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Reisen

So süß schmeckt Istrien

Von Dietlind Hebestreit  30. April 2022 14:00 Uhr

So süß schmeckt Istrien
Die malerische Altstadt von Rovinj liegt auf einer Halbinsel.

Die kroatische Halbinsel ist ein Mikrokosmos, der mit hochwertiger Kulinarik und lässigem Lebensstil überrascht. Besucher finden in Rovinj venezianisches Altstadt-Flair genauso wie zauberhafte Begegnungen mit der Natur – nur sechs Autostunden von Linz entfernt.

Fettige Cevapcici und Hotelzimmer in kommunistischen Plattenbau-Bettenburgen: Urlaub in Kroatien galt lange als wenig glamourös. Von diesem Billig-Image ist in Istrien heute nichts mehr zu spüren. Neben den bekannten Pluspunkten wie kristallklarem Meer und historischen Städten hat sich die Region als attraktive Destination für Weinkenner, Gourmets und Liebhaber des lässigen Lebensstils etabliert.

Dass die Menschen in Istrien eine eigene Identität entwickelt haben, ist historisch bedingt: Egal ob Römer, Venezianer oder Altösterreicher herrschten – die Bevölkerung der Halbinsel musste sich immer zwischen Bodenständigkeit und Weltoffenheit einpendeln. Das änderte sich nach den Weltkriegen ebenfalls nicht, als Grenzen scheinbar wahllos hin und her verschoben wurden.

Edles Öl

Auch im Tourismus gingen die Istrier schnell eigene Wege. Immer sind die einzelnen Menschen der Schlüssel zu hoher Qualität. Wie der Olivenöl-Produzent Tedi Chiavalon: "Mit 13 Jahren setzte mein Bruder Sandi 100 Olivenbäume. Das war der Anfang unseres Unternehmens. Wir haben in der Garage unseres Großvaters mit Verkostungen begonnen – auf 45 Quadratmetern." Damals glaubte niemand an die jungen Burschen. Heute testen Besucher die edlen Öle des Duos in einem schicken Schauraum, direkt neben der hochmodernen, computergesteuerten Produktion, auf insgesamt 1000 Quadratmetern. Bis zu 80.000 Flaschen mit dem feinen Öl liefern die Brüder in 23 Länder, besonders viel in den deutschsprachigen Raum. "Mein Großvater würde mit uns schimpfen: Aus hundert Kilo Oliven gewann er damals 25 bis 30 Liter Olivenöl. Bei unseren Kaltpressungen bei 18 bis 21 Grad gewinnen wir aus der gleichen Menge an Früchten sechs bis neun Liter." Doch der Erfolg gibt den Chiavalones Recht: Ihre Produkte sind mittlerweile mehrfach preisgekrönt und heiß begehrt. "Was schmecken Sie?", fragt Tedi bei der Verkostung. Nach und nach rückt er heraus, was ein gutes Olivenöl ausmacht: Die Blume muss grün und fruchtig sein, im Mund entfalten sich Bitterkeit und Schärfe. "In Kombination mit anderen Speisen schmecken die Öle dann milder", verspricht der begeisterte Unternehmer, der nicht nur auf Qualität, sondern auch auf Umweltschutz höchsten Wert legt. Bei der Produktion wird alles zu hundert Prozent wiederverwertet, und der Anbau ist naturnah.

Frischer Fisch – keine Karte

Auch Wirte wie Sergio Jugoslav aus Novigrad tragen dazu bei, wenn Besuche in Istrien zu einem ganz besonderes Erlebnis werden. In seiner Kult-Konoba Cok, das nach dem jovialen Gastronomen benannt ist, tischt dieser fangfrischen Adriafisch auf – meisterhaft und doch minimalistisch zubereitet. Edles Thunfischtartar oder würzige Lasgne mit Fisch und Scampi kitzeln den Gaumen. Und als Nachtisch zergeht luftige Frischkäsetorte mit Birne, gekrönt von einem Nest aus zartem Schokolade-Seegras, auf der Zunge. Zum Schluss gibts Grappa mit Salbei und Honig. Was jeweils auf dem Speiseplan steht, hängt vom aktuellen Fang und der Laune der Wirtsleute ab. Eine Karte gibt es nicht, und schon gar nicht mit 30 verschiedenen Speisen – und wer danach fragt, wird etwas misstrauisch beäugt. Was einem in Istrien oft begegnet: Urige Tradition trifft Design. So hat Cok gerade in ein modernes, eher schräges Lichtkonzept für sein Lokal investiert und ist mit dem Ergebnis zufrieden. Das Konzept stammt natürlich von Freunden.

Ein paar Schritte entfernt betreibt Sergio Gobbo das Marine-Museum Gallerion. "Ich habe schon als Bub gerne Geschichten von Fischern und Matrosen über das Meer und die Schifffahrt gehört. Seit damals sammle ich Dinge, die damit zu tun haben", sagt der Istrier. Auf nur 200 Quadratmetern hat der Designer und Fotograf ein Sammelsurium an Relikten aus zwei Weltkriegen gesammelt, die er wie Reliquien hütet. Wer mag, kann in einschlägigen Büchern stöbern und sich durch enge Gänge zwängen, um Matrosen-Anzüge, Waffen, Schiffsmodelle und viele, viele Fotos zu begutachtet.

Mondän geht es in Rovinj zu. Egal ob das wie ein Schiff geformte Hotel Lone, das in Asien nachgebaut wurde, das edle Mulin oder das topschicke Grand Park – alle großen Fünf-Stern-Häuser gehören dem selben Besitzer. Das Erfolgsrezept: Gespart wird weder beim Design noch beim Service. Hotel-Manager Peter Lösch erklärt: "Ich werde nicht am Gewinn gemessen, sondern daran, ob am Ende des Jahres die Qualität gleich geblieben oder besser geworden ist." Der Deutsche fühlt sich mit seiner Familie in Istrien längst heimisch, und verrät, wie man hier wirklich fangfrischen Fisch aus der Adria serviert bekommt: "Den gibt es nie dort, wo Bilder von Speisen heraußen hängen. Man muss sich bewusst sein: Qualität hat ihren Preis." Schlechtes Olivenöl habe der Hotelier in Istrien in drei Jahrzehnten übrigens noch nie gegessen.

Wer sich über die breite, helle Promenade von der Stadt weg bewegt, taucht in wunderbare Wälder ein, die so manche botanische Überraschung enthüllen. Das riesige Areal im Süden der Stadt wurde von Georg Hütterott Ende des 19. Jahrhunderts angelegt.

Adressen und Tipps

Tourismusverband Istrien: istra.hr

Hotels:
Boutique Hotel Rivalmare: rivalmare.hr
Hotel Monte Mulini: maistra.com
San Canzian Village: san-canzian.hr
Villa Meneghetti: meneghetti.hr
Landgut Baracija: baracija.hr

Ausflugstipps:
Konoba Cok, Ul. Sv. Antona 2, 52466 Novigrad
Olivenöl Chiavalon: chiavalon.hr
Künstlerstädtchen Groznjan
Limski Fjord

Anreise:
Mit dem Auto ab Linz (circa sechs Stunden) oder ab Mitte Mai mit dem Flugzeug von Wien-Schwechat nach Pula

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Dietlind Hebestreit

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