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Wohnen

Fast jede zweite Wohnung ist thermisch nicht mehr auf dem letzten Stand

02. Mai 2020 00:04 Uhr

Fast jede zweite Wohnung ist thermisch nicht mehr auf dem letzten Stand
Sanierungspotenzial bei 1,9 Millionen Wohneinheiten in Österreich

Laut Experten ist die Sanierungsrate derzeit so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr.

In Zeiten der Coronakrise sollte die thermisch-energetische Gebäudesanierung als Chance zur Wiedererstarkung der Wirtschaft und der Dekarbonisierung zugunsten des Klimaschutzes genutzt werden. Dafür haben diese Woche Experten des Umweltbundesamtes und aus dem Bau- und Wohnbausektor plädiert. Handlungsbedarf sei gegeben: Die Sanierungsrate in Österreich ist so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr. Von 2009 bis 2018 ist die Gesamtsanierungsrate bei Wohnungen von 2,1 auf 1,4 Prozent gesunken. 2009 hatte die Sanierungsrate innerhalb der Wohnbauförderung ein Allzeithoch von 1,8 Prozent erreicht. Vor zwei Jahren lag diese Rate aber nur noch bei 0,5 Prozent.

Von den 4,8 Millionen Wohneinheiten in Österreich weisen den Experten zufolge etwa 1,9 Millionen Einheiten einen thermisch unzureichenden Standard auf. Eine kurzfristige Anhebung der Sanierungsrate auf 2,6 Prozent entspreche etwa 12.000 umfassenden Sanierungsäquivalenten pro Jahr. Überdurchschnittlich hoch sei der Sanierungsbedarf bei privaten und kommunalen Mietwohnungen sowie bei Wohnungen und Eigenheimen ohne Hauptwohnsitz. Mit einer Sanierungsrate von zweieinhalb bis drei Prozent könne der heimische Wohnungsbestand "bis 2040 klimafit" gemacht werden, sagte Wolfgang Amann vom Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW).

In den Bestandssegmenten – Eigenheime und Eigentumswohnungen sowie private Mietwohnungen – hätten die bisherigen Förderungsmodelle besonders ausgelassen, heißt es. Deshalb sollte die Sanierung von Eigenheimen und Eigentumswohnungen durch eine großzügige Absetzmöglichkeit der Sanierungskosten von der Lohn- und Einkommenssteuer bzw. mithilfe einer Negativsteuer im Rahmen der Arbeitnehmerveranlagung (Jahresausgleich) angekurbelt werden, lautet die Forderung. Und die Sanierung von privaten Mietwohnungen sollte durch eine verkürzte Absetzmöglichkeit der Sanierungskosten oder alternativ mit Investitionsprämien belebt werden.

Bei entsprechend konsequenter Umsetzung der steuerlichen Förderungen sei in den jeweiligen Bestandssegmenten eine Anhebung der Sanierungsrate um etwa einen Prozentpunkt machbar, ist man überzeugt. Damit sei ein wesentlicher Beitrag zur Dekarbonisierung des Wohnungssektors darstellbar, der in zehn Jahren eine CO2-Reduktion um zwei Millionen Tonnen bewirken würde.

"Auf der Intensivstation"

Der Bereich Gebäudesanierung liege "seit Jahren auf der Intensivstation", meinte Georg Bursik vom Forschungsverband der österreichischen Baustoffindustrie. Gerade jetzt brauche die Wirtschaft starke Impulse – auch die arbeitsmarktbelebende Wirkung solcher Investitionen sei vielfach bestätigt worden. Die Wohnhaussanierung verspreche jährlich fast 2,6 Milliarden Euro zusätzlichen Bruttoproduktionswert. Es könnten damit nicht weniger als 18.000 Arbeitsplätze dauerhaft gesichert werden. Unterm Strich könnten so jährlich 31.000 Häuser und Wohnungen umfassend thermisch saniert werden – gegenüber den zuletzt nur 19.000 Sanierungen im Jahr, die die gesamte Wohnbauförderung geschafft habe.

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