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Welser Stadtschreiber

Welser Stadtschreiber

Von Stefan Kutzenberger   21. März 2019

Namen sind wichtig, sie bedeuten etwas, auch wenn man oft nicht weiß was.

Die Stadt, die so klingt wie einer der größten Süßwasserfische, könnte auch keltischen Ursprungs sein und eine "Siedlung an den Traunwindungen" bezeichnen. Statt Bob Dylans Catfish also The Long and Winding Road der Beatles, was wahrscheinlich ohnehin das bessere Lied ist. Andererseits kommen mir weder die Straßen der Stadt noch der Fluss sehr gewunden vor, ich gehe vom Bahnhof schnurgerade bis zu meiner Unterkunft im Black Horse Inn, und falls ich einmal den Schweinehund überwinde und laufen gehe, dann mache ich das auch in einer geraden Linie die Traun entlang. Auch nach drei Monaten in der Stadt, in der die Ringstraße ein gerader Platz ist, ist noch vieles verwirrend:

Auf dem Medien Kultur Haus, das von Fellner & Helmer, den wichtigsten Theater-Architekten der Monarchie, gebaut worden war, steht Sparkasse, die wiederum mit Museum beschriftet wurde, nur um die Galerie der Stadt Wels zu beherbergen, was ja wunderbar ist, mich beim ersten Besuch daran aber vorbeigehen ließ. Dafür heißt das Programmkino einfach Programmkino, während das beste Hotel der Stadt, das Hotel Greif, eine Jugendherberge wurde, in der wiederum ein einziger Mensch hauste, der nichts mehr mit Jugend zu tun hatte, der ältliche Stadtschreiber nämlich. Der lebendigste Ort der Stadt ist dagegen einer des Todes, der Schlachthof nämlich. Sonst sind die Welser Namen aber nicht so düster, ganz im Gegenteil, ziemlich anlassig sind sie, sie klingen, als ob man jemanden zu inniger Zweisamkeit überreden möchte, politisch ganz unkorrekt, wie in einem etwas derben Liebesgedicht:

Wöst du mit mir auf die Schafwiesen gehn, oder ist das zu Unterhart? Weicher wär die Vogelweide. Dort Wagner Jauregg ich dich zu fragen: Wöst du deine Bluse Oberthan? Nöham? Vielleicht das Rockerl Niederthan? Wieder Nöham? Oberhaid möcht ich dir meinen Wispl Laahen, in deine Aigen schauen, deinen Schenkelbach streicheln, dein Aschet busserln. Unter dein Hoserl Schauersbergen Trausenegg ich mich eh nicht, brauchst gar nicht so Brandln. Da hast du Rosenau, du Dickerldorf. Warum sagst Schleißheim zu mir? Ich Marchtrenk dich doch so! Wie kann ich deine Gunskirchen erlangen? Oftering denk ich, du Wöst mich überhaupt nicht, aber dann Schmidingst du dich so an mich, dass ich Pernau weiß, ich muss mich Traun, dich fragen, ob du Thalheim willst mit mir. Du MaxiMarkst wirklich? Im Hotel Greif-mich-nicht-an wohn ich. Das geht mir jetzt aber ein bisserl zu Sipbachzell. Könn ma nicht einfach Noitzmühle spielen? Es ist zu dunkel? Ist doch grad noch Höllwiesen, wo ist denn der Lichtenegg-Schalter? Machma einen Neustadt und gehma in den Schlachthof. I Freiung mich schon.

 

Stefan Kutzenberger liest am Sonntag, den 24. März, 18 Uhr im Black Horse Inn, Salzburger Straße 55. Gemeinsam mit Dominika Meindl bestreitet er am Mittwoch, den 27. März um 19:30 einen Heimatabend namens "Fußkranke Katzen in Wels". LMS-Saal Concertino, Maria Theresia-Straße 33.

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