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Reisen

Weiß, weit und wandern – auf Skiern

Von Ulrike Rubasch  13. November 2022 14:00 Uhr

Weiß, weit und wandern – auf Skiern
Bis zu sieben Teilnehmer erkunden auf der geführten KAT-Skitour die Kitzbüheler Alpen – und ihr eigenes Können.

Der Winter steht vor der Tür. Mit ihm die Skitouren-Weitwanderung Kitzbüheler Alpen Trail, kurz KAT: imposante Gipfel und unverspurte Abfahrten, mit Sorglos-Paket.

Wastl ist Basisdemokrat. Sagt er zumindest, denn "jetzt heißt’s: einvernehmliches Abfahren!", ruft er lachend und stürzt sich praktisch diktatorisch den unverspurten Steilhang auf seinen Powder-Brettln hinunter. Als ob es kein Morgen gäbe. Wir müssen hinterher. Mit "einvernehmlich" meint Wastl, der seit Jahrzehnten Bergführer und trotz seines Alters der mit Abstand Fitteste von uns ist, wir sollten ihm einfach nachfahren. Er kennt die beste Spur, und die Basisdemokratie ist im Übrigen neumodernes Zeugs, das hier in die Berge nicht hergehört. Genauso wenig wie das Gendern, sagt der "Bergführende" kopfschüttelnd und grinst, als wir am Abend müde und glücklich bei einem Bier bei Max, dem Wirt der Oberlandhütte, in der gemütlichen Stube zusammensitzen und den Herrgott einen guten Mann sein lassen.

Sorglos kriechen wir bald in den Schlafsack, denn um das Organisatorische und den Gepäcktransport ins nächste Quartier kümmern sich andere – wir müssen nur pünktlich und im Skitourengewand zum Frühstück erscheinen.

Weiß, weit und wandern – auf Skiern
Mindestens 1200 Höhenmeter pro Tag

Mit dem Slogan "Sechs-Tage-Sorglos-Paket" wirbt der Folder der KAT-Skitour um Interessenten. Und tatsächlich: Die geführte und für sechs Schneetage durchgeplante Skitouren-Weitwanderung in den Kitzbühler Alpen ist auch ein halbes Jahr nach dem Erlebnis im vergangenen Spätwinter als sorgloser und grandioser Winterabschluss auf Skiern in Erinnerung. Das Einzige, das einem Sorgen bereiten darf, ist gegebenenfalls die eigene Kondition. Mindestens 1200 Höhenmeter oder drei bis vier Stunden Aufstieg und teilweise – dank Benützung von Liften und anderen Aufstiegshilfen – viel längere Abfahrten müssen die Beine auf jeden Fall hergeben. Und das nicht nur am ersten Tag, sondern jeden der bis zu sechs Tage. Skifahrerisch sollte man im Gelände sicher unterwegs sein, sonst ist das Sorglos-Paket garantiert nicht garantiert. Sind jedoch diese beiden Bedingungen erfüllt, steht einem grandiosen und intensiven Erleben von Natur und Skifahren nichts mehr im Wege.

Die mehrtägige Tour beginnt üblicherweise im Hotel in Hopfgarten, wo man auch ohne Schwierigkeiten mit dem Zug hinkommt. Einer der Kitzbüheler Berg- und Skiführer – in unserem Fall eben das Original Wastl Fürstaller – gibt uns eine Einschulung bzw. Auffrischung zum Thema Ausrüstung und Lawinenkunde. Das Wetter werde gut, der Schnee sei fahrbar. Der Lawinenbericht? "Ich bin eh jeden Tag draußen und krieg alles mit."

Weiß, weit und wandern – auf Skiern
Kelchsau, Windautal, Spertental, Kitzbühel, Aurach und Fieberbrunn sind die Namen, die die Tour streift.

