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Musik unterwegs

Am Ende die Erkenntnis: Beim Biertrinken sind wir alle gleich

Von Thomas Nigl   03. Juli 2018 00:04 Uhr

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Bild 1/23 Bildergalerie: Impressionen vom Woodstock der Blasmusik 2018

Erlebnisse eines OÖN-Redakteurs, der mit seiner Tuba auf der Bühne des "Woodstocks der Blasmusik" in Ort im Innkreis dabei war.

Ein Auftritt beim "Woodstock der Blasmusik" – davon träumt jeder Blasmusiker. Für mich und meine Band "Blech Brass Brothers" ist der Traum in Erfüllung gegangen.

 

Donnerstag, 14 Uhr: Ankunft beim Campingplatz. Bei Dauerregen packe ich meine Gummistiefel aus und stelle mich artig bei meinen Nachbarn vor. Auch sie sind Blechbläser, und natürlich haben auch sie ihre Instrumente dabei. Spontan begießen wir unsere Nachbarschaft mit Bier und spielen uns selbst ein Ständchen. Diese Idee haben auch andere: Stunden vor dem Auftritt der ersten Band wird zwischen hunderten Wohnmobilen und Zelten schon musiziert und gefeiert – ein Zustand, der sich bis Sonntag nicht mehr ändern sollte.

Freitag, 11 Uhr: Ich wage mich in den Backstage-Bereich und habe Glück: LaBrassBanda, die Hauptakteure des heutigen Abends, kommen gerade vom Soundcheck zurück. Ihr Management wird mich sicher abwimmeln, denk’ ich. Die haben doch etwas Besseres zu tun, als einem Greenhorn das Tourleben zu erklären. Kurz darauf stehe ich mit Frontmann Stefan Dettl bei der Budl, und gemeinsam kurbeln wir den Bierabsatz an. Starallüren? Keine Spur davon!

Samstag, 17 Uhr: Irgendetwas ist heute anders. Es ist nicht nur die Sonne, die nun endlich ihr Bestes gibt, um den gatschigen Boden aufzutrocknen. Ich fühle mich beobachtet. Das liegt an der Künstlerakkreditierung, die um meinen Hals baumelt und die Blicke der Besucher auf mich zieht. Gerade war ich selbst noch Fan, jetzt bin ich mit meiner Tuba auf dem Weg zur Bühne. Neu ist auch die Anspannung, die mich seit dem Morgen begleitet. Beim Soundcheck sinkt der Blutdruck nur langsam wieder auf ein normales Niveau. Erst als wir den Jubel der Zuhörer mitbekommen, wird uns klar: Auf diesen Augenblick haben wir lange hingearbeitet. Jetzt ist die Zeit zum Genießen gekommen.

Sonntag, 10 Uhr: Ich treffe Johannes Hötzinger, Trompeter der Innviertler Wadlbeißer. Abermals fühle ich mich eher als Fan denn als Kollege. "Hötz" trägt eine Sonnenbrille – vielleicht hat er geweint? Immerhin hat die Kulttruppe nach 20 Jahren ihr letztes Konzert gespielt. Da darf man doch sentimental sein. Er gesteht, dass der Abschied schwerfällt. Ich erkläre ihm, dass die Wadlbeißer Inspiration für viele Musiker und mitverantwortlich für das Aufblühen der Blasmusik waren. Das freut ihn, und er sagt spontan: "Komm doch auf ein Bier bei uns vorbei!" Und ich denke mir: "Warum nicht? Beim Biertrinken sind wir schließlich alle gleich."

 

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