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Mit Hirn und Herz

Warum wir ausgerechnet jetzt Bewegung für unsere Psyche brauchen

Von Manuela Macedonia  28. März 2020 00:04 Uhr

Die Pressekonferenz mit Kanzler Sebastian Kurz ist zum Tagesritual geworden. Er spricht von einer "herausfordernden" Zeit, in der wir leben. In der Tat stehen wir alle – ungeachtet des Alters und der sozialen Verhältnisse – vor einer Situation, die täglich zur größten Herausforderung wächst, die wir möglicherweise als Einzelne, aber auch als Gesellschaft jemals hatten.

Wir haben keine Strategien, keine Lösungen, aber wir wissen, dass Menschen an Covid-19 qualvoll sterben, dass die Wirtschaft und somit auch unser Wohlstand enormen Schaden nehmen werden. Momente der Verzweiflung wechseln sich mit jenen der Zuversicht und des Vertrauens ab, abhängig davon, mit wem man kommuniziert, welche Interviews und Berichte man liest. Das, was bei den meisten bleibt, ist Verunsicherung und Angst vor der Zukunft.

Angst ist eine Reaktion auf Gefahren. Ihr verdanken wir das Überleben in der Evolution. Fürchteten wir uns vor dem Mammut, das plötzlich vor uns stand, liefen wir davon oder griffen es an. Dafür war eine Mobilisierung unserer Muskelkraft notwendig. Sie kommt dank der verstärkten Ausschüttung des Stresshormons Cortisol, das unseren Stoffwechsel innerhalb von Sekunden anfeuern kann. Indem wir im Laufschritt dem Mammut entkamen oder es mit großer Anstrengung erlegten, bauten wir Cortisol dank unseren Muskeln ab.

Covid-19 ist das unsichtbare Mammut dieser Tage, das sich hinter jedem auch "gesunden" Menschen versteckt, sogar am harmlosen Griff des Einkaufswagens. Covid-19 ist das Monster, das uns verängstigt, plötzlich in unserem wohlgeordneten Alltag auftaucht, wie in einem Science-Fiction-Film, der allerdings nach 120 Minuten nicht zu Ende ist. Wir können nicht davor fliehen, denn unser geografischer Radius ist eingeschränkt. Und wir können nicht zuschlagen, um es zu töten, weil wir (noch) nicht die passende Waffe dazu haben.

Die Angst bleibt und mit ihr Cortisol in unserem Körper. Es macht uns aggressiver, unruhiger, es löst Depressionen aus. Im Blut gestresster und depressiver Menschen kann Cortisol den Anstieg des Entzündungsmarkers Kynurenin bewirken. Bei Entzündungen erweitert es die Gefäße. Regelmäßige Bewegung lässt in den Muskeln ein spezielles Eiweiß entstehen. Seinerseits bewirkt es die "Produktion" des Enzyms KAT. Die gute Nachricht: KAT kann Kynurerin unschädlich machen. Wir müssen die Corona-Zeit psychisch überstehen, für uns, für jene Menschen, die uns brauchen und für unsere Gesellschaft in der Zeit danach. Daher müssen wir Cortisol abbauen, nicht zulassen, dass es uns Tag für Tag psychisch erkranken lässt. Wie? Durch Bewegung im Wohnzimmer, wenn es sein muss, am Boden mit Liegestützen oder mit einer Springschnur. Wir schwitzen Cortisol weg. Beweg dich, und dein Gehirn sagt Danke, die Psyche auch!

Manuela Macedonia ist Gehirn-Expertin und leitende Wissenschaftlerin an der JKU.

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