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Wie Rübezahl den Uhudler rettete

Von Karin Haas  03. Oktober 2020 00:04 Uhr

Wie Rübezahl den Uhudler rettete
Goldener Herbst im Rübezahlland: Die Uhudlerei Mirth in Eltendorf.

Über das fast vergessene Paradies im Südburgenland, das das Beste aus den Nationen Österreich, Ungarn und Slowenien vereint.

Das Südostburgenland an der Grenze zu Slowenien und Ungarn mit den Bezirken Güssing und Jennersdorf ist ein Paradiesgartl, das eben erst den Tourismus entdeckt zu haben scheint – so wenig überlaufen ist das Hügelland.

Dass der Naturwein Uhudler dort stolz hochgehalten werden kann, hat mit Widerstandsgeist und einem Mann zu tun, der Rübezahl gerufen wurde. Eigentlich heißt er ja Johann Trinkl. Und es ist viele Jahre her, dass der Heiligenbrunner rebellisch dem Uhudler-Gegenwind entgegentrat. Denn früher war die robuste Direkttraube nicht gern gesehen und nur für den sogenannten "Haustrunk" der Winzer zugelassen. Doch der Wein mit dem markanten Waldbeergeschmack hat sich zurück in die Vinotheken gekämpft.

Wie Rübezahl den Uhudler rettete
„Wir drehen die Salzstangerl noch selbst und freuen uns, wenn Radfahrer und Uhudler-Freunde bei uns vorbeikommen.“ Bio-Bäuerin und Winzerin Beatrix Eberhard aus Strem im Uhudlerland (Bezirk Güssing)

Acht junge Winzer zeigen auf

Das gab einer jungen dynamischen Gemeinschaft von acht Uhudler-Winzern den Rückenwind, neu durchzustarten. Denn nun, mit Rechtssicherheit, lohnen sich Investitionen. Trinkls Spitzname Rübezahl, den er seinem naturbelassenen Aussehen verdankt, ist nun auch der Namensgeber für diesen Winzerzusammenschluss, dessen drei Sorten Classic, Frizz und Sprizz kürzlich präsentiert wurden.

Leicht hatte es der Uhudler nie. Früher wurde er als "Heckenklescher" oder "Rabiatperle" verunglimpft. Doch als weinstockweise Wegbegrenzung wurde der Uhudler im Burgenland nie eingesetzt. Vielmehr breiten sich 110 Hektar gepflegte Uhudler-Weingärten aus. Anno dazumal waren es gar 1200 Hektar. Doch der frühere Gegenwind blies bei vielen auch die Ausdauer und das Engagement weg.

Rückenwind für den Uhudler

Das ist nun Vergangenheit. Seit Kurzem steht fest, dass der markant schmeckende, reblausresistente Uhudler es rechtlich mit seinen feinen Rebstock-Schwestern aufnehmen darf. Im Weingesetz ist der Uhudler rehabilitiert. Vier Sorten, darunter Isabella und Concordia, sind darin aufgenommen worden. Seit Kurzem steht auch fest, dass nicht nur bestehende Uhudler-Gärten "gnadenweise" bis ins Jahr 2030 genutzt werden dürfen. Der Uhudler darf auch neu ausgepflanzt werden. Das freut Bernhard Pranger, den Obmann des 2016 gegründeten Vereins Uhudlerland, der Genuss mit Kultur, Radsport und Tourismus und damit Wertschöpfung verbinden möchte.

Wie Rübezahl den Uhudler rettete
Die Heiligenbrunner Kellergasse ist ein ensemblegeschütztes Kleinod.

Motiviert ist auch Georg Dujmovits. Der Bruder der Olympia-gekrönten Snowboarderin Julia Dujmovits renoviert in der ensemblegeschützten Kellergasse im 735-Einwohner-Dorf Heiligenbrunn (Bezirk Güssing) ein historisches Kellerstöckl nach dem anderen. Obendrein möchte der "Rübezahl"-Winzer den Uhudler mit dem Symbol der Eule und Namen hawaiianischer Inseln wie Molokai cool machen. "Eigentlich wollte ich für den Uhudler den Uhu als Symbol. Doch da hätte dieser große Klebstofferzeuger etwas dagegen gehabt", sagt Dujmovits.

Der waldbeerig schmeckende Uhudler-Frizzante wiederum ist das Ding von Georg Marterer. Der Ziviltechniker hat sich in der Kellergasse von Heiligenbrunn ein Kellerstöckl mit historischer Presse gekauft. Sein Uhudler wird zum Frizzante k54 veredelt. Der mundet zur lokalen Spezialität Grammelpogatscherl und der Erzählung Marterers, wie schwierig es ist, das strohgedeckte Dach des Kellerstöckls originalgetreu zu erneuern.

