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Reisen

Galtür: Winterspaß für jeden Geschmack

26. Januar 2019 00:04 Uhr

Winterspaß für jeden Geschmack
Skifahren mit Aussicht: In der Sektion "Pistenparadies" liefert der Koppsee ein tolles Fotomotiv

Das familienfreundliche Skigebiet Galtür präsentiert sich als Winterwunderland mit Geschichte. Daniela Ullrich erzählt eine davon.

Warm eingepackt starten wir in unseren ersten Skitag der Saison im hochalpinen Galtür. Das beschauliche Bergdorf liegt im Herzen der Silvretta-Gebirgsgruppe. Es ist das am höchsten gelegene Skigebiet im Tiroler Paznaun, daher mit Schneesicherheit von Dezember bis April.

Knackige minus 16 Grad zeigt die Anzeige der Alpkogelbahn, die uns gleich auf knapp 2000 Höhenmeter bringt. Das freundliche Wetter, die perfekte Schneelage und die Aussicht auf einen somit gelungenen Skitag lassen es aber warm ums Herz werden.

Skilehrer Christoph Pfeifer hat noch eine andere Geheimwaffe gegen die Kälte (und vieles mehr), die er uns freundlich, aber bestimmt offeriert: "Nehmt einen Schluck Galtürer Enzian." Eine echte Besonderheit, wie mir der Einheimische bei der nächsten Sesselliftfahrt erzählt, denn zu kaufen gibt es diesen nirgends: "Es gibt ihn nur in Galtür und nur sehr wenige Liter davon. Außerdem handelt es sich um echten Enzianschnaps."

Winterspaß für jeden Geschmack
Skilehrer Christoph Pfeifer, ein Akrobat auf Skiern

Seit den 1960er-Jahren steht Enzian unter Naturschutz. Der Schnaps, den es seither mit einer blauen Enzianblüte am Etikett im Supermarkt zu kaufen gibt, ist nur parfümiert. Die Galtürer haben allerdings eine Ausnahmeregelung ausgehandelt, damit es ihren Schnaps auch weiterhin gibt.

Jährlich dürfen sie die beschränkte Menge von 300 Kilo an Wurzeln des Gelben Enzians ernten und zu Schnaps verarbeiten. Im September, wenn in Galtür Kirchtag gefeiert wird, entscheidet jedes Jahr das Los, welche drei einheimischen Familien dieses Mal das Recht haben, je 100 Kilo Enzianwurzeln auszugraben. Aus diesen werden gerade einmal sieben Liter Schnaps. Daher wird sparsam damit umgegangen. "Wir trinken ihn zu seltenen Anlässen und mit besonderen Menschen", sagt der 54- Jährige und tröstet so über den etwas erdig-bitteren Nachgeschmack hinweg.

Angekommen bei der Bergstation, verschafft uns Christoph, der seit 37 Jahren als Skilehrer unterwegs ist, einen Überblick über den weitläufigen Silvapark.

Sechs Sektoren, ein Spaß

Für uns als inhomogene Wintersportfamilie – eine Skifahrerin, zwei Snowboarder – erweist sich das Gebiet als ideal. In sechs Sektionen findet jeder Wintersportler Gelegenheit, sich auszutoben.

Für Kinder geht es in der "Zwergerlwelt" und dem "Abenteuerland" zur Sache. Der "Actionpark" ist der Spielplatz für Jugendliche und Junggebliebene. Snowboarder und Skifahrer finden hier alles, was das Freestyler-Herz begehrt. Im "Heldenreich" werden unberührte Hänge und Skispaß abseits präparierter Pisten garantiert, während im "Pistenparadies" Genussskifahren Priorität hat. Langläufer, Tourengeher und Schneeschuhwanderer sind in der Sektion High & Nordic bestens aufgehoben.

Die erste Abfahrt im Bereich "Pistenparadies" gibt den Blick auf den Koppsee frei und liefert ein herrliches Fotomotiv. Die prächtige Winterlandschaft verleitet zum Testen der Freeride-Routen, der Abfahrten abseits der Piste. Diese sind heute aber nur bedingt befahrbar. Der viele Neuschnee und das stürmische Wetter der vergangenen Tage bieten keine sicheren Bedingungen.

"Die Regeln schreibt die Natur vor", sagt Christoph und weckt dabei Erinnerungen an die große Naturkatastrophe, die Galtür 1999 heimgesucht hat. Damals wurde die Ortschaft von einer Lawine zerstört, ganze Häuser unter den Schneemassen begraben, denen auch 31 Menschen zum Opfer fielen. "Wir konnten aber auch 22 Leute befreien, das darf man nicht vergessen. An den Rettungsaktionen waren alle beteiligt – Galtürer wie Gäste", sagt Christoph, der die damalige Katastrophe hautnah miterlebte und lieber vor als zurück blickt.

"Den nötigen Rückhalt haben wir Einheimischen von den vielen Stammgästen in den anschließenden Saisonen erhalten. Einfach, indem sie wiedergekommen sind", sagt der Bergfex, der sicher ist: "Der Schnee und die Natur lassen sich nicht hundertprozentig berechnen."

Alpinarium Galtür

Eine der seither getroffenen Sicherheitsvorkehrungen ist 345 Meter lang und bis zu 19 Meter hoch: eine Mauer zum Schutz des Dorfkerns, die gleichzeitig als Begegnungszone dient.

Das Besondere daran ist das Museum "Alpinarium" als zentraler Bestandteil. Diese Symbiose aus Schutz und Informations-, Dokumentations- und Ausstellungszentrum ist einzigartig.

Der Gedenkraum für die Lawinenopfer sowie die Dauerausstellung "Ganz oben – Geschichten über Galtür und die Welt" finden hier Platz. Im 80 Zuschauer fassenden Kinosaal wird der Film "Berge in Bewegung", eine Dokumentation, die schildert, wie das Ereignis vom Februar 1999 Galtür und seine Menschen verändert hat, gezeigt. "Weiter zusammengerückt sind wir damals nicht. Wir Galtürer waren uns schon immer sehr nah", sagt Christoph, der den Bergen seiner wunderschönen Heimat stets respektvoll begegnet.

Winterspaß für jeden Geschmack
Das Alpinarium Galtür ist Schutzwall und Begegnungszone in einem

Kulinarischer Genuss

Ausklingen lassen wir diesen herrlichen Skitag bei einem Fondue-Abend im Hotel Almhof, wo sich Hausherr Hermann Huber vor 20 Jahren dem Käse verschworen hat.

Dabei kommt bei den Hubers alles aus einer Hand, von den mittlerweile 30 Milchkühen bis zum vollendeten Käse. "Die verwendete Ziegenmilch stammt von einem Galtürer Bauernhof", sagt der Käse-Spezialist, der sich nicht nur zu einem der besten Käseproduzenten im Tal hochgearbeitet hat, sondern auch die Genussregion Paznauner Almkäse ins Leben rief.

Damit ist Hermann Huber gemeinsam mit seinen beiden Söhnen einer von zehn Käseproduzenten im Tiroler Paznauntal, deren Produkte das Zertifikat Genussregion Paznauner Almkäse tragen dürfen.

"Was eigentlich als Ausgleich zum Job im Hotel begonnen hat, ist zu meiner großen Leidenschaft herangereift", sagt Huber. Und diese Liebe zum Käse und zu Galtür spürt und schmeckt man auch.

Winterspaß für jeden Geschmack
Hermann Huber, Hotelier und leidenschaftlicher Käseproduzent
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