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Reisen

Nach dem Rekordjahr 2019 geht’s heuer ums Überleben

23. Mai 2020 00:04 Uhr

Nach dem Rekordjahr 2019 geht’s heuer ums Überleben
Die Ruhe vor dem (An-)Sturm? An den heimischen Seen wird im Sommer einiges los sein.

152,8 Millionen Nächtigungen verbuchte Österreich im Vorjahr. Es war ein Rekordjahr für Oberösterreich, Wien, Tirol … für ganz Österreich. Und auch die ersten Wochen des Jahres 2020 stimmten die Touristiker zuversichtlich. Doch dann kam Corona.

Den kommenden Freitag, 29. Mai, wird sich die gesamte Tourismusbranche dick im Kalender anstreichen. Es ist für sie der erste Tag nach dem Corona-Lockdown. Der erste Tag, an dem die Hotels wieder aufsperren dürfen, Gäste empfangen werden können. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Doch die Buchungslage ist weit von den Rekordwerten des Vorjahres entfernt.

Die Österreich-Werbung hat für den Alpenraum – also nicht ganz Österreich – eine Grafik online gestellt, die zeigt, wie die Buchungslage im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen ist: 66 Prozent weniger waren es Ende April, mittlerweile hat sich die Kurve erholt, weist nur noch ein Minus von 30 Prozent aus. Ein wenig zuversichtlich stimmt auch, dass das Interesse an einem Urlaub in Österreich steigt. Lag dieses Anfang Mai noch um 50 (!) Prozent unter dem Vorjahreswert, so überragte es zwischenzeitlich das Vorjahr um 30 Prozent. Anlass zur Freude, oder vielmehr zur Hoffnung, gibt aber vor allem die angepeilte Grenzöffnung in Europa ab Mitte Juni, insbesondere jene zu Deutschland am 15. Juni.

Wie es derzeit in einzelnen Tourismusregionen in Oberösterreich und Österreich aussieht, das haben die OÖNachrichten recherchiert.

Oberösterreich – im Vorjahr 8,5 Millionen Nächtigungen (+4,5 Prozent)

Mit einem pfiffigen Slogan wirbt man in Oberösterreich um Gäste: "Mit Abstand dein bester Urlaub". Und das trifft ziemlich genau den Kern der Sache. "Wir sehen erhöhten Bedarf an kleinen Betrieben mit eigenen Badeplätzen und mit privatem Seezugang", berichtet Christiane Poschacher vom Tourismusverband Attersee-Attergau, dem Hotspot im heimischen Sommertourismus.

Offensichtlich sind die heurigen potenziellen Gäste an Distanz zueinander interessiert. Und wenn man die gefunden hat, dann bleibt man auch. Poschacher registriert mehr Langzeitanfragen.

Die Ferienmonate Juli und August seien bereits gut gebucht, ausgebucht ist die Region allerdings noch nicht. Es habe zwar Stornierungen im Frühjahr gegeben, aber diese würden vor dem Hintergrund des aktuell vermehrten Interesses österreichischer Urlaubswilliger in den Hintergrund treten. 52 Prozent der Sommergäste in Oberösterreich kommen aus Österreich, die wichtigsten Auslandsmärkte heißen Deutschland und Tschechien.

"Die Privatzimmervermietung boomt", berichtet Poschacher. Doch auch die Vier-Sterne-Hotels und die Campingplätze erleben wieder stärkere Nachfrage. "Insgesamt eine positive Vorausschau", fasst die Touristikerin zusammen, obwohl die Buchungslage für den Juni und für die Nachsaison noch stark ausbaufähig wäre.

Kärnten – im Vorjahr 13,3 Millionen Nächtigungen (+0,2 Prozent)

Heimische und deutsche Gäste spielen im südlichen Bundesland Kärnten traditionell eine große Rolle. So entfielen 39 Prozent der Nächtigungen im Vorjahr auf österreichische Gäste (plus 1,2 Prozent gegenüber 2018). Die Nächtigungen von Urlaubern aus Deutschland schlugen mit einem 33-prozentigen Anteil zu Buche (minus zwei Prozent gegenüber 2018).

Sie wollen im Sommer nach Kärnten und haben noch nicht gebucht? Dann sollten Sie lieber ein Bergfex sein. Bei alpinen Angeboten habe man noch Potenzial, sagt Christian Kresse, Chef der Kärnten-Werbung, im OÖN-Gespräch. Sehr stark für die Hauptsaison nachgefragt sind hingegen bereits die Angebote an den Kärntner Seen, vor allem geschlossene Einheiten wie Appartements, Ferienhäuser und Mobile Homes. Auch auf den Kärntner Rad- und Weitwanderwegen dürfte diesen Sommer einiges los sein. "Die Nachfrage nach Karten- und Routenmaterial boomt", sagt Kresse, der ab dem 15. Juni eine "starke Vorreisetätigkeit" für den Campingbereich erwartet. "Ich glaube, dass viele im Juni zumindest einige Tage rauswollen, nicht nur Ruhe und Erholung suchen, sondern einfach einen Tapetenwechsel wollen." Insgesamt stimme ihn die Entwicklung in den vergangenen zwei Wochen "sehr, sehr positiv". Auch weil seitens der deutschen Gästen ein sehr offensiver Drang in Richtung eines Urlaubes in Kärnten spürbar sei, während die niederländischen Gäste noch zunehmend verhalten reagierten.

