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Serviert

Ich brauche keine Muffins: Ansichten einer Essens-Nostalgikerin

Von Karin Haas 16. Mai 2019

Waren das noch Zeiten, als es nicht nur in der Bäckerei meines Vertrauens Schusterlaibchen und Bosniakerl gab.

Es war so sicher wie das Amen im Gebet, dass die immer gleich schmeckenden und immer gleich aussehenden Laibchen mit Anis drauf (oder war es Fenchel?) und die dunklen Weckerl mit Furche im Brot-Regal lagen.

Heute ist man gezwungen, sich mit jeder Menge Sonderkreationen auseinanderzusetzen. Auch bei den Namen springt man auf jeden Trend auf. Da werden sogar hemmungslos getrocknete Goji-Beeren in Brotteig gemischt, nur weil sie als "Superfood", als Nahrungsmittel mit besonderen Heilsversprechen, gelten.

Waren das noch Zeiten, als es "Hausbrot" gab, wie das anno dazumal preisgeregelte Brot für alle Tage hieß. Heute kommt man nicht ohne Sonderbeimischung und Namen wie "Adam Apfel" oder "Glückslaib" aus.

Ich will auch keine Super-Limo aus Guarana, Ingwer und Lemongras. Wie wohltuend war das neulich im Gastgarten, als meine Nachfrage nach einem Aufspritzsaft nicht mit Lavendel-Kieferwipfel, sondern einem schlichten "Wir haben Himbeerwasser" beantwortet wurde.

Auch bei Cupcakes, Muffins und Cookies, der heiligen Dreifaltigkeit der Trend-Cafés, stellen sich mir die Haare auf. In einem Mehlspeisenland wie Österreich mit Torten, Gugelhupf Beugerl, Kipferl, Tascherl und Golatschen muss man nicht auf Backexperimente anderer zurückgreifen. Auch Bowles, Tartes und Quiches in ihrem naturgemäßen Habitat, den Bobo-Hipster-Lokalen, verstehe ich als trendgeleitete Irreführung. Das Ergebnis ist oft nur aufgemotzte Hausmannskost. Beim Flammkuchen, dieser verbal nobilitierten Pizza, fühle ich mich gänzlich gerollt.

Was ich heute als Jause esse? Sicher keine Fitness-Acai-Beeren-Kraft-Ecke mit Grünkernaufstrich.

Vielmehr sind es zwei Schnitten Brot vom Sauerteiglaib, dazwischen nicht zu wenig Butter und der wunderbare Schlierbacher Schlosskäse, dazu zwei saftige Eferdinger Radieschen. Jawohl!!

 

Die Kolumne schreiben abwechselnd Karin Haas und Philipp Braun, das Genussteam der OÖNachrichten.

Artikel von

Karin Haas

Kulinarik-Redakteurin

Karin Haas
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