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Reisen

Wunderfitzig durch den wilden Süden

Von Manfred Wolf  22. August 2020 00:04 Uhr

Wunderfitzig durch den wilden Süden
Achim Laber, die Wichtel und das Auerhuhn

Vom Donau-Ursprung im Schwarzwald bis zum zweitgrößten Vergnügungspark Europas – der Süden Deutschlands hat für Abenteurer, Familien und Neugierdsnasen viel zu bieten.

Hier stehe ich, unter mir tritt die Breg aus einem Stein hervor, von wo sie ihre Reise vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer antritt, und rezitiere vor dem Nachwuchs: "Brigach und Breg bringen die Donau zu Weg." Der Nachwuchs lauscht, greift ehrfürchtig in die Quelle und beginnt im Handumdrehen das zarte Bächlein aufzustauen.

Gut, denke ich und beschäftige mich mit den zig Erklärtafeln. Ich erfahre, dass die Quelle der Breg in Furtwangen der mündungsfernste Punkt der Donau ist und somit als Ursprung des zweitgrößten Flusses Europas gilt. Doch so einfach ist die Sache nicht. Denn 46 Kilometer flussabwärts pochen die Donaueschinger darauf, dass die Donau in ihrem Städtchen, wo Brigach und Breg zusammenfließen, erst zur Donau wird. Ergo: Ursprung. Daraus entstand ein jahrzehntelanger Streit. Ein Faschingsnarrengericht entschied salomonisch: "Der Streit um die Donauquelle ist viel zu schön, als dass er durch ein närrisches Urteil für alle Zeiten beendet werden dürfte."

Wunderfitzig durch den wilden Süden
Die Quelle der Breg gilt auch als Donau-Ursprung.

Von Streit ist bei den Kindern keine Rede, ihnen macht es Spaß, die "Donau" aufzustauen. Emsig werden Steine und Schotter zu einem Staudamm zusammengetragen, doch das Wasser macht alle Bemühungen zunichte. Wahrscheinlich hat Flussgott Danuvius, der über der Quelle thront, etwas dagegen. Die Sisyphosaufgabe wird eingestellt und wir stärken uns im idyllisch gelegenen Gasthof Kolmenhof mit einer Rinderkraftbrühe mit Flädle und Schwäbischen Maultaschen – also Frittatensuppe und Teigtaschen.

Eine Übernachtung im Kolmenhof lohnt sich, denn abgesehen von der Breg gibt es hier den Brend, den Hausberg Furtwangens, einen Aussichtspunkt, der mir ein schlechtes Gewissen macht: Die Laufschuhe blieben leider daheim. Granit, Wald, wunderbare Wege – ein Paradies für Läufer, Radler …

Warum zum Kuckuck der Kuckuck?

Im Städtchen Furtwangen steht die Zeit still – genauer gesagt im Uhrenmuseum. Wer hat schon Lust zwei Mal im Jahr mehr als 8000 Uhren zu stellen. Eine historische Uhrmacherei gibt hier Einblick in die Geschicke der Uhrmacher und wir erfahren, dass der Beruf des Uhrmachers damals lebensgefährlich war. Um ein schönes weißes Ziffernblatt zu erhalten, wurde giftiges Bleiweiß verwendet. Auch wie der Kuckuck namensgebend für die Uhren wurde und nicht das für die Region typische Auerhuhn. Der Klang des Kuckucks ist schlicht schöner. Zudem ließ er sich mechanisch besser nachmachen. Ob die Kuckucksuhr aber eine Erfindung des Schwarzwaldes ist oder doch aus Böhmen stammt, darüber könnte das Narrengericht ein ähnliches Urteil fällen, wie beim Streit über den Donau-Ursprung.

Weil aber schon vom Auerhuhn die Rede war, haben wir uns auf seine Spur geheftet – am Feldberg, mit Ranger Achim Laber. "Ich heiß’ net umasonst Laber", sagt er verschmitzt lächelnd, plaudert im schönsten Schwäbisch drauf los und nimmt uns mit zu einer Wanderung in den Wichtellehrpfad. "Sch nieslet, aba ma probieras trotzdem. Ihr seids ja sicha scho ganz wunderfitzig."

Sind wir und das Wetter ist uns schnell egal, denn der Wichtellehrpfad, in den Laber spürbar unendlich viel Herzblut investiert hat, ist entzückend. Oder liegt’s einfach am sympathischen Ranger? ’s isch egal, die Kinder erfahren beiläufig das Wesentliche über Auerhühner – dass sie zum Beispiel Steine schlucken, mit denen sie im Magen mangels Zähnen das Essen zerkleinern.

Wunderfitzig durch den wilden Süden
Achim Laber, die Wichtel und das Auerhuhn

Bis zum Spielplatz am Ende war es eine satte Wanderung, die ohne Nörgeln vonstattenging, weil jeder mit dem Kontrollieren der angegebenen Schrittanzahl von Station zu Station so beschäftigt war, dass dabei die zurückgelegte Strecke in Vergessenheit geriet.