Alte Roggensorten für das Strohdach

Die spezielle Stroh-Bindetechnik würden nur mehr Handwerker aus Polen beherrschen. Eine Voraussetzung ist allerdings, dass sie dafür das richtige Stroh bekommen. Es müsse eine besonders langsam wachsende, alte Roggensorte sein, die obendrein händisch zu ernten sei, schildert Marterer: "Eigentlich sollten wir dieses Handwerk wieder ins Burgenland, in die Wiege des Uhudlers, zurückholen."

Wie Rübezahl den Uhudler rettete
Ziviltechniker Georg Marterer keltert Uhudler im Kellerstöckl.

Siegfried Legath aus Strem (Bezirk Güssing) ist Uhudler-Widerständler auf seine Weise. Der Biobauer nutzt den aufkeimenden Radtourismus, indem er ein Jausenhäuschen neben seinem Weingarten aufstellt. Da für ein fix montiertes Gebäude ein bürokratischer Spießrutenlauf nötig wäre, hat es Biobauer Legath einfach an seinen Traktor gehängt, der dort samt Häuschen steht. Damit ist die Labestelle ein landwirtschaftlicher Anhänger und darf sein, wo sie will. Charmant hat er das Jausenhäuschen, das einen Kühlschrank mit Schmankerln und Uhudler beherbergt, mit sprachlichem Lokalkolorit "Dschardake" genannt. So heißen die luftigen Holzhäuschen, in denen früher die Maiskolben für den Winter getrocknet wurden.

Unweit davon, in Strem, Steinfurt 31, hat der Wirt Martin Fandl mit Gattin Annett seine "Glaserei" eröffnet. So nennt er den Jausengarten, der nicht nur an Montagen und Dienstagen, den Ruhetagen seines Gasthauses, Hungrige und Durstige mit Selbstbedienungs-Kühlschränken empfängt.

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Wirt Martin Fandl betreibt in Strem ein Wirtshaus samt „Glaserei“ mit Schmankerln.

"Wir haben mehr als nur Wein. Wir sind die Erben der Region", sagt Martin Weinek. Der Schauspieler, auch als Inspektor Kunz aus der TV-Serie Kommissar Rex bekannt, lebt mit seiner Frau Eva in Hagensdorf (Bezirk Güssing), betreibt dort Weinbau und setzt sich als Obmann der Initiative Kellerviertel Heiligenbrunn auch für den Uhudler ein.

"Uhudler Landestheater" lebt

Doch ohne Schauspielerei geht es auch im Südburgenland nicht. Das "Uhudler Landestheater" des Ehepaares Weinek im Grenzort Bildein mit 347 Einwohnern ist legendär. Engagiert spielte man auch heuer im "Dorfkaiserreich Uhudlerland" im Freien gegen Corona an.

Jetzt macht sich der goldene Herbst breit. Es ist die Hochsaison der Uhudler-Winzer. Und wenn Corona keinen Strich durch die Rechnung macht, steigt in der Kellergasse Heiligenbrunn am 5. und 6. Dezember, ab 14 Uhr, der Adventmarkt – mit Uhudler, versteht sich.

Wissenswertes

Wohnen: Hotel Schwabenhof, 7522 Hagensdorf 22 (Gem. Heiligenbrunn/Bez. Güssing). Hausherr Heinz und Katalin Luisser. Gepflegter Garten mit Pool. Ab 44 Euro pro Person im Doppelzimmer inkl. Frühstück. Tel. 03324/7333, www.schwabenhof.at

Hotel Das Eisenberg, 8383 St. Martin an der Raab, Mitterberg 32-34 (Bez. Jennersdorf). Claudio Cocca, ein Schweizer mit burgenländischen Wurzeln, hat im Dreiländereck einen schicken Hotelkomplex mit Wellness und Infinity-Pool gebaut. E-Tankstelle für Fahrräder und Autos vorhanden. Ab 84 Euro pro Person inkl. Frühstück im Doppelzimmer. Tel. 03329/48833, www.daseisenberg.at

Kultur: „Uhudler Landestheater“, Infos für 2021: Eva und Martin Weinek, uhudlertheater.at

Essen: Gasthaus Fandl, Steinfurt 31, 7522 Strem, Mo. und Di. Ruhetage, gasthof-fandl.at

Uhudler: Viele Winzer, zwei Kellergassen (Heiligenbrunn im Bezirk Güssing und Eltendorf im Bezirk Jennersdorf) uhudler-heiligenbrunn.at, uhudlerland.info

Artikel von

Karin Haas

Kulinarik-Redakteurin

Karin Haas
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