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"Man muss halt anfangen"

Von Georg Wilbertz   25.September 2021

"Man muss halt anfangen"
Eine vom Büro kontur geplante Arztpraxis in Ennsdorf

Gesprächstermin in einem funktionalen Besprechungsraum an der Linzer Landstraße. Das Interview bestreiten Andreas Huemer, Teresa König und Gunther Oberlehner (alle 37 Jahre alt), die gemeinsam 2018 das Architekturbüro kontur gegründet haben. In diesem arbeiten neben den drei Partnern inzwischen fünf angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den beiden Standorten in Linz und Wels. Auch wenn die Gründer keine völligen Neulinge waren, geht es im OÖNachrichten-Gespräch um Fragen und Aspekte rund um die Bürogründung, die dabei gemachten Erfahrungen und aktuelle Arbeitsschwerpunkte.

"Man muss halt anfangen"
Andreas Huemer, Teresa König, Gunther Oberlehner

OÖNachrichten: Wie kam es im Jahr 2018 zur Bürogründung?

Gunther Oberlehner: Da wir alle an der TU Graz studiert haben, kannten wir uns bereits. Der entscheidende, fast logische Moment war dann die erfolgreiche Wettbewerbsteilnahme für eine Wohnanlage in Altmünster. Das gemeinsame Büro bot die Möglichkeit, die Komplexität des Auftrags in den Griff zu bekommen, eine Art Firewall sozusagen.

Gehört der Wohnbau nach wie vor zu den Kernaufgaben von kontur?

Teresa König: Definitiv! Wobei für uns ein gemeinsamer Ansatz ist, neue und nachhaltige Ideen und Konzepte zu entwickeln. Besonders wichtig ist uns, alternativen Wohnbau mit alternativen Materialien, vor allem Holz zu verwirklichen. Es geht um Baulücken in der Stadt, um Wohnungen für besondere Gruppen, Alleinerziehende oder auch für Senioren.

Andreas Huemer: Zum gemeinsamen Ansatz unserer Arbeit gehört unbedingt der Holzbau. Wobei ich mir wünschen würde, auch in anderen Maßstäben zu planen: Werks- und Industriebau, Städtebau etc.

Gibt es Ängste, wenn man ein gemeinsames Büro gründet? Und wie ging es nach der Gründung weiter?

Teresa König: Wir hatten schon zuvor Berufs- und Büroerfahrung sammeln können. Zu viele Sorgen oder Ängste hätten uns sicher gehemmt und die Gründung deutlich schwieriger gemacht. Man muss halt anfangen; "trial and error" (Versuch und Irrtum, Anm.) war die Devise.

Andreas Huemer: Das läuft sicher bei jedem Büro anders. In unserem Fall kam es anfangs fast nur durch persönliche Kontakte und Mund-zu-Mund-Propaganda zu Aufträgen. Dann wächst die Homepage, Veröffentlichungen kommen hinzu, und es wird bekannt, dass wir planen können. Dass sich mehr und mehr Interessenten melden, ist die Folge. Aber man hängt sicher kein Plakat auf mit der Botschaft "Hallo, hier sind wir!" Vertrauen erarbeitet man sich, indem man einfach baut.

"Man muss halt anfangen"
Das vom Büro kontur geplante "Wohnhaus R"

Was schätzt ihr daran, ein Büro zu führen und auf diese Weise Architektur zu machen?

Gunther Oberlehner: Der bürokratische und administrative Aufwand, ein Büro zu führen, braucht viel Zeit. Und man wird im Studium darauf so gut wie nicht vorbereitet. Das Studium – wir haben alle noch Diplom gemacht – war durch viel Freiheit und Offenheit geprägt. Man lebte den Traum, entwerfend zu gestalten, und steht dann plötzlich auf der Baustelle, wird von allen Seiten bedrängt oder muss rechtliche und wirtschaftliche Dinge bewältigen.

Teresa König: Im Studium war die praktische Ausführung bis auf die Ferialpraktika kaum ein Thema. Das eigene Büro hat natürlich Vorteile: Es gibt zunächst wenige Grenzen, man kann die eigenen Interessen vorantreiben, sich Lösungen überlegen und vor allem Dinge ausprobieren. Es biegt kein Chef um die Ecke und sagt: Sehr schön, machen wir aber nicht.

Gunther Oberlehner: Dabei gibt es für mich auch einen idealistischen Zugang. Wir wünschen uns Nachhaltigkeit auf allen Ebenen: sozial, bezogen auf den zu großen Flächenverbrauch und ökologiefeindliche Materialien oder beim Bauen im Bestand. Man sollte alten Bauten wieder neues Leben einhauchen.

Was würdet ihr euch für die Zukunft wünschen und vor allem: Wie geht es weiter?

Andreas Huemer: Hilfreich wäre eine bessere Vernetzung von Architekturbüros untereinander, um sich bei komplexen Aufgaben auszutauschen oder die Belastung besser zu verteilen. Dies geschieht bisher nur durch Eigeninitiative bei einzelnen Projekten und könnte mehr sein.

Teresa König: Manchmal würden wir uns bei den nicht privaten Entscheidungsträgern mehr Mut zum Experiment und Offenheit wünschen. Nicht nur für alternative Ideen und Konzepte, sondern auch bei den Chancen für junge Büros. Es gibt schon viele alteingesessene Platzhirsche, und es ist nicht immer leicht, sich am Markt durchzusetzen und zu behaupten.

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29. November 2021