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Reisen

In einem Zug durch die Weltgeschichte

28. Juli 2019 15:00 Uhr

In einem Zug durch die Weltgeschichte

Mit dem Zug lässt sich auf ökologische Weise zu den abgelegensten und bemerkenswertesten Zielen auf der ganzen Welt reisen. Die britische Journalistin Sarah Baxter lässt uns mit ihrem 500 Zugreisen umfassenden Buch auf diesen Zug aufspringen.

Es ist gleichzeitig eine Zeitreise. Anhand von wegweisenden, luxuriösen, legendären, wenig bekannten, dampfbetriebenen, gefährdeten oder stillgelegten Eisenbahnstrecken erzählt sie gleichzeitig die Geschichte unserer Erde. Manche Strecken führen durch atemberaubende Landschaften, vorbei an antiken Monumenten, auf die Spuren berühmter Entdecker oder entlang der Wolkenkratzer unserer Megastädte.

Die jeweilige Route wird kurz und kompakt vorgestellt, der Leser erfährt Wissenswertes wie die Streckenlänge, die Mindestfahrtdauer, die wichtigsten Haltepunkte und die durchfahrenen Länder. Illustrierte Übersichtskarten vermitteln einen ersten Eindruck vom Streckenverlauf und den historischen Sehenswürdigkeiten. (rofi)

White Pass and Yukon Railway

 

Auf den Spuren hoffnungsvoller Goldsucher vergangener Zeiten bewegt sich, wer in die White Pass and Yukon Railway steigt. Trotz des schwer zugänglichen Geländes durch die Berge Alaskas wurde für die Glücksritter Ende des 19. Jahrhunderts eigens eine Schmalspurbahn gebaut, nachdem drei Goldsucher in einem Nebenfluss des Klondike River Gold gefunden und den größten Goldrausch aller Zeiten ausgelöst hatten. Seit 1988 wird die WP&YR als Touristenbahn von Skagway (USA) nach Carcross (Kanada) geführt. Für die 109 Kilometer lange Strecke entlang von Wäldern, Wasserfällen und Gletschern braucht es knapp fünf Stunden. Aber nicht nur die Natur, auch Tunnels, Brücken, Steigungen bis zu knapp 4 Prozent und enge Kurven am Abgrund machen diese Zugfahrt zu einem besonderen Erlebnis.

 

Transsilvanien-Rundfahrt

 

Transsilvanien, ein Wort, das ausreicht, um diverse schaurige Bilder heraufzubeschwören – die von Graf Dracula. Bram Stocker hatte besagte Gegend in Rumänen, inspiriert durch Fürst Vlad III. Dráculea (1431-1476), zur Heimat seiner Romanfigur gemacht, die sich mit mehreren Lokalbahnen auch per Zug bereisen lässt. Sarah Baxter stellt eine Rundreise vor, die in Braslov, eine für ihre mittelalterlichen Stadtmauern sowie ihre barocke und gotische Altstadt bekannte Stadt, ihren Ausgang nimmt. Nur eine kurze Busfahrt entfernt liegt Bran mit dem Draculaschloss, das Fürst Vlad III. einst als Wohnsitz gedient haben soll. Die Reise geht in nördlicher Richtung weiter nach Klausenburg (Cluj-Napoca), führt an die ungarische Grenze nach Oradea, eine Stadt mit Jugendstil- und Sezessionsbauten, und über die einstige Kulturhauptstadt Sibiu (Hermannstadt), wo in der Krypta Vlads Sohn erstochen wurde und dort begraben liegt, wieder retour.

Kap-Kairo-Linie

 

Eine Bahn über den afrikanischen Kontinent – vom Mittelmeer zum Südatlantik – war der Traum des britischen Kolonialisten Cecil Rhodes. Die Kap-Kairo-Linie sollte alle britischen Kolonien und Einflussgebiete umspannen und der Einheit dienen. Seine Vision wurde nie Wirklichkeit. Mit Zeit und Geduld lässt sich der Großteil des Kontinents auf einer ähnlichen Route abfahren – oder aber man begnügt sich mit Teiletappen.

Vom Mittelmeerhafen Alexandria in Ägypten etwa verkehren Züge am Nil entlang und vorbei an grandiosen Bauwerken der alten Ägypter bis nach Assuan. Von dort fährt einmal wöchentlich ein Dampfschiff nilaufwärts nach Wadi Halfa im Sudan. In Tansania kann man eine Bahn von Daressalam bis Livingstone in Sambia nehmen und dann erst wieder in Johannesburg in den Zug nach Kapstadt steigen.

Ferrocarril Central Andino

 

Ins Land der Lamas auf einer imposanten Eisenbahnstrecke durch die mächtigen Anden führt diese Zugreise. Seit 126 Jahren fährt der Ferrocarril Central Andino durch die Gebirgskette, die sich über 25 Millionen Jahre aufgetürmt hat. Bis 2006 durfte man sich mit dem Prädikat „Die höchste Eisenbahn der Welt“ rühmen, wurde dann aber abgelöst von der Qinghai-Tibet-Bahn, die von Sarah Baxter in ihrem Buch ebenfalls bedacht wird.

Ferrocarril Central Andino

14 Stunden dauert heute die Fahrt ab Lima in die Anden. Die Touristenzüge verkehren in unregelmäßigen Abständen ab Lima und sind mit extra Sauerstoff zur Vorbeugung der Höhenkrankheit ausgestattet. Bis auf 3259 Meter Höhe schraubt sich der Ferrocarril Central Andino empor, passiert tiefe Schluchten und den zweithöchsten Bahnhof der Welt in Galera. Es geht vorbei an schneebedeckten Gipfeln, Gletscherseen und Lamaherden, bevor man nach 535 Kilometern die Andenstadt Huancayo erreicht.

 

Sarah Baxter: „500 Zugreisen – Legendäre Eisenbahnfahrten weltweit“, Knesebeck, 400 Seiten, 120 Fotos, 91 Karten, 32,90 Euro

 

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