimmt und die Arbeitszeiten bei der Bahn verkürzt. Kostelka dazu: "Lopatkas Angriffe und Attitüden sind Politik-uralt."

Dass die Fortsetzung des schlechten Stils weder VP noch SP hilft, ist sonnenklar. Das gestand auch Faymann beim Abschied ein.

Kostelka traut nun Kern zu, den Abwärtstrend zu stoppen: "Ein neuer Regierungschef kommt für einen neuen Start."

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