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Die Höckner Schwestern und ihre Weine

Von Hans Stoll   21.August 2021

Die Innviertler Weinmacherinnen: Kerstin & Heidi Höckner

2014 begann diese vinophile Reise der Quereinsteigerinnen. Die eine (Heidi) studierte in Krems Gesundheitsmanagement, Schwester Kerstin in Linz Jus. Viele gemeinsame Wochenende wurden in Krems verbracht und dabei die Liebe zum Wein entdeckt.

Durch einen glücklichen Zufall lernten sie einen Weinbauern kennen, der sich in den Ruhestand begab und nicht mehr weitermachen wollte. Das Angebot, kleine Weingärten in den Top Lagen Kremsleithen und Limberg erwerben zu können, konnte die Beiden einfach nicht ausschlagen. Nach kurzem Überlegen und einholen des Familienrates folgte der Sprung ins kalte Wasser. Learning by doing war angesagt und Kurse in Sachen Weinbau bei der Wein- und Obstbauschule in Krems belegt, ergänzt durch Lehrgänge an der Weinakademie. Die gesamte Weingartenarbeit wird von den Geschwistern eigenhändig gemacht, das mehrfache Pendeln nach Krems ist dadurch obligat.

Daheim in Utzenaich bei Ried wurden die technischen und hygienischen Voraussetzungen für die Weinbereitung getroffen. Den vorhandenen Pferdestall hat man zum Presshaus umgebaut und voll für die Weinbereitung eingerichtet. Die Trauben werden in Krems gepresst und in der Folge wird der Most gekühlt nach Hause gebracht. Bei kleineren Mengen werden die gekühlten Trauben ins Innviertel transportiert und dort nach modernsten und hochqualitativen Erfordernissen verarbeitet. Das sowohl im Weingarten als auch im Keller penibel gearbeitet wird, beweisen die Weine mehr als überzeugend. Der DAC Kremsleithen Reserve Veltliner überzeugt mit facettenreichen Fruchtnoten nach Kernobst und dezenten würzigen Anklängen, am Gaumen getragen von einer äußerst eleganten Balance von Alkohol, Säure, Extrakt und fruchtigen Eindrücken, die auch im Nachhall sehr präsent sind.

Das Flaggschiff des Hauses ist der Grüne Veltliner Grande Reserve Barrique. Ein absoluter Langstreckenläufer mit vielschichtigen Fruchtaromen, ausgewogene Noten von Vanille und Rauch begleiten den kräftigen, ausgewogenen Körper beim langen Abgang. Ein wahrer Kraftlackel der absolut überzeugt! Ergänzend glänzen aber auch die Klassikweine, egal ob es sich um Riesling, Grüner Veltliner oder Muskateller handelt.

Fragt man die motivierten Damen, wo man sich in 5 Jahren sieht, dann ist es deren Überzeugung nicht unbedingt größer zu werden. Sollte sich die eine oder andere interessante Riede anbieten, dann wird man sich das Überlegen. Eines wird man nicht machen: in Vollbetrieb mit 5-7 Hektar gehen. Das würde mit den Hauptberufen einfach nicht vereinbar sein. Denn jetzt, als Nebenerwerbswinzerinnen kann man es sich leisten, dass die Typizität jedes Jahrgangs heraus zu Arbeiten und das die Weine auch mal anders schmecken dürfen. Uniforme Weine zu machen ist nicht ihre Sache. Das Handwerkliche und die Liebe zum Detail macht es aus, um klein, aber fein zu bleiben. Fazit: beide Daumen nach oben, schön, dass es diese Vielfalt gibt.

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23. Oktober 2021