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Extravirgin Griechenland

Von Doris Mittner   05.Juni 2013

Extravirgin Griechenland
Die schönsten Strände der Insel befinden sich an der Westküste.

Weiß angestrichene kleine Häuschen mit blauen Fenstern sucht man hier vergeblich. Ganz untypisch griechisch schmiegen sich im Städtchen Parga ziegelrote, rosa und gelbe Villen terrassenförmig an den Hügel, auf dem eine Festung thront und der die Parga-Bucht von dem benachbarten Badestrand Valtos Beach trennt.

Die kleine Hafenstadt an der Küste von Epiros im Südwesten der Balkanhalbinsel, die sich von Igoumenitsa im Norden bis Preveza im Süden ausbreitet, unterscheidet sich sonst aber wenig von den touristisch erschlossenen griechischen Orten. Eine kleine Taverne reiht sich an die nächste, Geschäfte mit Souvenirs verführen die Gäste zum Kauf von allerhand Mitbringsel. Viele Touristen hier wissen aber nicht, dass sie ihren Urlaub ganz in der Nähe der griechischen Unterwelt verbringen.

In der griechischen Unterwelt

Der griechischen Sage nach birgt der benachbarte Fluss Acheron den Zugang zu Hades. Wer also auf mythologischen Spuren Abenteuer erleben will, muss sich nur ein Boot mieten und zum Höhlenlabyrinth fahren, denn die Geschichten wer an wen wo und wann Fährgeld bezahlen musste, werden hier nicht touristisch ausgeschlachtet.

„Doch diese Region in Epiros hat mythologisch einiges mehr zu bieten“, sagt Silvia, eine Niederösterreicherin, die sich der Liebe wegen in Griechenland als Olivenbäuerin niedergelassen hat und nebenbei auch Touristen in die Geheimnisse des Olivenölmachens, aber vor allem in die touristischen Sehenswürdigkeiten einweiht.

Auf einem Hügel im Tal des Flusses steht das Totenorakel Nekromantio der antiken Stadt Ephyra. „Es war in der antiken Welt weithin bekannt und auch Odysseus suchte hier Rat.“ Wir orakeln währenddessen über die diesjährige Ernte der Olivenbaumplantagen, die unseren Weg säumen. Silvia ist in ihrem Element und gerät ins Schwärmen: „Heuer ist ein gutes Jahr – Olivenbäume tragen aber nicht jedes Jahr!“

Virgin oder extravirgin?

Was ist überhaupt der Unterschied zwischen ‚virgin’ und ‚extra virgin’ Olivenöl? „Das qualitativ hochwertigere ist das ‚extra’ und wird aus den noch auf dem Baum hängenden Oliven im Oktober gewonnen. Dafür werden die Früchte vom Baum gezupft und dann verarbeitet. Im Frühjahr fallen die Oliven von selbst von den Bäumen und in die dafür ausgebreiteten Netze und bilden die Basis für das ‚native’ Öl.“ Genauere Infos über die Geschichte des Olivenöls in der Region gibt das sehenswerte Olivenölmuseum in Parga.

Wir wollen aber noch die Insel kennenlernen, die laut Ausgrabungen einmal Odysseus Heimat Ithaka gewesen sein soll. Die 80 Kilometer lange Strecke nach Lefkas ist auch zu sehr von mythologisch interessanten Stätten gesäumt, um sich noch länger den Oliven, auch wenn sie sehr schmackhaft sind, zu widmen.

Links tauchen Teile einer frühchristlichen Basilika auf. Wir können zwar mit dem Bus die Ausgrabungen nur im weiten Bogen umkreisen, weil dort aktuell gearbeitet wird, die Geschichte ist aber aus der Ferne nicht weniger interessant. Die Kirche ist Teil der Stadt Nikopolis ‚Siegesstadt’, die Kaiser Oktavian nach dem Sieg über Kleopatra und Marc Anton bauen ließ und auch so benannte. Das noch gut erhaltene antike Theater und eine Stadtmauer zeugen noch heute von der Größe dieser Ansiedlung.

Kurz danach haben wir die Hafenstadt Preveza erreicht. Das Festland ist durch eine Brücke mit der Insel Lefkas verbunden. Die südlich von Korfu gelegene ionische Inselperle lockt vor allem Urlauber an, die das ursprüngliche Griechenland lieben oder kennen lernen wollen. Die 33 Kilometer lange, auch Lefkada genannte Insel ist nämlich touristisch noch wenig entwickelt und zeigt noch ein wildromantisches Landschaftsbild.

Lefkas, die Weiße

Die schönsten Strände befinden sich an der unverbauten Westküste, die mit ihren weißen, bis zu 200 Meter hohen Kalksteinklippen fasziniert. Nach ihnen ist sie auch benannt – Lefkas ‚die Weiße’. Die abwechslungsreiche Steilküste muss man erst einmal hinabklettern, um an einige der zwar traumhaften, menschenleeren, aber auch unerschlossenen Strände zu kommen. Der Strand Egremni etwa verzaubert uns mit einer Türkisfärbung des Wasser, die uns mehr an die Karibik als an das Mittelmeer erinnert. Tavernen, Duschen, Toiletten, aber auch Abstiegshilfen sucht man hier allerdings vergeblich. Nach den vielen Serpentinen mit dem Bus müssen wir zum Strand hinunter noch über rund 300 Stufen hinabsteigen – die letzten Stufen, die abenteuerlich aus alten Sesseln, zerlegten Strandbetten und morschen Holzlatten gefertigt sind, treibt einigen von uns bei 32 Grad den (Angst-)Schweiß auf die Stirn – hinauf noch mehr als hinunter.

Mit Kindern oder nicht so sportlichen Urlauber empfehlen sich die bequemer erreichbaren Traumstrände, wie etwa Kathisma, Porto Katsiki oder Desimi-Beach, die einen Liegen- und Sonnenschirmverleih bieten. Und für kaffeeverwöhnte Österreicher ganz wichtig: In fast allen Tavernen und Cafés an den Stränden gibt es schon in den Vormittagsstunden wirklich köstlichen Kaffee in vielen verschiedenen Sorten. „Von den Urlaubsorten an der Ostküste und den Bergen im Inland genießt man herrliche Ausblicke auf die nahen Inseln und das vorgelagerte Ithaka, die legendäre Heimat des griechischen Heroen Odysseus!“, erzählt uns Wanderführer Helmut.

Irgendwann blieb er dann dort

Bei uns in der Gruppe huscht ein Lächeln über die Lippen als der nach STS-Manier ‚irgendwann dort gebliebene’ Deutsche die Tour mit den Worten „Im Inselinneren ragt ein Bergmassiv mit 1157 Metern in die Höhe“ eröffnet. Trotz der für uns hügelig anmutenden Landschaft sind wir nach der dreistündigen Tour um den Berg Poros geschafft. Vom Gipfel hat man eine traumhafte Sicht bis zum Peloponnes, bei klarem Wetter bis Zakynthos. Schön ist es hier.

Informationen

Rhomberg in Dornbirn ist Spezialist für Individualreisen nach Lefkas & Epiros - rhomberg-reisen.com
Flüge: niki fliegt vom 07.05 - 15.10. jeden Dienstag direkt ab Wien - flyniki.at
Olivenölmuseum: paragaea.gr

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