Lade Inhalte...

Die Sicht der Anderen

Stundenlohn von 1,50 Euro - ein bewusstes Zeichen für Wertlosigkeit

Von Josef Buchner   15. April 2019 00:04 Uhr

Josef Buchner

Jener Minister, der Österreichs Innenpolitik mit der Affäre im Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, aber auch das Ansehen Österreichs in der Außenpolitik, wohl am maßgeblichsten prägt, heißt Herbert Kickl.

Jetzt räume ich zwar ein, dass ein Innenminister selten Liebkind der Bevölkerung ist, weil Sicherheitsentscheidungen oft Freiheitsrechte berühren, aber das ist nicht der Grund für Kickls Unbeliebtheit.

Die letzte OGM-Umfrage über den Vertrauensindex der österreichischen Bundespolitiker "gewinnt" er vor Peter Pilz mit einem sagenhaften Minuswert von 32. Der Sturzflug nach unten geht weiter, auch wegen seiner unbestreitbaren Nähe zu den Identitären. Kickl war Redner bei den Identitären am Kongress "Verteidiger Europas" im Kaufmännischen Vereinshaus in Linz.

Eines der letzten negativen Highlights von Minister Kickl ist der Durchsetzungsversuch von 1,50 Euro Stundenlohn für Hilfstätigkeiten von Asylwerbern im Öffentlichen Dienst. Bisher hatten die Gemeinden arbeitswilligen Asylwerbern zwischen drei und fünf Euro pro Stunde bezahlt. Viele Gemeinden waren froh um die erbrachten gemeinnützigen Tätigkeiten wie Landschaftspflege, Säuberungsarbeiten und andere mehr – Arbeiten eben, für die keine besondere Ausbildung nötig ist.

Viele Gemeinden waren auch aus wirtschaftlichen Gründen froh, so günstig Arbeitskräfte für diese Tätigkeiten zu bekommen, aber vor allem auch deshalb, weil sie das als wertvollen Integrationsschritt für Asylwerber sahen. Die monatliche Möglichkeit dieses Zuverdienstes für Asylwerber ist ohnehin mit 110 Euro plus eventuell 80 Euro für jedes weitere Familienmitglied limitiert.

Wenn Kickl diesen geringen Stundenlohn mit dem "Einkommen" von Grundwehr- oder Zivildienern argumentiert, hinkt dieser Vergleich gewaltig, weil beides Staatsbürgerpflichten sind. Ich denke nicht, dass nur ein einziger österreichischer Jungmann deshalb den "Flüchtlingsstatus" anstrebt.

Es geht Kickl nicht ums Geld, denn das ist ohnehin Gemeindegeld, es geht ihm auch nicht um die Bedrohung von heimischen Arbeitsplätzen, denn um drei bis fünf Euro will bei uns niemand arbeiten.

Es geht Kickl sichtlich nur um eines und das ist, den Aufenthalt von Asylanten bei uns so beschwerlich wie möglich zu machen, um eine eheste Ausreise zu erreichen.

1,50 Euro pro Arbeitsstunde, das ist pure Verhöhnung und Zeichen von herablassender Verachtung menschlicher Arbeitskraft. Und der "christliche" Koalitionspartner schaut zu!

Ich meine, für jeden objektiv denkenden Menschen muss die Arbeit von Asylwerbern, die auch so wichtig für die Integration dieser Menschen ist, mehr wert sein, als 1,50 Euro pro Stunde – auch wenn ich damit sicher Widerspruch ernten werde.

Josef Buchner (Bürgerliste) war Bürgermeister von Steyregg.

Interessieren Sie sich für dieses Thema?

Mit einem Klick auf das “Merken”-Symbol fügen Sie ein Thema zu Ihrer Merkliste hinzu. Klicken Sie auf den Begriff, um alle Artikel zu einem Thema zu sehen.

Lädt
turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon fügen Sie das Schlagwort zu Ihren Themen hinzu.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon öffnen Sie Ihre "meine Themen" Seite. Sie haben von 15 Schlagworten gespeichert und müssten Schlagworte entfernen.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon entfernen Sie das Schlagwort aus Ihren Themen.

turned_in

Fügen Sie das Thema zu Ihren Themen hinzu.

mehr aus Die Sicht der Anderen

1  Kommentar expand_more 1  Kommentar expand_less