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Reisen

Wo der Almliterat wohnt

Von OÖN   28. August 2021 00:04 Uhr

Wo der Almliterat wohnt
Blick vom Infinity-Pool des Berghotels KRAFTalm auf die Kitzbüheler Alpen und den Wilden Kaiser

Ein Streifzug durch das Tiroler Bilderbuchdorf Itter.

Schon einmal etwas von Itter gehört? Alles grün. Prächtige Gehöfte mit üppigen Bauerngärten, die in Weilern zusammenstehen und aussehen, als würden sie die Kleine Salve (1565 m) hinaufklettern wollen. Dazwischen blühende Wiesen. Eine Kirche, ein Hotel, ein Gasthaus – und Schloss Itter, das nicht besichtigt werden kann, aber dennoch ein wunderbares Fotomotiv abgibt. Das Bilderbuchdorf mit seinen rund 1000 Einwohnern gehört zur Ferienregion Hohe Salve und behauptet sich inmitten der Kitzbüheler Alpen als Ort der Ruhe. Auch wenn der TV-Bergdoktor in Sichtweite ist und es jetzt die neue Salvistabahn gibt, mit der Gäste bis zum Gipfel der Kleinen Salve hinaufschweben.

"Vielleicht haben wir bald ein bisschen mehr Privatvermietung", meint Sepp Kahn. Wobei sich der 70-jährige Almliterat aus Itter nicht sicher ist, ob seine Nachbarn die Chance ergreifen werden. Almliterat? In erster Linie ist Sepp Kahn Bauer und im Sommer mit dem Vieh am Berg. In stillen Stunden schreibt er Wandergedichte und Kurzgeschichten, sogar einen Roman hat er bereits veröffentlicht und ein Drehbuch verfasst.

Sepp Kahn beobachtet gern. Auf seinem Bauernhof, der oberhalb der Talstation der Salvistabahn thront, sitzt er in der ersten Reihe und schaut aufs Salvista Stadl hinab. Hier hat Leonel da Silva (37) kräftig investiert, die Gaststätte seines Schwiegervaters renoviert und erweitert – und einen wunderschönen Spielplatz mit Niederseilgarten angelegt. Während Eltern regionale Köstlichkeiten genießen, können Kinder nach Herzenslust toben.

Auf dem Gipfel der Kleinen Salve, der im vergangenen Jahr mit der neuen Bahn erschlossen wurde, zeigt sich indes die Bergwelt von ihrer schönsten Seite. Erst einmal im Liegestuhl Platz nehmen und das einzigartige Panorama aufnehmen. Der Speichersee glitzert wie ein Juwel in der Sonne, im Nordwesten türmt sich der Wilde Kaiser auf, im Osten lockt die Hohe Salve als schönster Aussichtsberg der Kitzbüheler Alpen. Durch die Bahn zum Gipfel haben sich die Möglichkeiten für Wanderer und Mountainbiker vervielfacht. Wer mag, spaziert einfach hinunter zur Mittelstation und ist dort, wo die alte Salvistabahn früher endete.

Hier steht die Kapelle der Milchwirtschaft noch am angestammten Platz, doch die ehemalige KRAFTalm ist nicht wiederzuerkennen. Denn auch Familie Hölzl hat in die Zukunft investiert. Die in die Jahre gekommene Hütte ist einem modernen Berghotel mit Infinity-Pool gewichen, das sich harmonisch in die Landschaft einfügt. Viel Altholz und edle Naturmaterialien strahlen Behaglichkeit aus, der gute Geschmack und die Hingabe der Besitzer lassen sich im kleinsten Detail erkennen.

Hölzls betreiben die Alm seit 1909 und haben mit alten Schindeln und Brettern, vielen Bildern und der großen Uhr, die nach wie vor den Takt angibt, auch einen Teil ihrer eigenen Familiengeschichte in die moderne Zeit mitgenommen. "Das ist und bleibt mein Zuhause", sagt Wirtin Marion Hölzl (30) und erinnert sich, wie sie und ihre Schwester Evelyn (26) früher im Winter einen Teil des Schulwegs auf dem Skidoo zurücklegten. Klar, mit Papa als Chauffeur. Selbstverständlich duzt man sich nach wie vor und selbstverständlich sind im Restaurant und auf der Terrasse mit ihren Traumplätzen und dem Blick übers Inntal alle willkommen. Tipp: unbedingt den Kaiserschmarrn nach überliefertem Familienrezept probieren.

Sepp Kahn
Sepp Kahn: Bauer, Senner Almliterat

Das Rössl am rauschenden Bach

Im Dorf selbst ist das Gasthaus Rössl mit seiner farbenfrohen Fassade die erste (und einzige) Adresse. Seit 1634 behauptet es seinen Platz am rauschenden Steinerbach, seit fünf Generationen ist Familie Lanzinger hier Gastgeber mit Leib und Seele. Während Besucher aus den Nachbardörfern eigens wegen der gutbürgerlichen Küche mit Schlutzkrapfen, Schlemmerrösti und Zwiebelrostbraten kommen, freut Sepp Kahn sich auf sein Sonntagsbier: "Nach der Kirche treffen wir uns immer zum Kartenspielen." Bis zum Mittagessen, dann geht jeder wieder heim. Das war schon immer so. Nur während des Almsommers kann Sepp Kahn nicht mitmischen. "Aber geöffnet ist das Rössl das ganze Jahr über, denn es lebt ja von den Einheimischen", sagt der Literat und freut sich, dass hier das Ende der Urlaubssaison keine Rolle spielt.

Übrigens: Sepp Kahns Sommerzuhause ist die Untere Lärchenbergalm (1504 m) im Windautal. Der KAT Walk, der Weitwanderweg quer durch die Kitzbüheler Alpen, führt auf Etappe zwei der Alpin-Variante direkt daran vorbei. Wer höflich fragt, bekommt mit etwas Glück Buttermilch und Käsebrot. "Sofern ich nicht grad im Gelände bin und Zeit dafür habe", schränkt der Almliterat ein.

Infos: Tourismusverband Ferienregion Hohe Salve, Innsbrucker Straße 1, 6300 Wörgl, Tel.: +43-5750- 7010, info@hohe-salve.com, hohe-salve.com

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