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Reisen

Schnee, Sterne und Motoren

Von Philipp Braun  25. Januar 2020 15:00 Uhr

Schnee, Sterne und Motoren
Keine störende Lichtverschmutzung auf 2212 Metern.

Wer zum Tiroler Venetberg reist, bekommt es in der Nacht mit den beiden Wagen zu tun. Tagsüber ziehen die Skilatten die Aufmerksamkeit auf sich.

Lage, Lage, Lage. Die wichtigste Regel bei Immobilien trifft naturgemäß auch auf Hotels im Urlaub zu. So wie bei der Venet-Gipfelhütte, die mit der Sternwarte auf 2212 Metern über dem Talkessel von Landeck, Zams und Fließ thront.

Anstellen beim Lift im Tal? Sicher nicht. Ideale Voraussetzungen, um die faszinierende Sternenwelt betrachten zu können. Jawoll.

Werner Millinger, Geschäftsführer der Venet-Bergbahnen, ist ebenso ausgebildeter Sternenguide und klingt begeistert: "Was uns auszeichnet ist, dass wir sehr hoch liegen und keine Lichtverschmutzung aus dem Tal haben. Im Observatorium können wir alles betrachten. Großen Wagen, kleinen Wagen, Milchstraße. Sogar die Polkappen vom Mars sehen wir ganz gut."

Im Winter bieten die Sternenguides einmal in der Woche eine Führung an, im Sommer zweimal pro Woche. In der kalten Jahreszeit ist die Luft trockener und die Sicht besser. Im Sommer animieren wärmere Temperaturen zum Stehen im Freiluftkino. Es kann nämlich zapfig und windig werden. Für Millinger kein Problem. "Wir haben die perfekte Infrastruktur. Gäste können ins Zimmer gehen, sich aufwärmen oder etwas konsumieren."

Schneeglitzern am Morgen

Wer sich von den beeindruckenden Sternbildern lösen kann, um in der Früh rechtzeitig aus den Federn zu kommen, staunt ein weiteres Mal – über einen 360-Grad-Panoramablick und frisch präparierte Pisten. Beides beflügelt zu einer Erkundungsfahrt. Groß ist das Skigebiet zwar nicht, aber die drei Sessellifte und zwei Schlepplifte haben etwas Nostalgisches. Sie erinnern an eine Zeit, in der Skifahren noch von der Romantik der Berge geprägt war und die Ohren nicht mit nerviger Hüttenmusik beschallt wurden.

Breite Pisten, rot und schwarz, motivieren den sportlichen Genussskifahrer zu langgezogenen Schwüngen. Ein Einkehrschwung empfiehlt sich in der heimeligen Jagerhütte. Der Apfelsaft wird selbst produziert, die Knödel mit der Hand gedreht und als Draufgabe verleitet der Apfelstrudel zum Niederknien. Eine Sonnenterrasse mit imposantem Blick auf die Bergwelt ist wie das süße Schlagobers dazu.

Wer sich vom Anblick löst und zurück zur Venet-Hütte schaukelt, wird am Abend mit einem Mehr-Gang-Menü verwöhnt. Das ist die Zeit von Christoph "Stoffl". Wenn die Pisten verwaist sind, lenkt der 25-jährige Tiroler eine wuchtige Pistenraupe. Mit 420 PS ist sie stärker als manch 911er Porsche, dafür drücken die zwölf Tonnen Gewicht ordentlich auf die Spritzigkeit. Mehr als 25 km/h sind schwer möglich. Der Vorteil des Schwergewichts: Die Skipisten werden so planiert, dass am nächsten Tag das Skifahrerherz jubiliert. Freilich nur, wenn sie unverspurt bleiben. Denn auch Tourengeher sind in der Nacht keineswegs abgeneigt, den jungfräulichen Hang zu befahren. "Ja sicher ist es ärgerlich, wenn du die ganze Nacht arbeitest und dann fährt wer in die Piste. Aber mit dem muss man leben". Stoffl lächelt verschmitzt, setzt sein Gefährt in Gang und plättet ein paar Hügel zu einem weißen Teppich. Gäste können gerne neben ihm Platz nehmen und sich den Extrakick geben.

Ängste, dass die Nasenspitze einfriert, schmelzen angesichts der kuscheligen 27 Grad warmen Kabine dahin. Stoffl sitzt leicht bekleidet mit einem T-Shirt im vollklimatisierten Gefährt, während im Freien der Wind über den Grat peitscht. Es ist gemütlich im Cockpit. Eine spezielle Ausbildung benötigt man nicht. Ein Autoführerschein langt. Etwas Erfahrung und Interesse an Maschinen sind hilfreich. "Wir sind alle auf dem Berg oder in der Landwirtschaft aufgewachsen. Für uns ist das kein Problem", sagt Stoffl und lächelt erneut, während er eine vierte Spur in den Schnee zieht. Professionell wie ein Bodenleger.

Der Nachthimmel ist klar. Stoffl orientiert sich nicht an den Sternen, sondern an den zwei Kollegen, die mit ihm nach einer einstudierten Anleitung die Raupenfahrt unternehmen. "Wir fahren effizient, nicht kreuz und quer und auf keinen Fall doppelt." Je nach Wetter- und Pistenverhältnissen dauert es bis Mitternacht, manchmal länger. Das Ziel ist stets das Gleiche: "Eine wunderschöne Piste zu schaffen."

Stoffl hat sein Ziel erreicht. Am nächsten Tag funkeln die Augen der Skifahrer wie in der Nacht zuvor der Sternenhimmel ob des perfekten Schneeteppichs. Hüttengäste haben einen Vorsprung. Sie dürfen die Piste für sich allein nutzen – bevor die erste Gondel eintrifft.

Mehr Informationen zum Venet-Skigebiet, der Skihütte und dem Zusatzangebot: www.venet.at

Artikel von

Philipp Braun

Kulinarik-Redakteur

Philipp Braun
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