Am nächsten Morgen starten wir – weil wir eine abgekürzte Pressetour machen – über den Steinbergstein (2215 m) zu schönem Abfahrtsgelände Richtung Windau. Die Einfahrt in den richtigen Hang vom höchsten Punkt ist selbst für den erfahrenen Wastl heute nicht einfach – über den Gipfel hat sich dichter Nebel gelegt, wir sehen keine zwanzig Meter. Es ist die erste Situation, in der wir als Gebietsunkundige heilfroh sind, einen dabei zu haben, der sich wirklich auskennt. Allein wären wir hier verloren gewesen, eine Abfahrt ins Ungewisse hätte schlimm ins Auge gehen können.

Hunderte Skitourengeher ziehen in den Kitzbüheler Alpen täglich ihre Spuren durch die Landschaft (Wastl: "Du bist hier nie allein in den Grasbergen"), doch der KAT-Bergführer schafft es irgendwie, selbst im Frühjahr nach längerer niederschlagsfreier Zeit noch unverspurte Powderhänge für uns KAT-Touristen zu finden. Der Jubel ist groß, die Juchitzer samt Echo bis weit ins Tal hinaus zu hören. Wenn das Wetter prächtig ist wie in unserem Fall, bietet etwa das Gerstinger Joch (2035 m) eine großartige Alpinkulisse, inklusive Großglockner und Venedigergruppe, von deren Kamm eine weithin sichtbare, imposante Schneefahne weht.

Ein Glanzlicht dieser Tage ist sicher die Fahrt mit dem Pistenbully. Mit einem 2er-Sessellift geht es von Kitzbühel aus hoch auf die Bichlalm, dann bringt uns eine "Schneekatze", eine umgebaute Pistenraupe, noch ein Stück höher zum Ende des alten Schlepplifts.

Von dort steigen wir fünf Minuten zum Stuckkogel auf, die schneebedeckten Gipfel sind an diesem Tag von strahlend blauem Himmel umrahmt. Wir genießen etliche geniale Pulverabfahrten (mit insgesamt drei Zwischenanstiegen) Richtung Fieberbrunn, die Oberschenkel brennen schon gut, als die Autorin in einer Pause eine Flasche Bier aus dem Rucksack holte, die sie im Rucksack hunderte Höhenmeter als gut gemeinte Überraschung für Wastl mitschleppte. Das Dankeschön wurde von unserem "Bergführenden" nicht nur ignoriert, weil es inzwischen gefroren war, sondern mit dem strengen Verweis "Ich bin im Dienst" in den Rucksack gepackt. Immerhin in seinen.

Fieberbrunn ist als Freeride-Gebiet weltweit bekannt durch die Freeride World Tour. "Easy up, wild down" lautet die Devise im Gebiet, das bekannt ist für seine Tiefschneehänge, die ohne lange Aufstiege gefahren werden können. Wir jedenfalls genießen den letzten Abend im Hotel Alte Post, im Speziellen den großzügigen Wellnessbereich, der unseren wirklich müden Muskeln das bringt, was sie dringend brauchen: Entspannung.

  • Termine 2023: 7.–14. Jänner 2023 (Bergführer: Reini Percht); 28. Jänner–4. Februar 2023 (Bergführer: Tom Rabl); 4.–11. März 2023 (Bergführer: Wastl Fürstaller)

Infos zum KAT

Der Kitzbüheler Alpen Trail (KAT) ist eine sechstägige Ski-/Freeride-Tour mit sieben Übernachtungen, Guide, Transfers und Gepäckstransport (mit maximal 20 kg) für 1890 Euro. Die Tour wurde 2021/22 erstmals angeboten und ist dem sommerlichen Weitwanderweg KAT Walk gefolgt, der allerdings alleine ohne Guide gegangen wird.

Beim Skitouren-KAT sind Gasthäuser, Hütten und ein Wellnesshotel jeweils mit Halbpension gebucht. Für die Tourentage wird Marschverpflegung vorbereitet. Ein Safety Briefing ist inkludiert. Die Gruppengröße liegt bei vier bis maximal sieben Teilnehmern. Auf Wunsch wird die Tour individuell angepasst oder auch verkürzt.

Artikel von

Ulrike Rubasch

Redakteurin Wirtschaft

Ulrike Rubasch

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