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Mit Hirn und Herz

Von den guten Vorsätzen im neuen Jahr und der Motivation …

Von Manuela Macedonia  01. Februar 2020 00:04 Uhr

Wie jedes Jahr haben wir am 31. Dezember Bilanz gezogen. Das, was nicht gut war, soll in Zukunft anders werden: weniger Gewicht, mehr Sport, Fahrtenbuch täglich führen. Die "guten Vorsätze" sind immer mit einem Quantum an Überwindung, an Anstrengung verbunden. Man will sich verbessern, sich steigern, die gute Absicht ist ja vorhanden. Aber dann scheitert es an der Umsetzung, viele sagen an der "Motivation", die nach einigen wenigen und kläglichen Versuchen zum Erliegen kommt. Warum ist Motivation so ein flüchtiger Vogel?

Aus Sicht des Gehirns ist Motivation leicht zu verstehen, geradezu primitiv. Sie hängt mit dem Empfinden von Freude zusammen, mit der Ausschüttung vom Glückshormon Dopamin, jener Substanz, die unser Belohnungssystem im Vorderhirn ankurbelt und zum Handeln bewegt. Die Evolution hat uns mit diesem Mechanismus ausgestattet, damit wir die Entwicklung der Spezies mühelos fortsetzen. So ist Dopaminausschüttung zur Nahrungsaufnahme und zur Paarung vorgesehen. Wir erfreuen uns am Anblick unserer Lieblingsspeise, aber auch daran, wenn wir mit einem potenziellen Partner einen Flirtblick tauschen oder wenn es uns gelingt, die Paarung zu vollziehen. Beides – also Nahrungsaufnahme und Paarung – bereiten Freude, belohnen.

Wir essen und haben Sex, gerne und freiwillig. Auch Drogen, Alkohol und Nikotin wirken sich auf die Ausschüttung von Dopamin aus. Raucher wissen, dass sie vor einer Stresssituation eine Zigarette brauchen, aber auch danach. Alles dopaminbedingt!

Ganz anders ist es mit den Vorsätzen: Wieso sollten wir motiviert sein, abzunehmen? Also auf Essen und daher auf Dopamin zu verzichten? Was steht dafür? Dass uns eine kleinere Kleidergröße passt? Dass wir das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen senken? Unter diesen Umständen wird Abnehmen mühevoll werden. Die Evolution sieht keine Dopaminausschüttung für Kleidergröße 36 oder für Risikosenkung vor.

Anders kommt es, wenn wir uns verlieben. Dann wollen wir dem potenziellen Paarungspartner gefallen, die Verliebtheit schnürt uns den Magen zu, und wir nehmen ab, "ohne Verzicht"! Also ersetzen wir die Dopaminausschüttung der Nahrungsaufnahme mit jener der Paarungsabsicht. Das funktioniert ganz einfach.

Wollen wir uns heuer mehr bewegen? Einfach mit einem Spaziergang loslegen! Dabei kommt die Produktion des Botenstoffes verstärkt in die Gänge. Belohnen wir uns zusätzlich nach der Bewegung mit unserem Lieblingsessen, "konditionieren" wir uns. Wir verbinden früh oder spät die Anstrengung mit der Belohnung danach. Und wie tricksen wir das System für das Fahrtenbuch aus, das wir täglich ausfüllen sollen? Bei Menschen, die das ungern machen, wie ich, hilft wahrscheinlich nur ein Glas Wein. ;-)

Prost, auf unsere Motivation!

Manuela Macedonia ist Gehirn-Expertin und leitende Wissenschaftlerin an der JKU.

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Manuela Macedonia

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