Spätbucher, die ihren Sommerurlaub in Kärnten verbringen wollen, sollten sich nicht unbedingt auf Stornierungen verlassen. "Stornierungen deutscher Gäste sind massiv zurückgegangen und wurden durch heimische Gäste aufgefangen. Überhaupt sind Stornierungen nur noch vereinzelt ein Thema", sagt der Geschäftsführer, der hofft, dass die Kärntner Tourismusbranche am Ende mit einem blauen Auge davonkommt. Das Niveau des Vorsommers sei zwar unerreichbar, aber von einer noch vor einigen Wochen prognostizierten Ausfallquote von 70 Prozent ist nicht mehr die Rede. "Es geht in diesem Jahr nicht um Zahlen. Wir wollen möglichst vielen Betrieben das Überleben sichern und die Gäste, die kommen, zu Kärnten-Fans machen. Das ist unsere große Chance."

Steiermark – im Vorjahr 13,3 Millionen Nächtigungen (+1,6 Prozent)

"Es läuft gut an, für die Hauptferienzeit sollte man rechtzeitig buchen", rät Erich Neuhold, Geschäftsführer des Steiermark-Tourismus, will man nicht durch die Finger schauen. Das hinter Kärnten zweitbeliebteste Bundesland heimischer Urlauber hält mehrere Trümpfe in der Hand, die selbst in Corona-Zeiten stechen. Zum einen ist es jenes mit dem höchsten Anteil an inländischen Gästen (60 Prozent) und darf auf satte 68 Prozent an Stamm- und Intervallkunden bauen. 20 Prozent der Sommertouristen sind Deutsche, für die sich am 15. Juni die Grenzen zu Österreich wieder öffnen. "Da für uns auch die zentraleuropäischen Märkte sehr wichtig sind, zum Beispiel Ungarn oder die Tschechische Republik, hoffen wir, dass es da auch bald Klarheit geben wird."

Ungeachtet der offenen Antwort auf die Frage, ob alle, die bereits gebucht haben, auch tatsächlich kommen, stellt Neuhold ("Wir rechnen nicht mit vielen Stornierungen") eine gute Grundbuchungslage fest. Das Vorjahresergebnis werde man nicht erreichen, weil der Ausfall der Sperrmonate nicht wettzumachen sei: "Ein Bett kann man eben nur einmal verkaufen."

Einzeln stehende Ferienhäuser und Appartements gehörten in der ersten Welle zu den gefragtesten Objekten, als die Restriktionen noch sehr strikt und umfassend waren, gefolgt von Campingplätzen – "also alle Urlaubsformen, wo die Einhaltung von Sicherheitsabständen besonders leicht geht". Eine besondere Anziehungskraft übten Seedestinationen wie das Ausseerland aus, aber auch Urlaub am Berg, Radfahren oder die Südsteirische Weinstraße seien stark nachgefragt. Letztere verfügt über eine Buchungsplattform, die 206 Unterkünfte auflistet. Engt man den Wunschtermin für zwei Personen auf die Ferienzeit zwischen 11. Juli und 6. September ein – mit einem Aufenthalt zwischen fünf und acht Tagen, schrumpft das Angebot auf knapp 90.

Wien – im Vorjahr 17,6 Millionen Nächtigungen (+6,8 Prozent zu 2018)

Die optimistischen Prognosen gehen bei den Nächtigungszahlen für Wien von einem Minus von 40 Prozent im Vergleich zu 2019 aus. Wie gesagt, die optimistischen. Diese Worte stammen von Walter Straßer, Sprecher von Wien-Tourismus. "Da ist aber auch viel Platz nach weiter unten." Denn Wien hat von allen Bundesländern mit 17,3 Prozent den siebtniedrigsten Anteil an Inlandsurlaubern – nach Tirol (8,3 Prozent) und Vorarlberg (10,5 Prozent).

Für eine Stadt wie Wien, die eben von Kultur, Museen, internationalen Kongressen und Veranstaltungen lebt, sind die geschlossenen Grenzen naturgemäß schwer zu kompensieren. So sind beispielsweise die USA der drittstärkste Nächtigungspartner für Wien – auch China hat sich zuletzt stark entwickelt und liegt auf Rang sieben. "Wenn Sie es auf einen Satz herunterbrechen wollen, dann kann man sagen: 2020 ist ein Durchhalten, ein Überleben und weniger ein Wirtschaften. Unsere Perspektive ist das erste Quartal 2021", sagt Straßer. "Wenn man es ganz düster sieht, kann es bis 2022 dauern, bis wir wieder das Level erreichen, das wie vor Corona hatten."

Dennoch klingt in seiner Stimme auch Zuversicht durch. Bilaterale Abkommen mit einzelnen Ländern, der D-A-CH-Raum, der immerhin knapp 40 Prozent ausmacht, und die Grenzöffnung Mitte Juni stimmen ihn zuversichtlich. Auch wenn langfristig das Schlimmste nur mit Kurzarbeit abzufedern sein dürfte. Denn von heute auf morgen könne alles wieder einbrechen. Von den rund 370 Hotelbetrieben in Wien wird übrigens gerade einmal die Hälfte – so eine Umfrage des Wien-Tourismus – nächste Woche öffnen.

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