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Reisen

Wo Sissis kranker Liebling tief Luft holte

Von Bernhard Lichtenberger  08. Mai 2022 15:00 Uhr

   Wo Sissis kranker Liebling tief Luft holte
Blühendes, duftendes, die Sinne berauschendes Paradies: die Gärten von Trauttmansdorff

Schneebedeckte Dreitausender, Wege mit Wasser, Palmen und Almen, paradiesische Gärten und Entspannung in Südtirols größtem Nacktpool – zu finden in und um die Kurstadt Meran.

Strahlend weiß, zartrosa – eben sind sie noch zu sehen, die, je nach Sorte, putzigen oder üppigen Blüten an den Zweigen der Apfelbäume. In Reih und Glied wurzelnd, belegen sie den Talboden um die Etsch mit einem feingliedrigen Muster. An den Hängen sind sie ebenso präsent und bilden wiederkehrend ein Spalier für Wanderer auf dem Marlinger Waalweg. Waale gehören zu Südtirol wie die Trockenheit, an der die Bauern seit gefühlten Ewigkeiten kiefeln. Die Kanäle dienen der Bewässerung und führen das kostbare Nass über weite Strecken. Der Marlinger Waal wurde zwischen 1737 und 1756 angelegt und verbindet Töll mit Schnalls. Mit seinen zwölf Kilometern ist er der längste Waal Südtirols.

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Marlinger Waalweg

In den ebenen Pfad, der das in einem engen steinernen Bett plätschernde Wasser begleitet, zweigt man zum Beispiel gleich beim La Maiena Meran Resort über einen kurzen, steilen Steig ein. Apfelhaine wechseln mit Edelkastanien, Kirschbäumen, Buchen und blühenden Sträuchern. Unterwegs stößt man auf kleine Labstationen mit in Holz eingefassten Kanistern und einer Handkassa, in die einen Euro wirft, wer seinen Durst mit hausgemachtem Holunder- oder Apfelsaft stillen will. Oder man legt für einen cremigen Risotto mit frischem Spargel oder für Südtiroler Schlutzkrapfen mit Butter und Parmesan einen kulinarischen Zwischenstopp im "Schönblick" ein. Den Namen trägt die seit 1960 bestehende Einkehr nicht von ungefähr. Von der Terrasse aus überblickt man den Talkessel, der von der Texelgruppe mit ihren Dreitausendern und den Sarntaler Alpen eingerahmt wird. Darin breitet sich Meran entlang der Passer aus, die breite Promenaden säumen – wie es sich für eine Kurstadt gehört.

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Pool, Palmen, Berge – La Maiena Meran Resort

Lebensverlängerndes Klima

Zu der wurde die einstige Hauptstadt Tirols im 19. Jahrhundert, nachdem die kränkliche Wiener Fürstin Mathilde von Schwarzenberg 1836 mehrere Wochen mit ihrem Leibarzt Johann Nepomuk Huber hier weilte. Der würdigte in einem Büchlein die hohe Güte von Luft, Wasser und Milch, wodurch das "natürliche Lebensende hier lange hinausgeschoben werden" könne.

Es dauerte nicht lange, ehe Betuchte und Adelige dem Ruf der lindernden Luft folgten. 1870 kam Kaiserin Elisabeth mit ihrer schwächelnden Lieblingstochter Marie Valerie, deren Gesundheit sich umgehend erholte, was dem milden Klima zugeschrieben wurde. "Mia ham ihr was Gscheit’s zum Essen geb’n, Speck und Knödel", lautet die Heilungsvariante von Claudia Gilli, die sie augenzwinkernd kundtut. Die ebenso humorvolle wie quirlige Stadtführerin beschreibt die Entwicklung Merans während dieser Zeit pointiert: "Da ist die Kuh- zur Kurstadt geworden, die es vom Mittelalter in die Neuzeit katapultiert hat."

