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Kotankos Corner

Hunger ist der beste Koch

Von Christoph Kotanko   16. Dezember 2011 00:04 Uhr

Hunger ist der beste Koch
Alt-FPler Westenthaler

Ehrgeiziges BZÖ: Falls 2013 Rot und Schwarz ihre Mehrheit einbüßen, wollen Haiders Erben mitregieren. Parteiobmann Bucher setzt auf ein wirtschaftsliberales Programm. Eine Zumutung für die alten Kameraden – aber die einzige Chance, nicht von der Konkurrenz verspeist zu werden.

Für den Kochlehrer an der Villacher Hotelfachschule war einst die Sache klar. „Bucher, du brauchst gar nix anfassen. Du wirst ohnehin einmal Bürgermeister. Da musst nicht arbeiten können!“

Doch statt Bürgermeister seines Kärntner Heimatorts Friesach wurde Josef Bucher Boss des BZÖ („Bündnis Zukunft Österreich“) und Klubchef von 16 Abgeordneten im Nationalrat.

Für die Zeit nach der nächsten Nationalratswahl hat der Wirtssohn Größeres vor. Hunger ist der beste Koch. Bucher hungert nach Einfluss. Er rechnet damit, dass SPÖ plus ÖVP nicht mehr über 50 Prozent haben. „Aus der Arithmetik wird sich eine Dreiparteienkoalition ergeben.“ Er möchte „bei einer strategischen Partnerschaft“ dabei sein, „wenn es gleichzeitig koalitionsfreie Spielräume gibt. Man darf sich nicht so aneinanderketten wie Rot und Schwarz bisher.“

Alte Zöpfe abschneiden

Sein Programm für eine Regierungsbeteiligung: „Das BZÖ ist ein Spartensender, klar wirtschaftsliberal, ohne Angst vor einschneidenden Reformen. Eine spritzige, junge Partei, die alte Zöpfe abschneidet und den Laden auf Vordermann bringt.“

Große Worte vom Vertreter der kleinsten Parlamentspartei. Damit sich Buchers Traum erfüllt, müssen ein paar Voraussetzungen gegeben sein.

Zuerst muss das BZÖ wieder in den Nationalrat kommen. In vielen Umfragen liegt es an der Einzugshürde von vier Prozent.

Der Meinungsforscher Peter Hajek nennt als Potenzial für eine solide konservativ-liberale Gruppierung „bis zu 10 %“. Das besagt nichts über das konkrete Wahlverhalten. Heide Schmidts Liberales Forum hatte 20 % Potenzial – und flog aus dem Parlament, weil sich viele Sympathisanten in der Wahlzelle dann doch anders entschieden.

Bucher präsentiert das BZÖ als forschen, freisinnigen Verein. Das ist, wenn es keine Massenpartei werden soll, keine schlechte Positionierung. Große liberale Parteien sind in ganz Europa rar. Aber wissen die Leute überhaupt, was Bucher will?

„Das BZÖ hat es noch nicht geschafft, seine Ziele zu kommunizieren. Es hat kein scharfes Profil. Es ist keine Marke“, erklärt Hajek. „Und es wird stark an der Haider-Vergangenheit gemessen. Das Personal erinnert sehr an die letzten 20 Jahre.“

Das ist der zweite Schwachpunkt im Menü des Hobbykochs. Jörg Haider ist über den Tod hinaus präsent – durch eingroßformatiges oranges Porträt im BZÖ-Büro, vor allem aber durch seine hinterbliebenen Getreuen: Schwester Ursula Haubner; Ex-Minister Herbert Scheibner; der rechtskräftig wegen falscher Zeugenaussage verurteilte Peter Westenthaler; Haider-Intimus Stefan Petzner; Frauensprecherin Martina Schenk; der knorrige Sigisbert Dolinschek; nicht zuletzt Ewald Stadler, den Buchner soeben ins EU-Parlament wegloben konnte.

„Gegen Marx und Murks“

Bei jeder Nationalratsdebatte ist zu hören, wie BZÖ-Mandatare in Haiders Jargon verfallen. Da wird von der „Selbstaufgabe am EU-Altar“ schwadroniert, von „abgehobener Regierungspolitik“ und „verkorkster Ideologie“. Nur das BZÖ stelle sich „schützend vor Land und Bevölkerung“ – als Mauer „gegen Marx und Murks“.

Bucher behauptet, er habe die Haider-Hinterlassenschaft neu geordnet. „Er hat immer gesagt, denkt an das Morgen!“ Alle Meinungsführer seien nun auf die Vertretung des Mittelstandes eingeschworen („Das sind die vielen Menschen, die in der Früh aus dem Haus gehen, um hart zu arbeiten; die bereit sind, Steuern zu zahlen, aber am meisten bluten“). Es sei nicht leicht gewesen, den vormals tiefblauen Funktionärskader von dessen Fixierung auf das Ausländer-Thema abzubringen. Dazu habe es viele Unter- und Überredungen gebraucht.

Reden kann der 46-Jährige blendend. Darin gleicht er Karl-Heinz Grasser, der ihn vor elf Jahren in die Bundespolitik holte. „Charakterlich sind wir sehr verschieden“, sagt Bucher heute lakonisch über Grasser.

In den verbleibenden 22 Monaten muss er jede Menge Überzeugungsarbeit leisten. Er möchte mit seiner Reformrhetorik Ex-VP- oder FP-Wähler gewinnen – zwei Parteien, denen er einst nahestand (via Wirtschaftsbund erhielt er seine allererste politische Funktion).

„Das BZÖ ist, je nach Mitbewerberumfeld, immer zwischen Leben und Tod“, stellt Meinungsforscher Hajek trocken fest. Bucher will sich von solchen Sätzen nicht schrecken lassen: „Wir sind die Keine-Angst-Partei.“

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