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Haiden am Donnerstag

Bringt die Frauen wieder unter Kontrolle!

Von Christine Haiden   04. April 2019 00:04 Uhr

Viktor Orban 

Erstaunlicherweise wurde unter den vielen Gründen, die die Europäische Volkspartei gegen ihren derzeit ruhend gestellten Parteifreund Viktor Orban aufgebracht hat, einem wenig Gewicht beigemessen.

Er hat mit Frauen zu tun. Konkret mit dem von ihnen erwarteten Beitrag zum Bestand des ungarischen Volkes, und der heißt Kinderkriegen.

Wie ein Großteil des rechten Lagers der Vaterlandsverteidiger quer durch Europa fürchtet auch Orban um den Fortbestand "seines" Volkes. Einerseits kämen zu viele Fremde, vornehmlich Männer im zeugungsfreudigen Alter, ins Land, andererseits blieben die einheimischen Frauen gebärtechnisch unter ihren Möglichkeiten. Dahinter vermuten von sich Überzeugte weniger den freien Willen der Frauen oder Lebensumstände, die es diesen schwer machen, mehrere Kinder zu haben, sondern die mutwillige Unterminierung der Nation mit vermutlich leichtem Hang zum testosterongesteuerten Fremden.

Um den ungarischen Frauen die Entscheidung für die Zeugung ungarischen Nachwuchses mit ungarischen Männern schmackhaft zu machen, hat Orban ihnen 30.000 Euro Kredit zugesichert, der ab dem 3. Kind nicht mehr zurückzuzahlen ist. Es gibt durchaus Frauen, die sich von solcher Gönnerhaftigkeit mitreißen lassen. Schließlich verschafft es eine Wertschätzung – und eine Menge Geld. Sie übersehen dabei nur, dass es nicht um sie als Menschen geht. Sie sind Mittel zum Zweck. Die Versuche, Frauen zu ihrer alten, "natürlichen" Rolle zurückzulotsen, werden mehr. Auch wenn die Muslime als die bösen Frauenkleinmacher gelten, hängen manche Christen demselben Gedankengut an. Die Slowakei hat mit Zuzana Caputová die erste Präsidentin. Die Katholische Kirche hatte gewarnt, ihr Lebenswandel sei "sittlich bedenklich". Caputová ist geschieden und hat einen Lebensgefährten. Was für eine Anmaßung, sie deswegen öffentlich zu maßregeln. Aber doch auch wieder ganz logisch. Wer gedacht hat, dass das Patriarchat schon k.o. gegangen ist, dürfte wohl eher seinem Wunschdenken aufgesessen sein.

Vielmehr kommen wir in eine neue Etappe der harten Bandagen. Frauen haben in westlichen Gesellschaften in der Bildung und den Rechten mit Männern gleichgezogen. Sie können ihr Leben frei gestalten. Es ist das eingetreten, wovor immer gewarnt worden ist: Gescheite Frauen sind nicht mehr steuerbar. Schon gar nicht von Männern, die auf ihren jahrhundertelang gewohnten Vorrechten bestehen. Die nationalistischen Chauvinisten trauen sich wieder unverblümt zu sagen, was sie von Frauen erwarten, was sie als deren Beitrag zum Gemeinwesen sehen: Stütze und Schmuck des Ehemannes und Mutter seiner im Idealfall vielen Kinder sein. Die neuen Nationalisten sind nur die alten Patriarchen. Nicht nur in Ungarn und der Slowakei.

Christine Haiden ist Chefredakteurin der Zeitschrift "Welt der Frauen". christine.haiden@welt-der-frauen.at

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