Den Abschluss des "Gelabers" gibt’s im Haus der Natur, wo Laber die Geschichte und Geschichten des Schwarzwaldes erzählt. Zum Beispiel, dass der Wald vor rund 200 Jahren kein Wald mehr war. Kein Ästchen gab es mehr und Holzdiebstahl wurde streng bestraft. Erst als die Braunkohle als Brennmaterial Einzug hielt, ging es mit dem Baumbestand wieder bergauf. Es wurde aufgeforstet – mit Fichten. Und was der Schwarzwälder Schinken und die Schwarzwälder Kirschtorte für den Menschen, das ist dummerweise die (Schwarzwälder) Fichte für den Borkenkäfer. Sein unablässiger Appetit bedroht den Schwarzwald mittlerweile.

Der Feldberg ist der höchste Gipfel (1493 Meter) des Schwarzwaldes und diesen erklimmen wir nun … mit der Seilbahn. Seilbahn? Ja, denn im Winter verwandelt sich dieses pittoreske Wandergebiet in ein Skigebiet. Aber noch ist Sommer und die Skier sind ohnehin dort, wo auch die Laufschuhe sind: daheim. Seufz … die Laufschuhe! Erneut bedauere ich, sie vergessen zu haben, denn der Feldberg schreit nach ihnen.

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Auf 1493 Metern steht der Feldbergturm, von wo man bei guter Sicht bis zum Mont Blanc sieht.

Wir gehen ein paar Schritte zum Feldbergturm. Bei gutem Wetter ist von hier der Mont Blanc zu sehen. Aber: ’sch nieslet imma no’ … Das Minimuseum, das ein paar Stockwerke tiefer dem Schwarzwälder Schinken gewidmet ist, erinnert uns aber daran, dass wir schon längere Zeit nichts gegessen haben und etwas müde sind. Passend also, dass dieser Tag im nahen Familienhotel Vierjahreszeiten abgeschlossen wird. Hier angekommen, stelle ich fest, dass die Kinder Müdigkeit und Hunger wohl auf dem Feldberg vergessen haben. Schwimmbecken, Hüpfburg – das komplette Kinderprogramm wird vor dem ausgezeichneten Essen noch absolviert.

Mit 130 km/h in der Achterbahn

Tags darauf verlassen wir den Schwarzwald und Fahren nach Rust – nahe der französischen Grenze. Was es hier gibt? Jede Menge Achterbahnen. Der "Europapark" ist nach Eurodisney der zweitgrößte Vergnügungspark Europas und ein wahres Mekka für jene, die auf der Suche nach einem Adrenalinkick sind: also die Kinder. Ergo auch ich.

Achterbahn mit Looping und Beschleunigung von 0 auf 100 in 2,5 Sekunden, Achterbahn mit Fliehkräften bis zu 4 g und Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h, Achterbahn mit rasanten Richtungsänderungen, Achterbahn, Achterbahn, Achterbahn … Die vielen Achter verdrehen mir das Hirn, doch tatsächlich: Ein gewisser Adrenalinrausch stellt sich ein. Gut, dass es auf dem 950.000 Quadratmeter großen Gelände noch rund 100 etwas ruhigere Fahrgeschäfte gibt – allen voran das beeindruckende Voletarium, bei dem wir festgeschnallt auf Sitzen über Europa fliegen. In europäische Länder ist der Erlebnispark auch gegliedert, demnach gibt es auch kulinarisch eine Reise durch Europa.

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Flug über Venedig im Voletarium

Nach einem Tag hier sind die Kinder nur schwer wieder wegzubringen, aber es muss sein, der Europapark schließt eben auch einmal. Wir sind aber auf dem Gelände in einer Westernstadt einquartiert, essen im Saloon und schlafen in einem rustikalen – aber geheiztem – Planwagen. Ein wahres Abenteuer.

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Schlafen im Planwagen

Quasi zum Entzug steht zum Abschluss noch eine Fahrt ins nahe Waldkirch auf dem Programm, wo es einen liebevollen Baumkronenweg gibt und Europas längste Röhrenrutscheeeeeeee … – rasant geht es in 190 Metern Schussfahrt nach unten.

Wunderfitzig durch den wilden Süden
Längste Röhrenrutsche Europas

Mit Linzer Torte auf die Heimat freuen

Der Süden Deutschlands – allen voran der Hochschwarzwald – hat unendlich viel zu bieten. Für Kinder, Familien, Biker, Wanderer, Angler … – oder einfach für jene, die Entspannung oder die Natur suchen. Unentdeckt blieb bei dieser Reise leider der Schluchsee, aber der steht noch auf der Liste.

Mit einem Stück Linzer Torte, die hier in Waldkirch zu besonderen Anlässen wie Weihnachten auf den Tisch kommt, stimmen wir uns wieder auf daheim ein, denn dahin geht es jetzt: in die Heimat.

Zurück in Linz sehen wir, dass die Donau brettleben mit Wasser angefüllt ist. Der Versuch, die Breg aufzustauen, hat nichts bewirkt. War uns eh klar, wunderfitzig waren wir trotzdem.

Der wilde Süden Deutschlands

Der Schwarzwald und das Umland haben viel zu bieten. Mehr Informationen über die jeweiligen Destinationen sowie Touren, Ausflüge und Unterkünfte finden Sie auf diesen Seiten …


Artikel von

Manfred Wolf

Redakteur Magazin, Chef vom Dienst

Manfred Wolf
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