Exotische Riesen

Über den Steinernen Steg, unter dem bei wildem Wasser der Passer Kanuten zwischen Felsen paddeln, folgt man – vorbei an Burgtürmen, Villen und Kastellen – dem Sissi-Weg. In privaten Gärten und kleinen Parks wachsen mächtige Mammutbäume, Atlaskiefern und Himalaya-Zedern, mancherorts wuchern Palmen fast wie Unkraut. Die Exoten wurden Mitte des 19. Jahrhunderts unter Bürgermeister Franz Putz eingeführt, um den Gästen zu gefallen. 33.000 Bäume, deren Stämme mehr als zehn Meter messen, zählt man heute. Wenn einer nicht freiwillig kippt, zürnt das Volk, weiß Claudia Gilli: "In Meran einen Baum zu fällen, ist schlimmer als ein Mord."

Mordsmäßiges Staunen löst am Ende des Sissi-Weges Schloss Trauttmansdorff aus. Das Winterdomizil der österreichischen Kaiserin in den Jahren 1870 und 1889 umgibt seit Mitte der 1990er Jahre auf einer Fläche von rund 17 Fußballfeldern 80 Gartenanlagen mit rund 8000 verschiedenen Pflanzen aus aller Welt. Ein sieben Kilometer langes Wegenetz, das in weiten Schleifen hundert Höhenmeter überwindet, führt vom Garten für Verliebte über die Miniaturwälder Ostasiens und Nordamerikas, vorbei an Sukkulenten, über sonnige Terrassen, durch einen Englischen Garten im Stile Gertrude Jekylls, zu einem Seerosenteich, umrahmt von Palmen, Kamelien und Azaleen. Wo derzeit noch Wintergerste als Platzhalter fungiert, werden sich demnächst 12.000 Sonnenblumen dem Licht entgegenrecken. Nach einer klassischen eineinhalbstündigen Führung fragt man sich: Was gedeiht hier nicht? 35 Gärtner kümmern sich um das botanische Paradies, das die Sinne berauscht und in dem es getrost einen halben Tag flanierend und entschleunigend auszuhalten ist.

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Meran, eine reizende Südtiroler Kurstadt mit mediterranem Flair

In Meran drängen Passanten durch die 400 Meter lange Laubengasse mit ihren Erkern und Torbögen. In den Geschäften dahinter, wo einmal mit Kolonialwaren gehandelt und Handwerk ausgeübt wurde, ist längst die Globalisierung mit ihren bekannten Ketten eingezogen. Als Relikt faschistischer Architektur sticht das Rathaus heraus. Wer vom vielbegangenen Pflaster abweicht, verliert sich im ruhigen Steinach-Viertel, dem ältesten Teil Merans, schlendert durchs Bozner Tor aus dem 14. Jahrhundert, findet Jugendstilbauten wie das Kurhaus oder das Stadttheater, erkundet die Landesfürstliche Burg, entdeckt im historischen Gasthaus "Rössl Bianco" alte Bautechniken, eine gotische Stube und das sichtbare Gebälk über dem Innenhof. In der neuen City-Vinothek, in deren altem Kellergewölbe 10.000 Flaschen Sekt reifen, degustiert man in modernem Ambiente feine Weine der Kellerei Meran.

Als Gast im 5-Sterne-Genießerhotel La Maiena Meran Resort in Marling kommt man sich wie auf einem Balkon über der Stadt vor, deren reizende Mitte mit Bus oder Lokalbahn in weniger als 20 Minuten zu erreichen ist. Die familiär von der Familie Waldner geführte Wohlfühlbleibe besticht durch eine feine Wellnessoase mit mehreren Saunen und dem größten Nacktpool Südtirols, der zur Abkühlung nach einem Schlager-Aufguss zu Andreas Gabalier und Helene Fischer gerade recht kommt, einem 26 Meter langen Infinity-Outdoorpool (32 Grad) mit Indoor-Verbindung, einer Dachterrasse mit Jacuzzi, einer großzügigen Fitnessanlage mit Aussicht und Angeboten für sportlichen Aktivurlaub. Ins Schwärmen versetzen die mehrgängigen kulinarischen Kreationen von Edelkoch Matthias Wenin, der etwa Presa vom Duroc-Schwein mit Schwarzwurzel und Passionsfrucht kombiniert oder einen Gerstenrisotto mit Bärlauch und geschmorter Hirschwange veredelt. Wer da nicht wiederkehrt?

Infos: merano-suedtirol.it lamaiena.it trauttmansdorff.it

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Bernhard Lichtenberger

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