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Reisen

Neujahrsbrief aus Formazza

Von Astrid Diepes   06. Januar 2019 15:00 Uhr

Neujahrsbrief aus Formazza
Sonnenaufgang im Val Formazza mit der Kirche Riale.

2019 liegt vor uns, unberührt und voller Möglichkeiten. Besonders schön ist der Übergang ins neue Jahr beim Schneeschuhwandern im Val Formazza im Piemont.

Wie eine jungfräuliche weiße Schneedecke, die jetzt in den Raunächten zum Schneeschuhwandern einlädt, ist 2019 noch ganz rein und neu. "Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben," dichtete bereits Hermann Hesse in "Stufen".

Solch einen Winterzauber erlebt man, wenn man sich erstmals in seinem Leben die Schneeschuhe anzieht und den ersten Schritt auf eine frische Schneeschicht setzt. Der weiche Pulverschnee gibt leicht nach unter den Schneeschuhen, die fest an die Bergwanderschuhe geschnallt sind. Die kühle Winterluft brennt auf der Haut. Wie ein Polarforscher auf einer Nordpolexpedition machen wir uns auf unsere Schneeschuhwanderung und ins neue Jahr. Im Walsertal Val Formazza im Norden Italiens liegt jetzt im Winter meterhoch Schnee. Bei der Fahrt durchs Tal hoch in die Berge grüßte rechts der Straße eine Miniaturmadonna aus einem Fenster und erzählt von Glauben und Hoffnung der frommen Talbewohner. "Madre della Speranza", "Unsere Liebe Frau der Hoffnung", nennen die Italiener die Madonna. Der Bergbach fließt, ist immer in Bewegung, wie der Fluss der Zeit, das neue Jahr und das Leben.

Der berühmte Wasserfall "Cascata del Toce" lockt im Sommer Touristen aus aller Welt. Jetzt im Winter wird er von nur wenig Wasser gespeist. Die Jahreszeiten der Natur wechseln wie die Stationen unseres Lebens, mal rasen im Frühjahr die Wassermassen herab, mal ist es still und ruhig und besinnlich wie jetzt im Winter. Am Wasserfall lädt das sonnengelb gestrichene Ristorante "Cascata del Toce" zu einem köstlichen Snack aus Bruschetta mit sonnengereiften Tomaten und Knoblauch. Eine Gruppe junger Nachwuchsskisportler aus Südtirol lässt sich typisch italienische Nudelgerichte wie Penne al arrabbiata und Spaghetti Carbonara schmecken. Die Fenster im großen Speisesaal eröffnen ein einmaliges Panorama in die schneebedeckte Bergwelt und auf den Wasserfall. Lange, spitze Eiszapfen funkeln vorm Fenster in der Sonne. Sie beschwören wie der eingefrorene Bart des Schneekönigs eine märchenhafte Stimmung. Die alten Holzdielen knarzen unter den Schritten des Kellners und erzählen Geschichten aus längst vergangenen Zeiten. Seit 1863 das Hotel hier eröffnet wurde, haben Generationen von Bergliebhabern dieses Panorama genossen. Türkisblaue Details an der gelben Fassade bringen zusätzliche Farbe ins neue Jahr. Ein strahlend blauer Himmel und sonnenbeleuchtete Berggipfel mit weißem Schnee verheißen als gutes Omen ein glückliches neues Jahr. "Il sole bacia i belli" – "die Sonne küsst die Schönen", besagt ein altes italienisches Sprichwort.

Es ist Zeit, aufzubrechen und das neue Jahr zu beginnen. Dabei lohnt ein Abstecher in das Kirchlein am Hotelparkplatz. Die Kapelle ist der Madonna della Neve, Unserer Lieben Frau vom Schnee, gewidmet. Wer möchte, kann eine Kerze entzünden und still seine Wünsche fürs neue Jahr formulieren.

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