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Reisen

Sicherer Auftakt zum Tanz im Schnee

Von Ines Klima   14. Dezember 2013

Sicherer Auftakt zum Tanz im Schnee
Mit 200 Kilometer Tiefschneeabfahrten gilt die Region Lech Zürs als Dorado für Freerider.

In der Arlberg-Skiregion Lech Zürs zeigen Skiguides zum Saisonauftakt, wie der Spaß im Schnee möglichst sicher wird. Im Betrieb ist nun der "Auenfeldjet", mit dem sich auch das Nachbargebiet Warth-Schröcken erschließt.

Die Regina ist beim Lawinen-Sprengen", heißt es am Freitag früh in Zürs beim "Safety Day" mit Theorie und Praxis für sicheres Skifahren im Gelände. So wie unsereins sagen würde: Sie ist grad noch beim Frühstücken. Regina ist Berg- und Skiführerin am Arlberg und mit der Lawinenkommission seit den frühen Morgenstunden im Einsatz. Sie hätte unsere Gruppe zum Thema Sicherheit im Gelände durch den Tag und in den Tiefschnee begleiten sollen. Aber wir sind eben am Arlberg, es ist Anfang Dezember und in der Nacht haben sich nicht nur Schneefälle, sondern auch die Ausläufer des Orkans "Xaver" eingefunden.

Auch wenn es zynisch erscheinen mag, so scheinen Sturm und Schneetreiben die perfekte Kulisse zur zweiten "Snow and Safety Conference". Es geht um die Sicherheit beim Skifahren, speziell im freien Gelände. Die Veranstaltung stellt die Themen Lawinenschutz, Risikomanagement und Verhaltensregeln beim Off-Piste-Fahren in den Mittelpunkt. Naheliegend, denn die Skiregion Lech Zürs gilt als Dorado nicht nur für den Pistenspaß, sondern auch fürs Freeriden. Es geht auch um Theorie und Praxis der Lawinenprävention. Und deswegen ist die Regina beim Lawinen-Sprengen.

"I bin d’Nadine aus Klösterle." Ich lande also in der Gruppe Nadine. Die geprüfte Berg- und Skiführerin wird uns durch den Safety-Day begleiten. Dass sie auch Freeride-Profi und Gewinnerin der FWT 2013 (Freeride World Tour) ist, weiß ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Wir sind alle ausgerüstet mit dem neuesten Testskimaterial und den obligaten Utensilien fürs Skifahren im freien Gelände: ABS-Rucksack mit Airbag, LVS-Gerät (Lawinenverschütteten-Suchgerät), Schaufel, Sonde, Helm und einer Skibrille, um durch die "Xaver"-Sturmböen einen Blick auf die ersehnten Tiefschneehänge zu erhaschen. Bevor wir uns dem Lift nähern, kommt erst eine Kontrolle. "Ist die komplette Ausrüstung dabei, sind die Batterien des LVS-Gerätes neu? Welche Lawinenwarnstufe gibt es am Vormittag, welche am Nachmittag? Aus welcher Richtung kommt der Wind? Was bedeutet das für die Schneemenge? Nach dem Funktions-Check des LVS und der Lift-Auffahrt zum Seekopf sind unsere Gesichter eingefroren und die Finger ebenso.

Es ist jetzt später Vormittag und "Xaver" fegt böenartig durch den Schneefall. Zwischen 30 und 40 km/h erreicht der Wind, was die gefühlte Temperatur gleich um etliche Grade fallen lässt. Die Mundpartie ist unbeweglich geworden. Also verlagert sich der weitere Grundkurs ins Restaurant, wo wir unsere Finger, Gehirnzellen und unser Sprechwerkzeug wieder nützen können und unter Nadines Anleitung die Lawinensuchgeräte testen. "Wer kann den Lawinenbericht richtig lesen?", will Nadine wissen. "Am Vormittag haben wir Warnstufe 2, ab Mittag dann 3." Wir erfahren, dass dies eine Lawinenauslösung schon bei geringer Belastung verursachen kann, mit Windverfrachtung ist höchste Vorsicht geboten. Können alle das LVS richtig bedienen? Auf "Suchen" schalten, auf "Senden", wie weit weg bin ich von dem Signal des/der Verschütteten. Stört ein Handy in der Brusttasche? Ich erkenne, dass mir nicht klar war, wie viel man von einer Saison auf die nächste vergessen kann. Und wie wichtig es ist, sich jedes Mal wieder vorzubereiten. "Ich bin zwar auf Skiern aufgewachsen, aber ich mache vor jeder Saison wieder die wichtigsten Schritte durch", erklärt uns Nadine. Wissen, was im Ernstfall zu tun ist und das schnell, ist oberstes Gebot beim Off-Piste-Fahren.

Ab ins freie Gelände!

