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Reisen

Nordkalifornien: Im Schatten uralter Riesen

Von Bernhard Lichtenberger  28. März 2020 00:04 Uhr

Nordkalifornien Im Schatten uralter Riesen
Im Redwood National Park sind gewaltige Küstenmammutbäume zu bestaunen.

Auch Alexander von Humboldt gefiele es in den Redwoods.

Der Bezirk an der Pazifikküste trägt den Namen eines besessenen Weltvermessers: Humboldt County. Dabei hat der deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt keinen Fuß auf diesen nordkalifornischen Boden gesetzt. Was würde ihn und uns auf diesem Landstrich, der knapp so groß wie Oberösterreich ist, erwarten?

Gewiss würde er, der fast manisch die Schöpfung in Maßen festmachte, in Längen, Höhen und Durchmessern durch den Redwood National Park taumeln, das letzte Paradies der gewaltigen Küstenmammutbäume. Umgeben von den wuchtigen Stämmen der Riesen mit der tief zerfurchten Rinde, in deren Spalten ein Unterarm Platz fände, fühlte man sich wie eine Ameise zwischen langen Grashalmen.

Den Herausragendsten unter den Nadelholzgiganten haben sie auf "Hyperion" getauft. Pfeilgerade ragt er in den Himmel und gilt mit 115,85 Metern als der höchste Baum der Welt. Nicht weit davon wächst seit 1500 Jahren der sogenannte Big Tree, der es auf einen Stammumfang von 21 Metern bringt. Sie blieben vom menschlichen Holzhunger unberührt, der ab der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Industrie durch die Redwood-Wälder trieb und die Riesenbäume in Häusern, Schiffsplanken oder Fässern enden ließ.

Zu Humboldts Lebzeiten hatte das "Samoa Cookhouse", das über eine Brücke vom Küstenstädtchen Eureka aus zu erreichen ist, noch nicht geöffnet. Aber wir könnten uns mit Eiern, Speck, French Toast, Bratwürsteln und Kaffee dort laben, wo sich ab 1893 dreimal am Tag bis zu 500 Männer drängten. Rund um die Uhr wurde damals für die Holzarbeiter gekocht, um deren Bedarf von 4000 Tageskalorien zu decken.

Erlegte Giganten

An den Wänden des seit den 1960er Jahren als Restaurant geführten historischen Gebäudes legen Fotos Zeugnis einer vergangenen Zeit ab. Auf einem posieren Männer mit stolzem Blick wie Großwildjäger mit ihrer Beute: Mit einer achteinhalb Meter langen Zugsäge haben sie einen "Sequoia gigante" mit acht Metern Stammdurchmesser erlegt. Vom ursprünglichen Bestand der Küstenmammutbäume sind nur noch zehn Prozent übrig, die Hälfte davon wächst im Redwood National Park.

Die überirdisch anmutende Aura, die von den archaischen Hünen ausgeht, betört. Auch Filmemacher George Lucas ließ die teddybärigen Ewoks für die "Star Wars"-Episode "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" durch die Redwoods auf seinem Waldmond Endor wuseln, Steven Spielberg nutzte das Flair für Szenen zu "Jurassic Park: Vergessene Welt". In der hollywoodfernen Wirklichkeit beleben weder kuschelige Jäger und Sammler noch urzeitliche Saurier die Wälder, sondern kapitale Wapiti-Hirsche, Braunbären und Pumas.

Das Redwood-Schutzgebiet ist einer von 58 Nationalparks in den USA. Geografisch am nächsten liegt der Lassen Volcanic National Park mit dem 3187 Meter hohen Lassen Peak, in dessen Aufwind Truthahngeier und Steinadler kreisen.

Auf dem Weg dorthin käme man am Whiskytown Lake vorbei, einem Stausee mit malerischen Uferstrichen, der zum Kajakfahren einlädt. Vielleicht hörte man dann die Ode an die Freuden des Paddelns, die einer Outdoor-Führerin zugeschrieben werden: "Paddeln erneuert in mir den Sinn für Eintracht und Staunen, bringt das Kind zurück, das sich längst aufgegeben hat, verjüngt die Seele, führt mich heim in den Schoß der Natur, wo ich wirklich hingehöre."

Artikel von

Bernhard Lichtenberger

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