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Reise-Storys

Sonntagsmesse im Indianerreservat in Kanada

Von Arnold Brunner   17. Oktober 2016 09:07 Uhr

Eine solche Messe kann man unmöglich vor einer Reise organisieren und wenn ich heute Teilnehmer dieser Gruppe treffe, sind wir uns einig, dass diese Messe noch immer in uns nachklingt.

1964 war ich als Reiseleiter mit einer überwiegend bäuerlichen Gruppe unterwegs, quer über Kanada und an diesem unvergesslichen Sonntag weit im Norden von British Columbia.

Wir besuchten eine riesige Rinderranch, der Besitzer empfing uns Österreicher überaus freundlich mit dem Hinweis, dass er als Gast der Familie Burda den Opernball in Wien besucht habe. Wir erfuhren äußerst Interessantes über das Leben auf dieser Ranch, nach einiger Zeit entschuldigte sich unser Gastgeber mit dem Hinweis, er sei katholisch und würde nun die Sonntagsmesse in seiner eigenen Kirche in seinem eigenen Indianerreservat besuchen. Kurz entschlossen fragte ich ihn, ob meine Gruppe an dieser Messe teilnehmen dürfe. Wir wurden freundlich eingeladen und nach kurzer Fahrt stiegen wir aus unserem Bus vor einer Blockhauskirche aus, die noch dazu malerisch an einem See, mindestens so groß wie unser Traunsee, gelegen war.

Der Priester kam, gekleidet in einem von den Indianerinnen mit Glasperlen verzierten ledernen Messkleid heraus, begrüßte uns freundlich und erzählte uns, dass er leider kein Deutsch mehr spreche, aber sein Vater stamme aus St. Christophen bei Wien! Er bat uns, bei der Messe einige deutsche Lieder zu singen. In meiner Gruppe waren viele Mitglieder des Gesangsvereines Gmunden und wir entschlossen uns, die Deutsche Messe von Schubert zu singen, die wir alle auswendig mehrstimmig draufhatten. Rechts von uns saß eine Gruppe von etwa 20 Indianern, der Rancher mit seiner Familie und schließlich wir 45 Österreicher.

Nach der Messe bat uns der Priester zu warten, er kam mit einer Ziehharmonika aus der Sakristei und nun sangen uns die „Einheimischen“ einige ihrer Messlieder vor, das Akkordeon sei seine Orgel, erklärte er uns.  Die Hände des Priesters waren von schwerer Arbeit gezeichnet; er erzählte mir, dass er seinen Lebensunterhalt als Automechaniker verdiene.