"Auf geht’s", auch wenn "Xaver" noch so schaurige Pfeifgeräusche von sich gibt und uns kurz der Atem stockt beim Schritt ins Freie, jetzt geht’s endlich ins Gelände! Zuerst in einer Reihe hinter Nadine. Irgendwo zwischen Tänzeln und Schweben gleitet sie durch den frischen Schnee. Freeriden in absoluter Leichtigkeit. Federleicht, sie scheint im Weiß zu versinken und taucht wieder auf im Pulverschnee. Mit traumtänzerischer Sicherheit flitzt sie davon und wir hinterher. Der Schnee staubt uns alle ein bis über beide Ohren. Ich spüre keinen Wind, keine Kälte, keine eisigen Schneekristalle im Gesicht, alles um mich herum ist Hochgefühl. Wo ist oben und wo unten? Die Schneedecke trägt mich wie auf Wolken ins Tal, wir fahren einzeln in den ca. 30 Grad steilen Hang und ziehen unsere Spuren durch das pudrig-leichte Weiß. Die Sicht ist gleich null, aber egal, und auch die Grube, in die wir nacheinander hineinplumpsen, stört die Euphorie in keiner Weise. Noch ein Hang und noch einer. Das Gefühl ist einfach unbeschreiblich schön. Und dann nochmal hinauf mit dem Seekopflift. "Xaver" macht sich mittlerweile massiv bemerkbar, zweimal stoppt der Vierersessellift und beim Liftausstieg ist bereits das Rolltor zur Piste geschlossen. Die letzten wagemutigen Skifahrer werden gesammelt und verlassen im Pulk die Bergstation. Eine letzte "line" hinter Nadine durch den Pulverschnee, dann ist Schluss. Sicherheit ist oberstes Gebot.

Es ist kurz nach ein Uhr Mittag und die "Verschütteten-Suche" laut Programm findet bereits am sicheren Talboden von Zürs statt. Neben der Liftstation suchen wir zwei im Schnee tief vergrabene Rucksäcke, im ersten Probedurchgang viel zu langsam. Beim zweiten Durchgang klappt es schon besser, wir liegen knapp unter drei Minuten als der Ruf "Fund" ertönt und das Zielobjekt mit der Lawinenschaufel ausgegraben ist.

Mit dem Jet ins Nachbargebiet

Der stürmische "Xaver" hat sich über Nacht verabschiedet. In Lech herrscht zum Saisonauftakt quirliges Skitreiben und eine neue Bahn geht in Betrieb. "Auenfeldjet" heißt die am 7. Dezember 2013 eröffnete Verbindungsbahn zwischen den Skigebieten Lech Zürs und Warth-Schröcken. Nach mehreren Jahrzehnten Vorbereitungszeit ist es nun endlich so weit und man gondelt durch das "Auenfeld" umweltschonend zum Skigebiet der beiden Nachbarorte Warth und Schröcken. "Das Besondere an der neuen Bahn war die Idee, zwei bereits vorhandene Skigebiete miteinander zu verbinden und so das Skivergnügen zu verdoppeln – ohne weitere Eingriffe in die Natur", erzählt Michael Manhart, Geschäftsführer des Auenfeldjet und langjähriger Kämpfer für das Projekt. "Nun stehen 47 Liftanlagen und fast 200 Kilometer Pistenabfahrten zu Verfügung." Von den Abfahrten in freiem Gelände erst gar nicht zu reden!

Den "Auenfeldjet" besteigt man im Skigebiet Lech und lässt sich dann mit beheiztem Sitz in Panoramagondeln über die rund zwei Kilometer lange Verbindungsstrecke auf die andere Talseite bringen – ins Skigebiet Warth-Schröcken. Dass man auch durch das freie Gelände (vom Sonnenjet über das Karhorn und das Bürsteck) retour zu den Pisten von Lech gelangen kann, ist eine andere Geschichte. Womit wir wieder beim Thema Snow&Safety wären.

 

Wissenswertes zum Skigebiet

 

Die Region Lech-Zürs in Vorarlberg liegt schneesicher zwischen 1300 und 2800 Meter. Das auf 1720 Meter gelegene Zürs gilt als Mekka des Variantenfahrens.
Die Wintersaison in den Arlberg-Orten Lech, Zürs, Warth, Schröcken, St. Anton, St. Christoph geht vom 6. Dezember. 2013 bis 27. April 2014.

Pisten: Insgesamt 340 Kilometer Pistenabfahrten und 200 Kilometer Tiefschneeabfahrten stehen bereit.

Kosten: Eine Tageskarte für sämtliche 94 Bahnen und Lifte rund um den Arlberg kostet in der Hochsaison 48 Euro, eine Dreitageskarte 134 Euro.

Auenfeldjet: Eine zwei Kilometer lange 10er-Gondel-Einseil-Umlaufbahn verbindet jetzt das Skigebiet von Lech-Zürs mit dem von Warth-Schröcken. Mit 47 Liften und Bahnen sowie 190 Kilometer Skiabfahrten entsteht damit das größte Skigebiet in Vorarlberg.

Infos: www.lech-zuers.at, www.warth-schroecken.com, www.skiarlberg.at
Zur Snow & Safety Conference: www.snowandsafety.com
Zum neuen Auenfeldjet: www.auenfeldjet.com

 

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