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Reisen

Klettern verboten

Von Christoph Sator   12. Oktober 2019 15:00 Uhr

Klettern verboten
Der Uluru, bekannt auch als Ayers Rock, wird am 25. Oktober endgültig den Ureinwohnern zurückgegeben.

Ab Freitag ist Schluss. Nach 150 Jahren darf der "Heilige Berg" der Ureinwohner Australiens von Touristen nicht mehr bestiegen werden.

Die T-Shirts sind schon alle weg. Bis vor Kurzem konnte man sich an Australiens bekanntestem Felsblock, mitten in der roten Wüste gelegen, noch Souvenirs kaufen mit dem Aufdruck: "I climbed the Uluru" ("Ich bin den Uluru hinaufgeklettert"). Vor ein paar Jahren hieß es sogar noch: "I climbed the Ayers Rock"– die bis dahin übliche englische Bezeichnung. Es war die Zeit, als die Leute auf so etwas noch stolz sein durften. Irgendwann Anfang der Nullerjahre bürgerte es sich ein, den "Heiligen Berg" von Australiens Ureinwohnern nur noch so zu nennen wie die Aborigines selbst: Uluru. Dann wurde es verpönt, den 348 Meter hohen Brocken zu besteigen. In ein paar Tagen wird die ziemlich anstrengende Tour verboten sein. Wer sich darüber hinwegsetzt, muss mit einer Strafe in Höhe von 630 australischen Dollar (knapp 390 Euro) rechnen.

Zu einem Spielplatz verkommen

Das Verbot wurde von der Verwaltung des Nationalparks beschlossen, in dem der Berg liegt. Seither laufen die Vorbereitungen. Die vergangenen Jahre baten die hier lebenden Anangu alle Besucher darum, freiwillig unten zu bleiben. Viele hielten sich daran. Zehntausende machten sich jährlich aber dennoch auf den eineinhalb Kilometer langen Weg nach oben, viele wohl mit schlechtem Gewissen, aber trotzdem den 360-Grad-Rundumblick ins Outback genießend. Denn er gilt als grandios.

"Der Uluru ist für uns ein extrem wichtiger Ort. Kein Spielplatz und auch kein Freizeitpark wie Disneyland", begründet Parkchef Sammy Wilson das Verbot. Wenn es das nur wäre: Trotz aller Schilder und Broschüren lassen Touristen, wie auf anderen Bergen, haufenweise ihren Abfall liegen. Mangels Toiletten verrichten manche auf dem UNESCO-Weltkulturerbe auch ihre Notdurft. Solche Zustände gehören nun bald der Vergangenheit an.

Bis zum Tag seiner Schließung am 25. Oktober wird am Uluru mit einem bis dahin nie dagewesen Ansturm gerechnet. In der Touristensiedlung Yulara – der einzigen halbwegs in der Nähe gelegenen – sind die Hotels trotz horrender Preise seit Wochen ausgebucht. Auch der Campingplatz ist bis auf den letzten Platz gefüllt.

An manchen Tagen gleicht das Bild hier jenem vom Mount Everest, das im Frühjahr um die Welt ging: Einer Ameisenstraße gleich bewegt sich eine lange Schlange von Menschen dicht an dicht auf dem Sandsteinmonolithen.

Alles in allem werden dieses Jahr mehr als 400.000 Besucher erwartet. Zum Vergleich: In der Anfangszeit des Uluru-Tourismus, in den 1950ern, waren es nur ein paar hundert. Für einen Ort mitten in der Wildnis ist die Zahl enorm. Die nächste Stadt, Alice Springs, liegt 470 Kilometer entfernt.

Geteilte Meinungen

Das Verbot ist umstritten. Viele finden es richtig, endlich den Bitten der Aborigines zu entsprechen. Andere halten eine Klettertour auf den Ayers Rock – wie sie ihn wie aus Protest erst recht nennen – für eine Art Grundrecht für alle Bewohner des fünften Kontinents. Selbst die Aborigines sind sich uneins. Fragt man Jüngere, lautet die Antwort häufig: "Ist mir egal." Der Aborigine-Künstler Billy Cooley (67) hat hingegen eine Meinung: "Ich hätte kein Problem damit, wenn der Berg offen bleibt. Die Leute kommen dazu aus aller Welt. Wenn sie heimlich klettern, dann gibt es noch mehr Unfälle."

Tatsächlich ist der Uluru trotz seiner bescheidenen Höhe gefährlich. Der Fels ist nicht nur steil, sondern auch extrem glatt. Mindestens 37 Menschen kamen bereits ums Leben. Seit man sich an einer 300 Meter langen Kette nach oben hangeln kann und diese auch beim Abstieg Halt bietet, sind es weniger geworden. Zuletzt starb im Juli vergangenen Jahres ein 73 Jahre alter Japaner. Er erlitt einen Herzinfarkt.

Der letzte Tag, an dem man klettern darf, ist der 25. Oktober, bis 16 Uhr. Außer, es wird Regen erwartet, viel Wind oder mehr als 35 Grad Hitze. Dann wird der Berg bereits früher gesperrt. Damit enden dann fast eineinhalb Jahrhunderte Geschichte: Als erster Weißer, der den Uluru bestieg, wird der englische Entdecker William Goose (1873) angeführt. Er benannte ihn nach Sir Henry Ayers, einem ehemaligen Premierminister von South Australia.

Eine Zeremonie zum Abschluss

Am Wochenende nach der Schließung soll es am Uluru eine feierliche Zeremonie geben, von Aborigines und Weißen gemeinsam. Sicherheitshalber wird auch die Polizei dabei sein. Die Woche danach wird dann die Kette abgebaut und auch die 138 stählernen Pfosten, die bis zu 30 Zentimeter in den roten Stein gerammt wurden. Auch die Gedenksteine für die Toten und die Platte, die ganz oben in alle Richtungen weist, werden abmontiert.

Die Einzigen, die künftig noch den Uluru besteigen dürfen, sind die Anunga. Doch sie haben eigentlich keinen Grund, denn all ihre heiligen Stätten befinden sich am Fuß des Berges.

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